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InFo Neurologie & Psychiatrie

, Volume 21, Issue 10, pp 17–17 | Cite as

Subthalamische Stimulation

Erhöhte Suizidraten

  • Günther DeuschlEmail author
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Fragestellung: Wie hoch ist die Suizidrate nach subthalamischer Stimulation und welche Faktoren weisen auf eine mögliche Suizidalität hin?

Hintergrund: In offenen Fallserien wurde eine erhöhte Suizidrate bei Patienten unter Behandlung mit tiefer Hirnstimulation (deep brain stimulation, DBS) gefunden.

Patienten und Methodik: Unter 534 Patienten, die zwischen 1993 und 2016 im französischen Grenoble eine DBS erhielten, wurden diejenigen mit komplettiertem oder versuchtem Selbstmord identifiziert und mit jeweils zwei nicht betroffenen Patienten hinsichtlich Alter, Geschlecht und Jahr des Eingriffs gematcht.

Ergebnisse: Mit vier Suiziden (0,75 %) und 22 Suizidversuchen (4,1 %) war die Suizidrate für die ersten drei Jahre höher als die statistische mittlere altersentsprechende Suizidrate in Frankreich. Risikofaktoren waren eine Vorgeschichte mit Suizidgedanken/-versuchen, eine positive Familienanamnese für psychiatrische Erkrankungen, vermehrter Psychopharmakagebrauch sowie ein höherer Depressions- oder frontaler Score zu Baseline.

Schlussfolgerungen: Die Suizidrate nach DBS ist erhöht. Patienten mit Suizid/Suizidversuch unterscheiden sich vor der Operation in einigen Aspekten von Nichtsuizidanten.

Kommentar von Günther Deuschl, Kiel

Die Persönlichkeit ist entscheidend

Die Studie bestätigt frühere Daten, denen zufolge die Suizidalität nach DBS in den ersten drei Jahren erhöht ist. Die Frage, ob die Suizidalität wegen der Stimulation erhöht ist oder ob Patienten, die sich für die DBS entscheiden, eine höhere Suizidalität haben, lässt sich jedoch nur beantworten, wenn eine nicht operierte Kontrollgruppe vorliegt. Hier fand eine US-Studie gleiche Suizidraten bei operierten und nicht operierten Patienten [1]. Man sollte alle Patienten, die sich zur DBS vorstellen, auf eine mögliche Suizidalität untersuchen, Patienten und Angehörige auf diese Komplikation hinweisen und ein entsprechendes Monitoring beim Follow-up einhalten. Nach gegenwärtiger Datenlage ist nicht die DBS für die Suizidalität verantwortlich, vielmehr neigen Menschen mit einem entsprechenden Risiko wohl eher dazu, sich einer Stimulation zu unterziehen.

Prof. Dr. Dr. h.c. Günther Deuschl, Kiel

Referenz

  1. 1.
    Weintraub D et al. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2013; 84: 1113–8CrossRefGoogle Scholar

Literatur

  1. Giannini G, Francois M, Lhommée E et al. Suicide and suicide attempts after subthalamic nucleus stimulation in Parkinson disease. Neurology 2019; 93: e97–e105CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Neurologische Klinik UKSH, Kiel, Christian-Albrechts-UniversitätKielDeutschland

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