Raumforschung und Raumordnung

, Volume 74, Issue 4, pp 339–359 | Cite as

Regional Distribution of Ambulant Nursing Services in Germany. A GIS Accessibility Analysis

Wissenschaftlicher Beitrag

Abstract

In many rural areas in Europe a spatial concentrating of basic services can be observed due to interacting socioeconomic and demographic processes. At the European level, territorial cohesion policy aims at mitigating the consequences of this development. Additionally, in Germany, this development is a greatly discussed topic. However, little data exists at the country level on the dimensions and consequences of this spatial concentration process. This limitation makes it difficult to realistically assess the situation and identify the regions and basic services where intervention may be required. As a contribution to bridging this knowledge gap, we used a GIS accessibility analysis to analyse the regional distribution of ambulant nursing services throughout Germany and to estimate the availability of such services near patients’ places of residence. Ambulant nursing care is an important basic service of the German health care system; such services allow disabled or elderly people who are not able to fully care for themselves to stay in their homes and living environments. The analysis results lead us to conclude that although ambulant nursing services must cover greater distances to reach customers in rural areas, at present such services are nationally available in rural areas as well as in urban areas.

Keywords

Rural development Medicare Ambulant nursing services as defined in the German Social Code Book XI Raster-based GIS-accessibility analysis 

Regionale Verteilung ambulanter Pflegedienste in Deutschland. Eine GIS-Erreichbarkeitsanalyse

Zusammenfassung

Gegenwärtig lässt sich in den ländlichen Räumen beobachten, dass sich wechselseitig beeinflussende sozioökonomische und demographische Prozesse zu einer räumlichen Konzentration von Daseinsvorsorgeinfrastrukturen führen. Das heißt: demographische Entwicklungen bedingen eine Veränderung der Nachfrage, was in Folge zur Aufgabe unrentabler Standorte führt. Auf europäischer Ebene versucht man dieser Entwicklung durch die Politik des Territorialen Zusammenhalts zu begegnen. Ein ähnliches Ziel verfolgt Deutschland seit 1965 mit dem im § 2 des Raumordnungsgesetzes festgeschriebenen Ziel der Gewährleistung gleichwertiger Lebensbedingungen in allen Landesteilen. Vor diesem Hintergrund ist es überraschend, dass es bislang für Deutschland nicht in allen relevanten Bereichen, kleinräumige, flächendeckende Daten gibt, die Auskunft über das Ausmaß und die Folgen dieses Konzentrationsprozesses geben. Das führt dazu, dass es schwer ist, die Situation realistisch zu erfassen sowie Regionen und Infrastrukturen zu identifizieren, bei denen gegebenenfalls Interventionsbedarf besteht. Um einen Beitrag zum Abbau dieses Informationsdefizits zu leisten, haben wir mit Hilfe einer GIS-Erreichbarkeitsanalyse die regionale Verteilung ambulanter Pflegedienste in Deutschland, die Dienstleistungen gemäß SGB XI anbieten, analysiert. Die Ergebnisse der GIS-Analyse ermöglichen es, die wohnortnahe Verfügbarkeit ambulanter Pflegedienste nach SGB XI kleinräumig, unterhalb der Ebene der Gemeinden, abzuschätzen. Als wichtigstes Ergebnis lässt sich festhalten: Obwohl in ländlichen Regionen von ambulanten Pflegediensten weitere Wege zu den potenziellen Kunden zurückgelegt werden müssen, ist derzeit in Deutschland die grundlegende wohnortnahe Versorgung mit ambulanten Pflegediensten sowohl in ländlichen als auch städtischen Regionen flächendeckend gewährleistet.

Schlüsselwörter

Entwicklung ländlicher Räume Medizinische Versorgung Ambulante Pflegedienste nach SGB XI Rasterbasierte GIS-Erreichbarkeitsanalyse 

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2016

Authors and Affiliations

  1. 1.Federal Research Institute for Rural Areas, Forestry and Fisheries, Institute of Rural StudiesJohann Heinrich von Thünen-InstituteBraunschweigGermany

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