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ästhetische dermatologie & kosmetologie

, Volume 10, Issue 5, pp 3–3 | Cite as

Auf stürmischer See

  • Springer Medizin
editorial
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© shayes17 / Getty Images / iStock

Liebe Leser, liebe Mitglieder der ADK, ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, mir fehlen immer öfter die Worte, wenn ich sehe, was da im schönen Berlin an Politik abläuft. Es geht nicht mehr um Inhalte, eher beherrschen aktuell inszenierte Schnellschüsse und Intrigen die Szene. Grund allen Übels ist meines Erachtens mangelnde Kooperation und Strategie der Spitzenpolitiker, auf der anderen Seite ein übergroßes Parlament, das zur reinen Abstimmungsmechanik und Machterhaltung verkommen ist.

Anstatt selbst die Interessen unserer Mitbürger zu vertreten, lässt man den Fraktionszwang walten und starrt ungläubig auf die Spitzen der Großen Koalition, die nur noch minimale Kompromisse erreichen. Selten war die Politik in Deutschland nach innen und außen so schwach wie jetzt.

In der Gesundheitspolitik hat sich mittlerweile eine Arbeitsgemeinschaft etabliert, die noch vor Jahr und Tag als Phantasterei gebrandmarkt worden wäre. Die Herren Spahn und Lauterbach zeigen den ihnen eigenen Pragmatismus und lösen anstehende Probleme auf dem kleinen Dienstweg. So zum Beispiel im Bereich der Widerspruchslösung beim Transplantationsgesetz oder auch beim anstehenden Gesetz zur Begrenzung der Wartezeit in Arztpraxen. Die Lösungen sind aber auch nur kleine Baustellen und Flickschustereien, alles in allem gekennzeichnet von mehr Bürokratie. Statt unsere Regelleistungsvolumina zu erhöhen und die Gebührenordnung für Ärzte zumindest an die Inflationsrate automatisch anzupassen, wie es das Parlament für sich selbst getan hat, verweigert man den Ärzten das ihnen zustehende Honorar.

Es erhebt sich auch immer mehr die Frage, ob die Einführung der Telematik-Infrastruktur und damit zusammenhängender lebenslanger Gesundheitsakten nicht das Ende des Arzt-Patienten-Vertrauensverhältnisses ist. Somit wäre das eine Entwicklung, die in keiner Weise zu unterschätzen ist. Anstatt hier eine breite Diskussion über die wünschenswerten Veränderungen durch die Fähigkeiten des Internets anzustoßen, wird dem deutschen Michel ein fertiges Produkt vorgesetzt, das zukünftig noch um die Nahfeldkommunikation der Gesundheitskarte erweitert werden soll. Den Datenschutz dürfen wir getrost vergessen!

Wenn der Strom ausfällt, wie erst am Wochenende in der Region Heidelberg geschehen, dann funktioniert weder Internet noch Telefon noch Mobilfunk. Wohl dem, der dann eine Karteikarte hat. Auf der anderen Seite möchte man natürlich die Möglichkeiten der schnellen Interaktion und Kommunikation nutzen, um den Hilfesuchenden schnellstmöglich zu vertretbaren Konditionen ein Optimum an Gesundheitsversorgung zu bieten.

Alle Daten der Patienten via Krankenkasse in eine zentrale Gesundheitsakte einzupflegen, wie anscheinend von etlichen Kassen mit der Gesundheitsakte Vivy geplant, erinnert schon jetzt an den berühmten Roman „1984“ von George Orwell.

Wir Ärzte dürfen uns in keiner Weise von Dritten in das Vertrauensverhältnis zu unseren Patienten hineinreden lassen. Unvorstellbar ist es geradezu, dass unsere Einträge in elektronische Karteikarten parallel von den Patienten gewissermaßen mitgelesen werden. Nicht jede Notiz ist auch für den Patienten geeignet. Oft genug gibt es wichtige, scheinbar nebensächliche Beobachtungen, die nichts in einer Kommunikation mit dem Patienten zu suchen haben. Gerade auch bei der Krebstherapie muss man mit der rauen Wahrheit sehr dosiert umgehen. Gleiches gilt auch für den Bereich der Ästhetik. Auch ist der Arzt nicht ein besserer Sekretär, der diagnostiziert, therapiert und dann alles noch in Reinform tippt. Wer entsprechende elektronische Gesundheitsverzeichnisse möchte, muss auch für den zusätzlichen Aufwand aufkommen.

Dr. Matthias Herbst

Generalsekretär ADK e. V.

Gerade im Bereich der neuen Medien zeigt die Vergangenheit aber auch, dass viele scheinbar tolle Ideen durch die Realität sehr schnell überholt waren. Wer also eine effektive Gesundheitsversorgung will, möge sich zunächst darum bemühen, dass die Ärzte für eine gute Leistung auch ein entsprechendes Honorar erhalten. Qualität hat eben ihren Preis.

Damit die angehenden Dermatologen mit entsprechendem Fachwissen eine gute Ausbildung auf dem Gebiet der Ästhetik erhalten, veranstaltet die Arbeitsgemeinschaft Ästhetische Dermatologie & Kosmetologie (ADK) regelmäßig Grundkurse, wie zuletzt am 12. und 13. Oktober 2018 in der Hautklinik Universität Tübingen unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Claudia Borelli.

Mit den besten Grüßen

Ihr

Matthias Herbst

Hinweis des Verlages: Zukünftig können ADK-Mitglieder das Patientenmagazin HautinForm zur Auslage im Wartebereich oder zur Weitergabe an Kunden beziehen. Zehn Exemplare pro Praxis sind kostenlos, jedes weitere Paket mit 20 Exemplaren ist zum Sonderpreis von 12 € beziehbar. Alle Mitglieder erhalten Anfang Dezember 2018 die Winterausgabe der HautinForm zusammen mit einem Formular, auf dem angegeben werden kann, ob und wie viele Exemplare sie in Zukunft erhalten wollen.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Springer Medizin

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