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InFo Neurologie & Psychiatrie

, Volume 20, Issue 11, pp 20–20 | Cite as

Therapie der schubförmigen Multiplen Sklerose

Nur geringe Unterschiede zwischen Fingolimod und Dimethylfumarat

  • Volker LimmrothEmail author
journal club
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Fragestellung: Gibt es einen Wirkungsunterschied zwischen Fingolimod und Dimethylfumarat (DMF) im direkten Vergleich in der Behandlung der schubförmigen Multiplen Sklerose (MS)?

Hintergrund: Fingolimod und DMF sind bereits seit mehreren Jahren für die Behandlung der schubförmigen MS zugelassen. Direkte doppelblinde randomisierte Vergleichsstudien zwischen beiden Substanzen stehen bisher jedoch nicht zur Verfügung. Allerdings konnte eine große randomisierte Studie, in der Fingolimod und Interferon beta-1a i.m verglichen wurden, eine Überlegenheit von Fingolimod hinsichtlich Schubrate und MRT-Parametern zeigen (TRANSFORMS-Studie). In einer weiteren Studie zwischen DMF und Glatirameracetat (GA) zeigte sich wiederum eine höhere Wirksamkeit von DMF für MRT-Parameter. In der hier vorliegenden Studie wurden aus sieben italienischen Zentren die klinischen Daten von Patienten ausgewertet, die entweder Fingolimod oder DMF erhalten hatten.

Patienten und Methodik: Es wurden Daten von Patienten analysiert, die eine der beiden Substanzen entweder als Ersttherapie oder nach Umstellung von einem selbst zu injizierendem Präparat erhalten hatten. Zum Vergleich der Wirksamkeit wurde eine sogenannte Propensity-Score-Analyse durchgeführt, die darauf basiert paarweise Patienten zu vergleichen, die möglichst ähnliche beziehungsweise homogene Baseline-Charakteristika aufweisen.

Als klinischer Outcome-Parameter wurde NEDA-3, das heißt, keine Schübe, keine Progression und keine MRT-Aktivität, verwendet.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 483 Patienten, die Fingolimod und 456 Patienten, die DMF erhalten hatten, in die Studie eingeschlossen. Nach einer Beobachtungszeit von 24 Monaten (durchschnittliche Beobachtungszeit 18 Monate) zeigten sich ähnliche Daten. So erfüllten 73 % der mit Fingolimod und 70 % der mit DMF behandelten Patienten die NEDA-3-Kriterien.

Darüber hinaus zeigten sich in der Subgruppenanalyse identische Ergebnisse bei therapienaiven Patienten. Bei Patienten, die vorher eine Therapie mit Interferon oder GA erhalten hatten, war jedoch Fingolimod etwas wirksamer als DMF (72 % vs. 68 %, die die NEDA-3-Kriterien erfüllten). Die Abbruchrate innerhalb der ersten drei Monaten war unter DMF (n = 28) deutlich höher als unter Fingolimod (n = 13).

Schlussfolgerungen: Beide Substanzen scheinen eine vergleichbare Wirksamkeit bei therapienaiven Patienten zu besitzen, bei Therapiewechslern ist Fingolimod möglicherweise geringfügig wirksamer. Die Abbruchquote in den ersten drei Monaten scheint unter Fingolimod signifikant geringer zu sein.

Kommentar von Volker Limmroth, Köln

Vergleichbare Wirksamkeit mit diskreten Unterschieden

Auch wenn es sich hier um keine doppelblinde randomisierte Studie handelte, zeigt sich eine vergleichbare Wirksamkeit, die in Kenntnis der Phase-III-Studien erwartet werden durfte und letztlich auch den langjährigen klinischen Eindruck bestätigt.

Etwas überraschend ist das Ergebnis, dass Fingolimod möglicherweise bei Therapiewechslern etwas besser wirkt. Hier waren die Zahlen allerdings auch geringer und der Unterschied relativ klein, sodass dieser Aspekt nicht überbewertet werden sollte.

Grob merken darf man sich, dass bei den Real-World-Daten rund 70 % der Patienten unter beiden Therapien NEDA-3-Kriterien erreichen, therapienaive Patienten unter beiden Therapien sogar etwas mehr.

Diskutieren könnte oder sollte man, ob Patienten, die nach zwei Jahren unter einer der beiden Substanzen die NEDA-3-Kriterien nicht mehr erfüllen, einer anderen Therapie zugeführt werden sollten. Ebenso war es nicht überraschend, dass die Abbruchrate aufgrund von Tolerabilitätsaspekten etwas höher unter DMF (6 %) als unter Fingolimod (3 %) ausfiel.

Zusammenfassend zeigt diese Studie keine Überraschungen, aber sie liefert eine gute Bestätigung unserer klinischen Erfahrungen der letzten Jahre.

Prof. Dr. med. Volker Limmroth, Köln-Merheim

Literatur

  1. Properini L, Lucchini M, Haggiag S, et al. Fingolimod vs dimethyl fumarate in multiple sclerosis — A real world propensity score-matched study. Neurology 2018; 89: 1578–83Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Chefarzt der Klinik für Neurologie und Palliativmedizin Köln-MerheimKöln-MerheimDeutschland

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