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InFo Hämatologie + Onkologie

, Volume 22, Issue 11, pp 70–70 | Cite as

Hodgkin-Lymphom: Besser kein Verzicht auf die Bestrahlung

  • Friederike Klein
Onkologie aktuell
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Gerne hätte die Deutsche Hodgkin Studiengruppe (GHSG) in ihrer Studie HD16 gezeigt, dass Patienten mit frühem Hodgkin-Lymphom und niedrigem Risiko, die nach zwei Zyklen Kombinationschemotherapie in der Positionenemissionstomografie eine Komplettremission zeigen, keine Bestrahlung mehr brauchen.

Nach der von Michael Fuchs, dem Leiter der Studienzentrale der Deutschen Hodgkin Studiengruppe, Köln, vorgestellten finalen Analyse ist der Verzicht auf eine Bestrahlung aber nicht zu empfehlen: Patienten, die nach zwei Zyklen ABVD (Adriamycin, Bleomycin/Vinblastin/Dacarbazin) einen negativen Befund in der Positionenemissionstomografie (PET) hatten und nicht bestrahlt wurden, wiesen eine schlechtere lokale Tumorkontrolle auf als diejenigen mit anschließender Bestrahlung (Fuchs M et al. DGHO. 2019;Abstr V1024). Zudem fand sich ein deutlicher Unterschied im geschätzten progressionsfreien Überleben (PFS) über fünf Jahre, das ohne Bestrahlung bei 86,1 % und mit Bestrahlung bei 93,4 % lag. Dank effektiver Zweitlinientherapien blieb das Gesamtüberleben aber auch für diese Patienten auf hohem Niveau, betonte Fuchs. Die Bestrahlung nach zwei Zyklen ABVD bleibt nach diesen Ergebnissen nun auch bei den prognostisch günstigen Patienten Therapiestandard.

Risikofaktor PET-Negativität nach Chemo

Die Patienten, die einen positiven PET-Befund nach zwei Zyklen ABVD aufwiesen, hatten trotz Radiochemotherapie ein signifikant schlechteres progressionsfreies Überleben (PFS) und ein dreifach erhöhtes Risiko für einen Progress oder ein Rezidiv gegenüber PET-negativen Patienten.

Grad der PET-Positivität entscheidend

Dabei kommt es auf den Grad der PET-Positivität an. Der wird über den sogenannten Deauville-Score (DS) abgeschätzt. Meist wird ein DS von 1 oder 2 als PET-negativ und ein DS-Score von 3 oder 4 als PET-positiv berichtet. Das hohe Risiko bestand aber vorrangig bei Patienten mit einem DS von 4 in der PET nach zwei Zyklen ABVD. Für diese Patienten lag die geschätzte 5-Jahres-PFS-Rate bei 80,9 %, bei DS 3 dagegen bei 92,8 % und damit kaum unter den Patienten mit DS 1–2 (93,2 %).

Daher muss diskutiert werden, ob die Patienten mit DS-4-Befund im PET nicht eine intensivierte Behandlung benötigen, um die Rezidivhäufigkeit zu verringern, beispielsweise weitere ABVD-Zyklen oder eine Therapie mit BEACOPP (Bleomycin/Etoposid/Adiamycin/Cyclophosphamid/Vincristin/Porcarbazin/Predniso[lo]n).

In der Leitlinienkommission wird die mögliche Strategie für diese Patientengruppe derzeit diskutiert, erklärte Fuchs. Eine ganz praktische Konsequenz der Studie für die Praxis ist, dass Nuklearmediziner in ihrem Bericht zur PET nicht mehr positiv/negativ angeben sollten, sondern den DS ausweisen müssten, regte er an.

Literatur

  1. Bericht von der Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie vom 11. bis 14. Oktober in BerlinGoogle Scholar

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© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Friederike Klein
    • 1
  1. 1.

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