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ästhetische dermatologie & kosmetologie

, Volume 10, Issue 5, pp 26–26 | Cite as

Aus dem Nähkästchen: fünf Tipps und Tricks für Eingriffe an der Haut

  • Elke Oberhofer
kongress
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In der Dermatochirurgie gibt es viele Situationen, in denen man sich und den Patienten mit einfachen „Tricks“ das Leben erleichtern kann: beim Injizieren eines Lokalanästhetikums, beim Vernähen von Wunden, beim Stillen von Blutungen. Dr. Christian Kunte, München, plauderte aus dem Nähkästchen.

Tipp 1: Nach Exzision eines Nävus oder eines malignen Melanoms bleibt oft ein relativ großer Hautdefekt zurück. Hier lässt sich nach Kunte z. B. mit einer Flaschenzugnaht mit langsam resorbierbarem Nahtmaterial ein stabiles und kosmetisch gutes Ergebnis erzielen. Von unten nach oben ausstechen, auf der Gegenseite wieder einstechen. Dann nicht den Knoten setzen, sondern parallel versetzt nochmal eine Naht anbringen. So entsteht eine doppelte Schlaufe, wie ein Flaschenzug. Mit zwei bis vier solcher Nähte lassen sich auch größere Defekte rasch verschließen.

Tipp 2: Der Operateur hat eine Nase mit einem paramedianen Stirnlappen rekonstruiert. Im Nachtdienst dann der Schreck: Es blutet seitlich aus dem Lappen heraus. Ein Kompressionsverband wäre kontraproduktiv, denn die Lappenplastik soll ja bis zur Spitze perfundiert werden. Was also tun? Nach Kunte sind hier vor allem zwei Produkte empfehlenswert: zum einen eine Substanz, die sich aus einem hydrophilen Polymer und Kaliumferrat zusammensetzt (WoundSeal®), zum anderen ein Präparat, das eigentlich zur Behandlung bakterieller Vaginalinfektionen bestimmt ist: Albothyl® mit dem Wirkstoff Policresulen. „Nach ein- bis zweiminütiger Anwendung“, so Kunte, „ist die Blutung in den meisten Fällen gestoppt.“

Tipp 3: Injektionen (z. B. eines Lokalanästhetikums) im Bereich der Nase können äußerst schmerzhaft sein, vor allem an empfindlichen Stellen wie dem Nasenflügel oder der Nasenspitze. „Viel besser ist es“, so Kunte, „wenn man vom Nasenrücken aus betäubt.“ Das Lokalanästhetikum verteile sich dann von selbst bis zur Spitze. Vorher kann man die Haut über der Injektionsstelle fest zusammenkneifen: „Dann spürt der Patient den Stich gar nicht mehr.“ Soll der Nasenflügel betäubt werden, empfiehlt es sich, ein etwas größeres Depot direkt angrenzend an den Nasenflügel am Beginn der Nasolabialfalte zu setzen. Damit wird der Nasenflügel zunächst bis zur Hälfte betäubt. In den analgesierten Bereich kann man dann ggf. noch einmal einstechen.

Tipp 4: Vor dermatologischen Operationen unter Isotretinoin wurde in der Vergangenheit vielfach gewarnt. In einer Großstudie wurden jetzt Berichte von 1.400 Prozeduren zusammengetragen. Laut Kunte waren zahlreiche Eingriffe im Hinblick auf eine postoperative Narbenbildung unproblematisch: von der manuellen Dermabrasion über das oberflächliche chemische Peeling und die laserassistierte Haarentfernung bis hin zur fraktionierten Laserbehandlung. Allerdings rät der Experte, vor allem bei medizinisch nicht notwendigen Eingriffen die Patienten sehr gut aufzuklären. Hier solle man evtl. „doch lieber warten, bis die Medikation ein halbes Jahr abgesetzt ist“.

Tipp 5: Eine gefürchtete Komplikation einer Wundnaht ist die postoperative Hautnekrose. Als Risikomarker dient nach Kunte die persistierende Blässe in der Wundumgebung. Sollte man so etwas schon beim Verschluss beobachten, empfiehlt der Experte, vor allem fortlaufende überwendelte Nähte zu vermeiden, weil dadurch die Wundränder zusätzlich komprimiert werden. In Verdachtsfällen sollte man unbedingt engmaschig nachkontrollieren und ggf. zentral einige Nähte wieder eröffnen, um die Perfusion zu gewährleisten.

Literatur

  1. Plenarsitzung: „Tipps und Tricks bei der operativen Dermatochirurgie“, 26.7.2018Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Elke Oberhofer
    • 1
  1. 1.

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