Advertisement

ästhetische dermatologie & kosmetologie

, Volume 10, Issue 5, pp 27–27 | Cite as

Symptomorientierte Therapie der Rosazea

  • Beate Fessler
kongress
  • 111 Downloads

Die Gesichtsröte kann in einer Vielzahl von Phänotypen daherkommen. Wegen dieser Koexistenz klinischer Zeichen wird eine symptomorientierte Therapie empfohlen. Wie Sie gezielt vorgehen, erläuterte Prof. Martin Schaller, Tübingen, der zahlreiche konkrete Tipps für die Praxis parat hatte. Papeln und Pusteln, Teleangiektasien, persistierendes und transientes Erythem sowie okuläre und phymatöse Läsionen sind typisch für die Rosazea. Um die Wahl einer gezielten Therapie einfacher zu machen, wurde eine Einteilung in Leit-, Haupt und sekundäre Kriterien versucht. Diagnostisch ausreichend sind danach phymatöse Läsionen oder ein persistierendes, zentrofaziales Erythem, allerdings nur wenn es durch Triggerfaktoren periodisch verstärkt wird. In Kombination diagnostisch wegweisend sind Flushing/transientes Erythem, Papeln/Pusteln, Teleangiektasien und okuläre Manifestationen. Davon abgeleitet lassen sich klinische Ausprägungsformen — Rosacea erythematosa-teleangiectatica, Rosacea papulopustulosa und die glandulär-hyperplastische Rosacea beschreiben.

Der Phänotyp bestimmt die Therapie

Doch jeder Patient entwickelt sein eigenes klinisches Bild, betonte Schaller. Auch der Versuch, die Rosazea nach Subtypen zu klassifizien — (erythemato-teleangiektatischer Typ, papulopustulärer Typ, okulärer Typ und phymatöser Typ — spiegle das reale Leben nicht wider, erläuterte Schaller. Viele Patienten zeigen Symptome verschiedener Subtypen, also etwa Papeln/Pusteln und Teleangiektasien. Es gibt folglich eine Koexistenz verschiedener klinischer Zeichen innerhalb der einzelnen Subytpen. „Viele Patienten können nicht einem Subtyp zugeordnet werden“, resümierte der Dermatologe. Der Subtyp spielt deshalb für die Wahl der Therapie nur eine untergeordnete Rolle. Deshalb wurde ein Wechsel zu einem symptomorientierten Behandlungsansatz vollzogen. Patienten werden entsprechend ihrer individuellen konkreten Anzeichen und Symptome behandelt. Der Phänotyp bestimmt in Abhängigkeit vom Schweregrad die Therapie. Für ein persistierendes Erythem steht Brimonidin zur Verfügung, behandelt, bei inflammatorischen Läsionen, also Papeln und Pusteln, stehen für die topische Therapie Ivermectin, Azelainsäure und Metronidazol zur Verfügung. Bei höherem Schweregrad kann systemisch mit „low-dose“ Doxycyclin behandelt werden oder auch topisch mit Ivermectin. Bei therapieresistenten Patienten kann eine Kombination von topischer und systemischer antiinflammatorischer Therapie versucht werden. Bei okulärer Rosazea empfehlen sich Augenlidhygiene und Tränenersatzflüssigkeit.

Erythem: vasodilatatorisch oder inflammatorisch?

Bei persistierendem Erythem heißt es allerdings „Augen auf“. Hier sollte nicht reflexartig zu Brimonidin gegriffen werden. Vielmehr muss zwischen einem vasodilatatorischen und inflammatorischen Erythem unterschieden werden. Nur, wenn das Erythem Folge einer Gefäßdilatation ist, ist der Vasokonstriktor die richtige Wahl. Wird das Erythem aber begleitet von rauer Haut, Spikes und Papeln, handelt es sich eher um ein inflammatorisches Erythem, das antientzündlich behandelt werden muss. Typisch für das inflammatorische persistierende Erythem, das auch als Pityriasis folliculorum beschrieben ist, sind
  • klinisch follikuläre Spikes,

  • hohe Demodex-Dichte,

  • Ansprechen auf Ivermectin.

Typische begleitende Symptome sind Flush, Brennen, Stechen, Juckreiz und Trockenheit. „Das inflammatorische Erythem ist häufig auch begleitet von einer Blepharitis, die an Schuppen zwischen den Wimpern erkennbar ist, erläuterte Schaller.

Um Patienten mit Rosazea möglichst effektiv von ihrem Leid zu befreien, sollte die Therapie symptomorientiert erfolgen.

© Koldunov / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)

Alles „off-label“, aber wirksam

Schaller stellte noch eine Reihe von Behandlungsmaßnahmen vor, die zwar „off-label“ sind, aber häufig wirksam. So hat er bei Flushing und persistierendem Erythem bei Patienten mit Rosazea auch gute Erfahrungen mit dem Betablocker Carvedilol gemacht, der einschleichend dosiert werden sollte. Bei Rosazea mit fettiger Haut kann auch „low-dose“ Isotretinoin 10 mg/d überlegt werden. Gar nicht so selten und oft nicht erkannt ist die extrafaziale Rosazea, etwa auf dem Kopf oder prästernal. Auch hier lohnt ein Versuch mit Isotretinoin. Wichtig dabei ist, so Schaller, „den Patienten mit dem Beipackzettel nicht allein zu lassen.“ Wichtig ist in jedem Fall eine konsequente Kontrazeption.

Azithromycin als ultima ratio

Als ultima ratio und Alternative zu Isotretinoin bei einer Rosacea fulminans kann Azithromycin versucht werden, etwa bei Frauen, die nicht hormonell verhüten wollen. Er gibt über fünf Wochen dreimal wöchentlich — montags, mittwochs und freitags — 500 mg Azithromycin, anschließend einmal pro Woche. Mit dieser Isotretinoin- und Steroid-freien Therapie lassen sich gute Erfolge erzielen.

Weitere Infos auf SpringerMedizin.de

Weitere ausführliche Berichte von der 26. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie finden Sie in der Zeitschrift ästhetische dermatologie & kosmetologie, Ausgabe 4/2018, S. 15–18 sowie online unter http://www.springermedizin.de/link/16019814.

Literatur

  1. Kurs: „Akne und Rosazea“, 26.7.2018Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Beate Fessler
    • 1
  1. 1.

Personalised recommendations