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InFo Neurologie & Psychiatrie

, Volume 20, Issue 12, pp 27–27 | Cite as

Nicht invasive Stimulation des Nervus vagus bei akuter Migräneattacke

Effektive Alternative, wenn eine Therapie mit Triptanen nicht möglich ist

  • Springer Medizin
journal club
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Fragestellung: Ist die transkutane nicht invasive Stimulation des Nervus vagus in der Therapie akuter Migräneattacken wirksam?

Hintergrund: Für die Therapie akuter Migräneattacken stehen Analgetika, nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) und Triptane zur Verfügung. Bei einer Reihe von Patienten sind Analgetika oder NSAR nicht oder nicht ausreichend wirksam und bei anderen besteht eine Kontraindikation für den Einsatz von Triptanen, beispielsweise eine schwere vaskuläre Erkrankung oder multiple vaskuläre Risikofaktoren. Für diese Patienten ist es wichtig, nicht medikamentöse Therapiemaßnahmen zu entwickeln. Die nicht invasive Stimulation des Nervus vagus führt zu einer Aktivierung afferenter Vagusfasern. Da die efferenten Fasern der Nerven nicht erregt werden, bestehen keine Nebenwirkungen im Sinne von Änderungen des Blutdrucks oder der Herzfrequenz. Diese atraumatische Stimulation wird derzeit sowohl in der Akuttherapie von Migräneattacken und Attacken des Clusterkopfschmerzes, als auch in der Prophylaxe primärer Kopfschmerzen untersucht.

Patienten und Methodik: Es handelt sich um eine multizentrische, randomisierte Doppelblindstudie, die in zehn Kopfschmerzzentren in Italien durchgeführt wurde. Verglichen wurde die Stimulation des Vagus mit einer Scheinstimulation. Eingeschlossen wurden Migränepatienten im Alter zwischen 18 und 75 Jahren, die zwischen drei und acht Migränetage im Monat hatten. Die Patienten wurden gebeten, innerhalb von 20 Minuten nach Beginn der Migräneattacke jeweils für 120 Sekunden die rechte und linke Halsseite zu stimulieren. Erfasst wurden die Kopfschmerzintensität und die Migränesymptome nach 15, 30, 60 und 120 Minuten sowie nach 24 und 48 Stunden. Wenn es nach 15 Minuten nicht zu einer Besserung der Kopfschmerzen gekommen war, war eine erneute Stimulation möglich. Primärer Studienendpunkt war Kopfschmerzfreiheit nach zwei Stunden.

Ergebnisse: 122 Patienten wurden in die Stimulationsgruppe und 126 Patienten in die Gruppe mit Scheinstimulation randomisiert. Im Mittel kam es zu fünf Migräneattacken pro Monat. 30 % der Patienten hatten eine prophylaktische Medikation. Zum Zeitpunkt der Therapie waren die Kopfschmerzen bei 35 % der Patienten leicht, bei 44 % mittelschwer und bei den restlichen Patienten schwer ausgeprägt. Nach 30 Minuten waren 12,7 % versus 4,2 % der Patienten schmerzfrei mit aktiver Stimulation versus Scheinstimulation (p = 0,012) und 21 % versus 10 % nach 60 Minuten (p = 0,023). Nach 120 Minuten war der Unterschied von 30,4 % mit aktiver Stimulation versus 19,7 % mit Scheinstimulation nicht mehr signifikant. Über 120 Minuten war die Odds Ratio für einen Therapieerfolg mit 2,3 signifikant. Für eine Besserung der Kopfschmerzen von schwer oder mittelschwer auf leichte oder keine Kopfschmerzen war die Vagusstimulation der Scheinstimulation über alle Zeitpunkte hinweg überlegen.

Die Patienten wurden nach der Therapie dahingehend befragt, ob sie ihrer Meinung nach eine echte oder eine Scheinstimulation erhalten hatten. Hier zeigten sich keine Unterschiede. Bezüglich Nebenwirkungen ergaben sich ebenfalls keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen.

Schlussfolgerung: Die transkutane Stimulation des Nervus vagus ist in der Therapie akuter Migräneattacken einer Scheinstimulation überlegen.

Kommentar von Hans-Christoph Diener, Essen

Wirksame und verträgliche Option

Die hier durchgeführte Studie ist eine der größten, doppelblinden Neurostimulationsstudien für die Therapie akuter Migräneattacken. Die Stimulation des Nervus vagus war nach 30 und 60 Minuten einer Scheinstimulation überlegen. Nach 120 Minuten zeigte sich ein numerischer Unterschied, der knapp die Signifikanz verfehlte. Mit dieser neuen Methode steht eine Therapieoption für Patienten zur Verfügung, die Kontraindikationen gegenüber Triptanen haben oder bei denen Triptane nicht wirksam sind. Es fehlen allerdings bisher Daten darüber, wie konsistent der Therapieerfolg über die Zeit hinweg ist. Dies wird im Moment in einer weiteren Studie untersucht. Studien zur prophylaktischen Wirkung der Vagusstimulation bei der Migräne sind abgeschlossen und werden demnächst publiziert.

Literatur

  1. Tassorelli C, Grazzi L, de Tommaso M et al. Noninvasive vagus nerve stimulation as acute therapy for migraine: The randomized PRESTO study. Neurology 2018; 91: e364–73CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Springer Medizin

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