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Der Freie Zahnarzt

, Volume 63, Issue 1, pp 47–47 | Cite as

Wie gefährlich sind Stickstoffdioxide?

  • Felix KochEmail author
Aus der Wissenschaft
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Wissenschaftliche Evidenz. Stickstoffdioxid (NO2) ist ein überall vorkommendes atmosphärisches Abgas — sowohl natürlichen als auch menschlichen Ursprungs. Natürlicherweise kann NO2 bei Waldbränden, Blitzeinschlägen, Vulkanausbrüchen und in der Stratosphäre vorkommen. Nicht natürlichen Ursprungs sind Stickstoffdioxide aus Verbrennungsmotoren und Feuern.

© LemonTreeImages / Getty Images / iStock

In den vergangenen Jahren wurde die Stoffgruppe immer häufiger zum Gegenstand politischer Diskussionen und Anlass sogenannter Dieselfahrverbote. Der vom Bundesumweltamt veröffentlichte Grenzwert beträgt in der Außenluft 200 μg/m3 NO2+NO = 0,1 ppm, die nicht öfter als 18-mal im Kalenderjahr überschritten werden dürfen (gemittelt über einen Zeitraum von einer Stunde). Am Arbeitsplatz in Innenräumen liegen die Grenzwerte um das fünffache höher: Hier dürfen die Stickoxide über einen Zeitraum von 15 Minuten den Wert von 900 μg/m3 NO2 +NO =0,5 ppm nicht überschreiten.

STUDIENERGEBNISSE POLITISCH NICHT GEWOLLT

In Innenräumen, insbesondere beim Kochen mit Gas, variieren die Werte zwischen 0,4 und 1,5 ppm. In erhöhter Konzentration kann es zu Irritationen der Atemwege führen. Die Evidenz des Einflusses auf die Gesundheit beruht auf drei verschiedenen Studientypen: epidemiologische Beobachtungen, klinische Studien an Menschen und Studien an Tieren.

Im Rahmen einer Literaturrecherche von Hesterberg et al. 2009 wurden mehr als 50 Studien eingeschlossen, die unter experimentellen Bedingungen menschliche Probanden definierten NO2-Konzentrationen in der Atemluft aussetzten. Die vorhandenen klinischen Daten an Menschen konnten keinen biologischen Mechanismus finden, der eine Gesundheitsschädigung durch eine kurzfristige NO2-Exposition (Expositionen von maximal einer Stunde und Werten unter 0,2 ppm) verursacht. Für Asthmatiker und COPD-Patienten kann eine entzündliche Veränderung der Bronchialschleimhaut bei NO2-Werten <0,6 ppm nicht erwartet werden, wobei in Einzelfällen entzündliche Reaktionen bei NO2-Werten von 0,6 ppm beschrieben wurden.

Auch Brand et al. (2016) konnten im Rahmen einer experimentellen Studie an 25 freiwilligen Probanden keine akute gesundheitsschädliche Reaktion auf eine dreistündige Exposition von NO2 feststellen. Aufgrund dieser politisch nicht gewünschten Ergebnisse war im Bundestag heftig debattiert worden.

Prof. Dr. Dr. Felix P. Koch

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Uniklinik Frankfurt, Praxisklinik für Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie in WiesbadenWiesbadenDeutschland

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