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InFo Neurologie & Psychiatrie

, Volume 20, Issue 7–8, pp 21–21 | Cite as

Intrazerebrale Blutung unter oraler Antikoagulation

Bessere Prognose mit NOAK

  • Springer Medizin
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Fragestellung: Unterscheiden sich intrazerebrale Blutungen bei Patienten, die mit nicht Vitamin-K-abhängigen oralen Antikoagulanzien (NOAK) behandelt werden von denen, die unter Vitamin-K-Antagonisten (VKA) auftreten?

Hintergrund: Viele ältere Menschen mit Vorhofflimmern oder Patienten nach einer Venenthrombose oder einer Lungenembolie werden oral antikoaguliert. Dies geschieht in den letzten Jahren zunehmend mit NOAK anstelle von VKA. In den großen randomisierten Studien zur Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern war die Prognose intrazerebraler Blutungen unter NOAK vergleichbar mit der unter VKA.

Patienten und Methodik: Es handelt sich um eine retrospektive Kohortenstudie aus den USA. Im Rahmen des „Get with the Guidelines-Schlaganfallregisters“ wurden 141.311 Patienten mit intrazerebraler Blutung identifiziert. Verglichen wurden Patienten, die zum Zeitpunkt der intrazerebralen Blutung antikoaguliert waren, mit Patienten, bei denen keine Antikoagulation erfolgte. Der primäre Endpunkt war die Sterblichkeit im Krankenhaus.

Ergebnisse: Die 141.311 Patienten mit intrazerebralen Blutungen waren im Schnitt 68 Jahre alt, 48 % waren Frauen. 15.036 Patienten (10,6 %) nahmen den VKA Warfarin und 4.918 (3,5 %) ein NOAK ein. 39.585 Patienten (28 %) nahmen einen Thrombozytenfunktionshemmer ein und bei 5.783 Patienten (4,1 %) erfolgte eine duale Plättchenhemmung. Die Schwere der initialen Hirnblutung, gemessen mit der NIHSS-Skala betrug im Median 9 und war zwischen den drei Therapiegruppen Warfarin, NOAK und Thrombozytenfunktionshemmer nicht unterschiedlich. Die Sterblichkeit im Krankenhaus betrug 42,6 % für Warfarin, 26,5 % für NOAK und 22,5 % für Thrombozytenfunktionshemmer. Dies entspricht einer Odds Ratio von 1,62 für Warfarin und von 1,21 für NOAK. Das Risiko der Sterblichkeit im Krankenhaus war für NOAK signifikant geringer als unter Warfarin. Die Sterblichkeit war auch bei Patienten, die eine duale Plättchenhemmung erhielten, höher als bei Patienten mit einer Monotherapie.

Schlussfolgerung: In einer retrospektiven Registerauswertung war die Sterblichkeit im Krankenhaus bei Patienten, die unter NOAK oder Thrombozytenfunktionshemmern eine intrazerebrale Blutung erlitten hatten, geringer als bei Patienten, bei denen diese Ereignisse unter Warfarin eintraten.

Kommentar von Hans-Christoph Diener, Essen

Weniger ICH-Todesfälle unter NOAK

Diese sehr große Registerstudie legt nahe, dass die Sterblichkeit durch NOAK-induzierte intrazerebrale Blutungen etwas geringer ist, als bei Blutungen, die unter Warfarin eintreten. Die Ergebnisse unterscheiden sich von den Resultaten der großen randomisierten Studien, wobei in dem Register die Zahl der intrazerebralen Blutungen ungleich größer und die Patienten sehr wahrscheinlich im Mittel auch älter und kränker waren als in den randomisierten Studien. Die Ergebnisse wären neben der Tatsache, dass es unter NOAK zu einer Halbierung der Häufigkeit intrazerebraler Blutungen kommt, ein weiteres Argument dafür, NOAK anstelle von Warfarin in der Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern einzusetzen.

Literatur

  1. Inohara T, Xian Y, Liang L et al. Association of intracerebral hemorrhage among patients taking non-vitamin K antagonist vs vitamin K antagonist oral anticoagulants with in-hospital mortality. JAMA 2018; 319: 463–73CrossRefPubMedPubMedCentralGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Springer Medizin

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