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Orthopädie & Rheuma

, Volume 22, Issue 4, pp 20–20 | Cite as

Kreuzbandrekonstruktion I: Autograft ist für Revisionseingriffe zu bevorzugen

  • Robert Bublak
Literatur kompakt
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Benötigen jugendliche Patienten nach einer ersten Kreuzbandplastik eine Revisionsoperation, lassen sich bessere Ergebnisse erzielen, wenn dafür ein Autotransplantat verwendet wird.

In der Rubrik „Literatur kompakt“ werden die wichtigsten Originalarbeiten aus der internationalen Fachliteratur referiert.

© Mehmet Dilsiz / Fotolia.com

In einer retrospektiv ausgewerteten Fallserie hat sich ein Team von Orthopäden um Ryan Ouillette von der University of California, San Diego, mit den Ergebnissen von Revisionseingriffen am vorderen Kreuzband jugendlicher Patienten beschäftigt. In die Analyse gingen die Daten von 57 Patienten ein, die im Mittel 17 Jahre alt waren. Die Nachbeobachtung dauerte mindestens zwei, im Durchschnitt betrug sie 4,4 Jahre.

Im Vergleich zu den Befunden bei der Erstoperation ließen sich bei der Revision mehr Risse in den Menisken und auch mehr Knorpelverletzungen dokumentieren. Das Operationsergebnis mit Blick auf Funktion und Symptome war nach dem Revisionseingriff durchweg schlechter als nach der Primäroperation. Es kam auch häufiger zum Transplantatversagen: 21 % verus 10 %, wobei sich der letztere Anteil auf die gesamte Operationskohorte von 561 Patienten bezieht, der auch die Patienten mit den Revisionseingriffen entstammten. Nur 27 % der Patienten erlangten nach der Revision ihr ursprüngliches sportliches Niveau wieder.

Eine interessante Frage ist die nach den verwendeten Transplantaten. Während bei der Erstoperation für 93 % der Patienten Eigentransplantate verwendet worden waren (weit überwiegend Hamstring-Präparate), war das bei den Revisionseingriffen nur noch bei 35 % der Fall. Als Gründe dafür nennen Ouillette und Kollegen unter anderen Bedenken, bei jugendlichen Patienten weiteres Autograft-Material an der lädierten Extremität zu entnehmen — zumal Transplantate aus der Quadrizepssehne an der untersuchten Klinik noch nicht routinemäßig eingesetzt wurden. Auch die kontralaterale Gewinnung von Transplantaten gelte als problematisch, weil die Rate an kontralateralen Kreuzbandrupturen nach einem ersten Riss des Bandes bekanntermaßen hoch sei.

Studie mit Erwachsenen legte vor

Den Hauptgrund für den Einsatz von Allograft-Plastiken sehen die kalifornischen Orthopäden aber darin, dass die Ergebnisse der Studie MARS (Multicenter ACL Revision Study) von 2014 zum Zeitpunkt der meisten Revisionseingriffe noch nicht bekannt waren. Sie hatten die Überlegenheit von Autotransplantaten gegenüber Allografts belegt. Ganz ähnlich wie in der MARS-Studie, an der Erwachsene beteiligt waren, sind deshalb auch in der vorliegenden Untersuchung von Ouillette und Kollegen die Resultate von jugendlichen Patienten mit Autografts besser als jene von Patienten mit Allotransplantaten.

Die Rate des Transplantatversagens war bei Autografts mit 11,1 % verglichen mit 26,7 % niedriger, obzwar die Differenz nicht signifikant ausfiel — mutmaßlich aufgrund der geringen Teilnehmerzahl der Studie. Statistisch bedeutsam war aber der Unterschied im Lysholm-Score, mit dem die physische Funktion, Schmerzen und andere Symptome beurteilt werden. Patienten nach Revisionsoperationen mit Autotransplantateinsatz erreichten hier 91, solche mit Allotransplantaten 83 von 100 möglichen Punkten.

Fazit: Die betroffenen Kniegelenke sind in schlechterem Zustand als zum Zeitpunkt der Primäroperation, die Rate des Transplantatversagens nach Revisionsoperation ist höher als nach dem Ersteingriff. Die ungünstigeren Ergebnisse nach Revisionseingriffen am vorderen Kreuzband von jugendlichen Patienten unterstreichen, wie wichtig es ist, die Erstoperation optimal zu gestalten, resümieren Ouillette et al. Da nur eine Minderheit das frühere sportliche Niveau erreichen werde (auch nach Autograft-Einsatz waren das in der Studie nur 35 %), sei es nötig, vor einem Revisionseingriff für realistische Erwartungen bei den Patienten und ihren Familien zu sorgen. Eigengewebe sei bei solchen Operationen wann immer möglich zu bevorzugen, resümieren Ouillette und Kollegen. Einschränkend ist zu bemerken, dass die Studie retrospektiv angelegt, die Teilnehmerzahl gering und die Nachbeobachtungszeit relativ kurz war.

Literatur

  1. Ouillette R et al. Outcomes of Revision Anterior Cruciate Ligament Surgery in Adolescents. Am J Sports Med 2019;  https://doi.org/10.1177/0363546519837173CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Robert Bublak
    • 1
  1. 1.

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