MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 155, Issue 4, pp 30–30

Wiederholtes Erythema migrans: Neuinfektion statt Reaktivierung

  • H. S. Füeßl
KRITISCH GELESEN Aus internationalen Fachzeitschriften ausgewählt und kommentiert von

DOI: 10.1007/s15006-013-0214-8

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Füeßl, H.S. MMW - Fortschritte der Medizin (2013) 155: 30. doi:10.1007/s15006-013-0214-8
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Nun wurde der klare molekularbiologische Beweis geführt, dass es sich beim wiederholten Auftreten eines Erythema migrans um eine Neuinfektion mit Borrelien und nicht um eine Reaktivierung einer früheren Infektion handelt.

Prof. Dr. med. H. S. Füeßl Isar-Amper-Klinikum, Kl. München-Ost, Haar

_ Seit vielen Jahren wird vor allem in der weniger seriösen medizinischen Literatur der Begriff der chronischen Borreliose thematisiert. Ein wichtiges Argument für die Existenz der Chronizität war das Wiederauftreten eines Erythema migrans bei unbehandelten Patienten bzw. das vorübergehende Verschwinden unter Therapie und ein anschließendes Rezidiv bei bis zu 15% der betroffenen Patienten.

Erythema migrans: Gibt es eine „chronische Borreliose“?

© H. Schulz, Bergkamen

Im mikrobiologischen Institut des New York Medical College untersuchte man Isolate von B. burgdorferi von 17 Patienten, bei denen zwischen 1991 und 2011 ein Erythema migrans diagnostiziert worden war und die anschließend insgesamt 22 weitere Episoden dieser Erkrankung hatten. Mittels Genotypisierung des Oberflächenproteins C (ospC) der aus Haut- und Blutkulturen isolierten Bakterienstämme konnte nachgewiesen werden, dass die Stämme der ersten und zweiten Episode durchweg verschieden waren. Nur bei einem einzigen Patienten mit insgesamt dreimal im Abstand von fünf Jahren aufgetretenem Erythema migrans, konnten offensichtlich identische Genotypen bei der ersten und dritten Episode nachgewiesen werden.

Kommentar

Die Untersuchung beweist, dass wiederholte Episoden eines Erythema migrans bei ausreichend behandelten Patienten nicht Ausdruck des Rezidives einer chronischen Erkrankung sind, sondern eine Neuinfektion darstellen. Ob es so etwas wie eine chronische Borreliose tatsächlich gibt, darf weiterhin stark bezweifelt werden.

Copyright information

© Urban & Vogel 2013

Authors and Affiliations

  • H. S. Füeßl

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