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InFo Hämatologie + Onkologie

, Volume 22, Issue 1–2, pp 53–53 | Cite as

Emapalumab: Eine neue Therapieoption zur Behandlung der hämophagozytischen Lymphohistiozytose

  • Silke Wedekind
onkologie aktuell
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Unter einer Therapie mit Emapalumab konnte in einer Phase-II/III-Studie bei 70 % der Kinder mit primärer hämophagozytischer Lymphohistiozytose (HLH) eine substanzielle Verbesserung der Symptomatik erreicht werden. Die meisten der Kinder hatten auf konventionelle Behandlungsoptionen nicht angesprochen.

„Emapalumab könnte damit die Prognose der betroffenen Kinder deutlich verbessern“, erklärte Franco Locatelli vom Rom, Italien, der die Studie auf der ASH-Jahrestagung vorstellte.

Die HLH ist ein sehr seltenes, lebensbedrohliches hyperinflammatorisches Syndrom, das durch eine massiv überschießende, entzündliche Reaktion des Immunsystems verursacht wird. Unterschieden werden können angeborene (primäre) und erworbene (sekundäre) Fehlsteuerungen auf verschiedenen Ebenen des Immunsystems. Die überaktiven Immunzellen verursachen Entzündung und Schäden an den Geweben und Organen der Patienten. Das klinische Bild ist variabel und unterscheidet sich oft kaum von einer Sepsis oder einer schweren Infektion. Unbehandelt beträgt die mittlere Überlebenszeit von Patienten mit primärer HLH nur zwei Monate. Nach Locatelli stehen für die Therapie der HLH zurzeit nur limitierte Behandlungsoptionen zur Verfügung: die allogene hämatopoetische Stammzelltransplantation und die Immunchemotherapie.

Die allogene hämatopoetische Stammzelltransplantation ist eine kurative Option. Einen passenden Spender zu finden, kann jedoch einige Zeit dauern, und die Transplantation ist nicht ohne Risiken. Mit einer Immuntherapie wird das Ziel verfolgt, die überschießende Immunreaktion zu unterdrücken. Allerdings sprechen nicht alle Patienten auf die Therapie an, die zudem erwartbare Nebenwirkungen hat.

Emapalumab ist ein rekombinanter, humaner, monoklonaler Antikörper, der speziell zur Behandlung der HLH entwickelt wurde. Er neutralisiert das Zytokin Interferon (IFN) gamma (γ), das für die Entstehung der HLH bzw. die Unterhaltung der Hyperinflammation eine Schlüsselrolle spielt.

„Die Studie mit Emapalumab hat wichtige Daten dazu geliefert, wie die Therapie von HLH-Patienten mit einem Ansatz aus der Präzisionsmedizin optimiert werden kann“, führte Locatelli aus. Mit Emapalumab könnten die Symptome der Erkrankung kontrolliert und die Zeit bis zu einer allogenen hämatopoetischen Stammzelltransplantation überbrückt werden. Und: „Gegenüber den konventionellen Therapien lassen sich zudem Toxizitäten einsparen“, so der Pädiater.

In die multizentrische, offene, einarmige Studie wurden insgesamt 34 pädiatrische Patienten mit HLH aus 14 Zentren in Europa und den USA aufgenommen [Locatelli F et al. ASH. 2018;Abstr LBA-6]. Die meisten Kinder waren jünger als ein Jahr, und 27 hatten auf die konventionelle Chemoimmuntherapie nicht angesprochen. Emapalumab wurde intravenös zweimal wöchentlich über vier bis acht Wochen gegeben.

Primärer Endpunkt der Studie war das Gesamtansprechen der Patienten auf die Therapie mit Emapalumab bei Behandlungsende. Beurteilt wurde das Ansprechen anhand von für die Erkrankung typischen Anzeichen der Inflammation und Krankheitsaktivität wie Fieber, Splenomegalie, ZNS-Beteiligung, Thrombozytopenie, Neutropenie sowie dem Nachweis von Ferritin, Fibrinogen und löslichem CD25 im Blut.

„Die Studie erreichte ihren primären Endpunkt mit einem Ansprechen auf Emapalumab in der Bewertung des Untersuchers von 70,6 % in der Gesamtgruppe bzw. 70,4 % unter den Therapieversagern“, so Locatelli. Damit habe der erreichte Anteil erheblich über den für die Nullhypothese angesetzten 40 % gelegen. Die meisten Patienten hätten unter der insgesamt gut verträglichen Therapie mit Emapalumab nach einigen Tagen kein Fieber mehr gehabt und bei Studienende eine deutliche Verbesserung ihrer Symptome gezeigt. In der überwiegenden Zahl der Fälle sei so eine allogene hämatopoetische Stammzelltransplantation mit gutem Ergebnis möglich gewesen, schloss Locatelli.

SpringerMedizin.de

Kongress-Dossier zum Annual Meeting 2018 der American Society of Hematology

Weitere Meldungen von der ASH-Jahrestagung, unter anderem zu neuen Therapiestrategien beim multiplen Myelom, bei Non-Hodgkin-Lymphomen oder beim myelodysplastischen Syndrom finden Sie unter

https://www.springermedizin.de/ash-2018/kongresse/ash-2018/16300718

Literatur

  1. Bericht von der 60. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) 2018 vom 1. bis 4. Dezember in San Diego, CA/USAGoogle Scholar

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Authors and Affiliations

  • Silke Wedekind
    • 1
  1. 1.

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