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Raumforschung und Raumordnung

, Volume 72, Issue 6, pp 491–501 | Cite as

Geoinformation in der kommunalen Abfallentsorgungs- und strategischen räumlichen Planung

  • Tine Köhler
Wissenschaftlicher Beitrag

Zusammenfassung

In Gemeinden mit schrumpfender Bevölkerungszahl und in der Folge einer ‚Perforierung‘ der Siedlungsstruktur entwickeln sich die Gebühren für Infrastrukturen, Abgaben und Steuern mehr und mehr zu einer „zweiten Miete“. Zudem verlieren Immobilien aufgrund der dispersen Schrumpfung der Siedlungen an Wert, wodurch eine Trading-down-Spirale angestoßen werden kann. Um einerseits die Kosten für die Abfallentsorgung zumindest konstant zu halten und andererseits eine kompakte Siedlungsform zu forcieren, sollte trotz Schrumpfung einer dispersen Ausdünnung gegengesteuert werden. In diesem Sinne wird in diesem Beitrag aufgezeigt, wie sich die Kosten für die Sammlung der Restmüllfraktion reduzieren und gleichzeitig die Abfallentsorgung als Steuerungsinstrument für die Siedlungsentwicklung einsetzen ließe. Über den gesamten Prozess hinweg – von der Untersuchung von lokalen Wanderungen, der Verteilung von Wohneinheiten und Innenentwicklungspotenzial innerhalb des Gemeindegebietes bis zur Abfallentsorgungsplanung – wurde auf Geodaten verschiedenster Stellen zurückgegriffen, die zusammen mit unterschiedlichen beschreibenden Daten in einer freien Geoinformationssoftware verarbeitet wurden. Durch Überlagerung der Gesamt- und Fachplanungen lässt sich beispielsweise über eine GIS-gestützte Standort- und Erreichbarkeitspotenzialanalyse von Abfallsammelinseln eine Teilzentralisierung der Abfallentsorgung realisieren. Diese Zentralisierung kann eine ressourcenschonende und strategische Gesamtplanung unterstützen.

Schlüsselwörter

Geoinformation in der Planung Abfall-entsorgung Zusammenspiel Fach- und Gesamtplanung ländlicher Raum Schrumpfung 

Geo-information in waste disposal planning and strategic spatial planning

Abstract

The declining growth and the resulting “perforation” of settlements cause high charges for infrastructure use and decreasing municipal tax revenue, which may be regarded as a “second rent”. Besides, property values decrease due to vacancy rate, the decay of rural settlements could be initiated. In order to both keep the costs for waste disposal constant as well as to develop a sustainable, compact settlement structure despite of shrinkage, synergies of overall and sectoral spatial planning should be improved. This paper points out a potential strategy to reduce expenses for the cost driver “collection of residual waste” as well as to use the waste disposal as a management tool of the settlement development. Throughout the entire process—from local migration analyses to vacancy rate and possibilities of inner urban development to waste disposal management—geo- and attribute-data were used, provided by different institutions. The data were managed, analysed and visualised by an open source geo-information and geo-database-software. Thus, the information of sectoral and overall spatial planning was overlaid and in result a sustainable, resource-efficient strategic planning is improved using a geo-information tool. Consequently, a centralisation of waste disposal could be improved by a GIS-assisted analysis of location and accessibility of central garbage containers. This centralisation is expected to allow a resource-efficient urban planning.

Keywords

Geo-information in planning process Waste disposal management Synergies of spatial sectoral and overall planning Rural areas Declining growth 

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2014

Authors and Affiliations

  1. 1.ILS – Institut für Landes- und StadtentwicklungsforschungAachenDeutschland

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