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Die Relevanz kleiner Gemeinden und kleinteiliger Flächen für die Innenentwicklung. Ein quantitatives Monitoring am Beispiel Deutschlands

  • Georg Schiller
  • Andreas Blum
  • Holger Oertel
Beitrag/Article
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Zusammenfassung

Die Bedeutung der Innenentwicklung für eine nachhaltige flächensparende Siedlungsentwicklung wird von politischer Seite auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene mit Nachdruck vertreten und ist fachlich unumstritten. Eine wesentliche Voraussetzung für die Mobilisierung von Innenentwicklungspotenzialen ist eine fundierte Kenntnis der Flächenpotenziale innerhalb bestehender Siedlungsgebiete. In diesem Beitrag werden die Ergebnisse einer bundesweiten Erhebung vorgestellt. Ziel der Erhebung war die Bereitstellung belastbarer Daten zu Umfang von und Umgang mit Innenentwicklungspotenzialen auf Brachen und Baulücken in Deutschlands Städten und Gemeinden. Anders als in früheren Studien wurden erstmals auch kleine Gemeinden und kleinteilige Potenziale, typischerweise Baulücken, einbezogen und hinsichtlich deren Relevanz im Rahmen einer flächensparenden Siedlungspolitik diskutiert. Im Ergebnis lässt sich eine belastbare Größenordnung für Innenentwicklungspotenziale auf Brachen und Baulücken von 15 m2 je Einwohner als Untergrenze hochrechnen. Die Ergebnisse zeigen auch, dass mehr als ein Viertel der Potenziale in Gemeinden unter 5.000 Einwohnern liegen. Zudem wird deutlich, dass mehr als die Hälfte der Innenentwicklungspotenziale auf Baulücken entfallen. Damit ergibt sich die eindeutige Empfehlung, dass eine Politik nachhaltiger Siedlungsentwicklung stärker als bisher die Nutzung kleinteiliger Innenentwicklungspotenziale fokussiert und insbesondere in kleineren Gemeinden, die häufig dazu tendieren, ihre Potenziale zu unterschätzen, das Bewusstsein für die Bedeutung und die Potenziale der Innenentwicklung geschärft wird.

Schlüsselwörter

Innenentwicklungspotenziale Kleinstädte Flächennutzung Brachen Baulücken Flächensparende Siedlungsentwicklung 

The relevance of smaller municipalities and small-scale potential for infill development. A quantitative monitoring using the example of Germany

Abstract

The limitation of land use and the protection of soil is an important target set in European and national sustainability strategies. To this end, the use of brownfields, vacant and underutilised sites within existing settlement structures for urban development, frequently called infill development, is a primary strategy. This paper presents the results of a nationwide survey to generate reliable data on the potential for infill development in German cities and towns. In contrast to earlier studies, in particular infill development potential in small communities and small-scale potential, usually on vacant lots, are focused and discussed with regard to their relevance for land-saving settlement-policy making. The data generated allow to determine a reliable range of overall infill development potential per capita of at least 15 m2. Often underestimated, the survey also reveals, that more than a quarter of infill development potential is located in smaller communities below 5.000 inhabitants, which were not included in earlier surveys. With respect to lot sizes the results also show that small-scale potential on vacant lots makes up more than half of the overall potential. It is thus recommended that policy making towards sustainable land use put more emphasis on small-scale land uses and awareness rising in smaller communities which clearly tend to underestimate their infill potential.

Keywords

Infill development potential Land use Small cities Brownfields Vacant lots Land saving settlement policy 

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR)DresdenDeutschland
  2. 2.Kommunale StatistikstelleLandeshauptstadt DresdenDresdenDeutschland

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