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InFo Hämatologie + Onkologie

, Volume 22, Issue 11, pp 87–87 | Cite as

Innovationen in der Medizin

Digitalisierte Hautkrebsdiagnostik

  • Günter Löffelmann
Praxis aktuell
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Die Medizin liefert jede Menge Daten, deren Verwendung schon jetzt die Diagnostik erheblich verbessern kann. Ein Beispiel ist die Frühdiagnostik von Hautkrebs mithilfe Künstlicher Intelligenz.

© Ruslan Grumble / stock.adobe.com

Eine Künstliche Intelligenz (KI), die Nävi treffsicherer von Melanomen unterscheiden kann als der Facharzt? „Die haben wir jetzt“, so Titus Brinker, Heidelberg. Zusammen mit seinem Team setzt er auf intelligente Algorithmen, um die Untersuchungsqualität etwa bei der Hautkrebsfrüherkennung zu verbessern.

„Melanome werden hierzulande in erster Linie bei der Dermatoskopie entdeckt“, erklärt Brinker. „Deren Sensitivität liegt aber meist unter 8 %, selbst wenn Fachärzte die Untersuchung durchführen.“ Die Heidelberger Ärzte trainierten daher eine KI auf die Detektion von Hautkrebs. Anschließend ließ man Bilder von Melanomen und Nävi durch die KI und durch Dermatologen interpretieren. „Dabei lieferte die Software signifikant sensitivere und spezifischere Ergebnisse“, berichtet Brinker.

Die algorithmengestützte Mustererkennung analysiert die Bildinformationen anders als der Arzt und kommt daher anders zu einer Entscheidung. „Während der Arzt in histologischen Schnitten etwa nach erhöhter Zelldichte oder destruierendem Wachstum sucht, bewertet die KI Interaktionen auf der Pixelebene“, erklärt Brinker. „Wir erhalten damit praktisch eine Zweitmeinung.“

Dadurch ließen sich in Bildbefunden von Tumoren sogar Korrelate für bestimmte genetische Veränderungen identifizieren. „Das Verfahren ist schneller und günstiger als eine genetische Testung, momentan aber noch nicht so präzise.“

Brinker geht davon aus, dass sich Ärzte künftig häufiger mit derartigen Assistenzsystemen auseinandersetzen müssen. „Unsere Pathologen stehen dem durchaus positiv gegenüber. Sie sind froh, dass ihnen die KI hochrepetitive Fragestellungen abnimmt und mehr Zeit für die kniffligen Sachen bleibt.“ Zudem gebe es nach wie vor Grenzen. So könne eine KI nicht auf seltene Krankheitsbilder vorbereitet werden, weil nicht genügend Bildmaterial zur Verfügung steht.

Als Beispiel nennt Brinker amelanozytische Läsionen: „Um sie zu erkennen, braucht es die klinische Erfahrung.“ Und selbst mit einem Kaffeefleck sei die Software überfordert — einfach weil sie nicht darauf trainiert sei, ihn zu erkennen.

Roland Eils vom Berlin Institute of Health war sich dementsprechend sicher, dass der Arzt als solcher auch künftig nicht ausgedient hat — möglicherweise aber der Arzt, der die KI nicht als qualitätssichernde Maßnahme einsetzt.

Brinker und seine Kollegen wurden im vergangenen Jahr für ihre Teledermatologie-App „App-Doc“ mit dem „Erfolgs-Rezept-Praxis-Preis“ ausgezeichnet. Die App soll dazu beitragen, bei verdächtigen Hautflecken per Fernbehandlung ohne langes Warten auf einen Hautarzttermin die Ersteinschätzung eines Arztes zu erhalten.

Erfolgs-Rezept-Praxis-Preis

Die Themenbandbreite, in der Praxisteams mit kreativen Einfällen ihre Arbeit verbessern können, ist grenzenlos: Bürokratieabbau, Qualitätsmanagement, Delegation, Compliance, Marketing, Abrechnung, Mitarbeiterführung oder Ärztemangel in ländlichen Gebieten sind Möglichkeiten, in denen Mediziner auch mit kleinen Ideen punkten können.

Schon seit Beginn dieses Jahrzehnts veranstaltet Springer Medizin zusammen mit Apontis Pharma den Erfolgs-Rezept-Praxis-Preis. Auf diesem Wege sollen Ärzte und Praxisteams mit tollen Ideen gefunden und die besten von ihnen bekanntgemacht und prämiert werden.

Sind Sie mit Ihrem Praxisteam vielleicht auch kreativ und innovativ aktiv geworden? Dann bewerben Sie sich unter www.aerztezeitung.de/erfolgsrezept oder per E-Mail (erfolgsrezept@springer.com). Teilnehmern winken attraktive Preise. Bewerbungsschluss ist der 30.11.2019. Die Preisverleihung findet Anfang 2020 in Berlin statt.

Copyright information

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Authors and Affiliations

  • Günter Löffelmann
    • 1
  1. 1.

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