Raumforschung und Raumordnung

, Volume 74, Issue 5, pp 451–465

Raum und Verkehr – ein Feld komplexer Wirkungsbeziehungen. Können Interventionen in die gebaute Umwelt klimawirksame Verkehrsemissionen wirklich senken?

Wissenschaftlicher Beitrag
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Zusammenfassung

Mit dem Bild einer integrierten Standort- und Verkehrsplanung verknüpft sich die Hoffnung, die bisher verkehrsinduzierend wirkenden Wechselwirkungen zwischen Raum und Verkehr quasi umzudrehen und durch planerische Interventionen in den Bereichen von Standortstruktur und Verkehrsangebot einen nennenswerten Beitrag zur Reduzierung der klimarelevanten Emissionen zu leisten. Die planerische Gestaltung nutzungsgemischter und kompakter Standortstrukturen auf kommunaler und regionaler Ebene wird allerdings überlagert von gesellschaftlichen und räumlichen Entwicklungen, für die großräumige Mobilität politisch erwünscht oder strukturell notwendig ist. Vor diesem Hintergrund erscheinen die genannten Hoffnungen deutlich übertrieben. Wir stellen in diesem Beitrag bekannte empirische Ergebnisse zu Raumstrukturen und Verkehr in einen anderen Interpretationszusammenhang und lenken den Blick auf unseres Erachtens wichtigere Treiber der Verkehrsentwicklung, die allerdings außerhalb des Handlungsfeldes einer integrierten Standort- und Verkehrsplanung stehen. Wir ziehen die Schlussfolgerung, dass eine integrierte Standort- und Verkehrsplanung nicht mit der Vermeidung von CO2-Emissionen begründet werden sollte. Trotzdem bleibt sie aus unserer Sicht sinnvoll, da eine integrierte Standort- und Verkehrsplanung zu weiteren Zielen der Stadtentwicklung beitragen kann.

Schlüsselwörter

Mobilität Verkehr Raumentwicklung Reurbanisierung Klimaschutz Verkehrsplanung 

Space and Traffic – A Field of Complex Interrelations. Can Interventions in the Built Environment Really Reduce Transport-Related Climate Emissions?

Abstract

The image of an integrated urban and transport planning is linked to the hope for a turnaround in the mutual interrelations between the built environment and transport that have actually induced more transport to date. Planning interventions in location structures and transport supply should therefore effectively contribute to reduce transport-related climate emissions. However, the targeted design of mixed land-use and compact location structures on the local and regional level is superimposed by societal and spatial trends that make large-scale mobility politically desirable or necessary. Against this background, the hopes mentioned before appear widely overstated. In this paper we put well-known empirical findings in new contexts of interpretation, and we point to other – from our perspective, more important – drivers of transport trends that are beyond the scope of integrated urban and transport planning. We conclude that integrated urban and transport planning should not be justified by avoiding carbon dioxide emissions, but remains reasonable for other reasons.

Keywords

Mobility Traffic Spatial development Reurbanisation Climate protection Traffic planning 

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2016

Authors and Affiliations

  1. 1.Fachgebiet Verkehrswesen und VerkehrsplanungTechnische Universität DortmundDortmundDeutschland

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