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InFo Onkologie

, Volume 21, Issue 6, pp 62–62 | Cite as

Blasen- und Hodenkrebs: Leitlinien ante portas

  • Thomas Meißner
onkologie aktuell

Beim Urologie-Kongress in Dresden sind eine Reihe neuer Leitlinien für das Fach vorgestellt worden, darunter ein Update der Empfehlungen zum Blasenkarzinom sowie eine S3-Leitlinie zu Hodentumoren.

Die Checkpointinhibitoren sind nun auch in der Urologie angekommen und führen nach und nach zu einem Paradigmenwechsel in der Systemtherapie. Margitta Retz, München, Leitlinienkoordinatorin der noch jungen S3-Leitlinie zum Blasenkarzinom, gab einen Ausblick auf mögliche Veränderungen der Empfehlungen ab Januar 2019, wenn das Addendum zur Leitlinie veröffentlicht werden soll. Demnach wird es zwar zunächst bei der Erstlinientherapie auf Basis von Cisplatin bleiben. Für Patienten, für die eine Therapie mit Cisplatin ungeeignet ist und die bislang Gemcitabin/Carboplatin erhalten sollten, gibt es jetzt aber Alternativen: nämlich die Substanzen Atezolizumab, ein PD-L1(„programmed cell death-ligand 1“)-Antikörper, und Pembrolizumab, ein PD-1(„programmed cell death protein 1“)-Inhibitor. Bei Ansprechraten von 23 und 24 % sind für diese Substanzen in Phase-II-Studien mediane Gesamtüberlebenszeiten von 15,9 und 11,5 Monaten nachgewiesen worden.

Den Monotherapien mit den beiden Checkpointinhibitoren hatte die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) im Juni keine Zulassung für die Erstlinientherapie erteilt. Laut EMA sei dies nur bei Patienten mit entsprechend hohen PD-L1-Werten gerechtfertigt. Das heißt, die nähere Charakterisierung der Blasenkarzinome wird in Zukunft eine wichtige Rolle bei Therapieentscheidungen spielen. Der Pathologe muss entweder den Combined Positivity Score (CPS) bestimmen — er bewertet den Anteil PD-L1-positiver Zellen an der Gesamtzahl von Tumorzellen — oder, bei geplanter Therapie mit Atezolizumab, die PD-L1-Expression tumorinfiltrierender Immunzellen im Tumormaterial.

Für die Zweitlinientherapie bei Blasenkarzinom stehen zunächst drei neue Substanzen zur Verfügung, erklärte Retz: Nivolumab, Pembrolizumab und Atezolizumab.

Erstmals wird es in Kürze außerdem eine deutsche S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie bei Keimzelltumoren des Hodens geben. „Wir brauchen diese S3-Leitlinie einfach deshalb, weil es schwierig ist, eindeutige und klare Empfehlungen zu finden“, sagte Leitlinienkoordinatorin Sabine Kliesch, Münster. Im Praxisalltag seien sowohl Über- als auch Untertherapien zu beobachten. Aus letzterem resultierten erhöhte Rezidivraten, bei prinzipiell guter Prognose der Patienten, betonte die Urologin. Die neue Leitlinie werde unter anderem klar machen, wann organerhaltend und wann nicht organerhaltend behandelt werden sollte sowie detaillierte Nachsorgeschemata zur Verfügung stellen.

Literatur

  1. Bericht vom 70. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. vom 26. bis 29. September in DresdenGoogle Scholar

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Authors and Affiliations

  • Thomas Meißner
    • 1
  1. 1.

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