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InFo Onkologie

, Volume 21, Issue 6, pp 59–59 | Cite as

Nebenwirkungsmanagement unter der Therapie mit Checkpointhemmern

  • Carola Göring
onkologie aktuell
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Immer mehr Tumorpatienten profitieren von der Checkpointinhibition. Allerdings unterscheiden sich die Nebenwirkungen dieser Therapie stark von den anderer Krebstherapien. Sie zu erkennen und angemessen zu behandeln, ist wesentlich.

Seit 2011 sind in Europa fünf Checkpointinhibitoren in sieben Indikationen — Melanom, nichtkleinzelliges Lungenkarzinom, Urothelkarzinom, M. Hodgkin, Nierenzellkarzinom, Kopf- und Halstumoren sowie beim Merkelzellkarzinom — zugelassen worden, erläuterte Friedrich Overkamp, Hamburg. Die Blockade der Schlüsselmoleküle CTLA-4 und PD-(L)1 der Immuncheckpointsignalwege kann die gebremste körpereigene Immunabwehr erneut aktivieren, so Overkamp. Dies führt bei etwa einem Fünftel der Patienten zu einem mehrere Jahre lang anhaltenden Ansprechen. Die Kehrseite des Erfolgs seien unerwünschten Nebenwirkungen (irAEs, „immune related Adverse Events“), die sich aus dem Wirkmechanismus ableiten und im Prinzip alle Organe betreffen können. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Hautausschläge, Durchfall, Schilddrüsenunterfunktion und Müdigkeit, aber auch Pneumonitis, Kolitis und Hepatitis können auftreten ebenso wie Nieren-, Herz- oder neurologische Probleme. In der Regel sind sie leichterer Art, es können jedoch auch schwere, irreversible oder sogar lebensbedrohliche Reaktionen auftreten. Daher sollten Patienten während der Therapie und mindesten fünf Monate nach Ende der letzten Checkpointinhibitor-Dosis noch betreut werden, betonte der Onkologe. Insgesamt wird eine engmaschige Überwachung und Beurteilung empfohlen. Der Großteil der immunvermittelten Nebenwirkungen kann mittels Therapieunterbrechung und ggf. immunsuppressiver Kortikosteroidtherapie effektiv behandelt werden, die unerwünschten Wirkungen sind in der Regel beherrschbar und reversibel.

Das Management von immunbedingten Nebenwirkungen sollte nach dem 5-Säulen-Modell erfolgen, betonte Overkamp: Verhindern, Erwarten, Erkennen, Behandeln und Überwachen [Champiat et al. Ann Oncol. 2016;27:559-74]. Es sollte nicht nur jeder behandelnde Arzt das Nebenwirkungsspektrum von Immuntherapien kennen, auch die Patienten müssen entsprechend informiert und instruiert werden.

Vier wichtige Empfehlungen

Gemeinsam entwickelten die American Society of Clinical Oncology und das National Comprehensive Cancer Network Guidelines zum Management immunbedingter Nebenwirkungen [Brahmer JR et al. J Clin Oncol. 36(17):1714-68]. Vier wichtige Empfehlungen lauten:
  • Im Allgemeinen kann die Checkpointinhibitortherapie bei leichten (Grad 1) Toxizitäten fortgesetzt werden, mit Ausnahme von neurologischen und einigen hämatologischen Toxizitäten.

  • Bei mäßigen (Grad 2) Toxizitäten sollten Checkpointinhibitoren so lange nicht eingesetzt werden, bis die Symptome und/oder Laborwerte wieder auf Grad 1 oder niedriger zurückgehen. Kortikosteroide können angeboten werden.

  • Bei schwerer (Grad 3) Toxizität sollten Patienten für mindestens sechs Wochen hochdosierte Kortikosteroide erhalten. Es ist Vorsicht geboten, wenn die Immuntherapie nach einer Grad-3-Toxizität fortgesetzt wird.

  • Im Allgemeinen erfordert eine sehr schwere Toxizität (Grad 4) das Beenden der Checkpointblockade.

Literatur

  1. Bericht von der Jahrestagung der Multinational Association of Supportive Care in Cancer (MASCC) und the International Society of Oral Oncology (ISOO) vom 28. bis 30. Juni 2018 in Wien, ÖsterreichGoogle Scholar

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Authors and Affiliations

  • Carola Göring
    • 1
  1. 1.

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