Der Freie Zahnarzt

, Volume 61, Issue 12, pp 50–50 | Cite as

DAS FARBENSPIEL IN DER ÄSTHETISCHEN ZAHNMEDIZIN

  • Hans Ulrich Brauer
Praxismanagement

Rezension. In der täglichen Praxis sind die klinische Farbbestimmung und die zahntechnische Umsetzung in eine farblich gelungene Restauration eine große Herausforderung.

Gerade bei Frontzahnkronen ist die perfekte Farbgestaltung, natürlich neben der entsprechenden Formgebung (Länge, Proportion, innere/äußere Kantenlinien etc.) und eher technisch zu verortenden Parametern (etwa Passung, Kronenrand, Kontaktpunkte und statische/dynamische Okklusion), für eine wirklich ansprechende orofaziale Ästhetik ausschlaggebend. Das gesamte Farbenspiel in und unmittelbar um die Mundhöhle ist auf die drei Farben weiß, rot und „hautfarben“ limitiert, weist jedoch allerlei Facetten, unzählige Variationen und spezifische Eigenheiten auf. Es stellt daher besondere Anforderungen hinsichtlich der korrekten Farbbestimmung und einer naturgetreuen Nachahmung. Gleichzeitig liefert es weite künstlerische Gestaltungsräume für den Zahntechniker.

ARBEITSANWEISUNGEN FÜR PRAXIS UND LABOR

Das im Quintessenz-Verlag aktuell erschienene Fachbuch „Color in dentistry — a clinical guide to predictable esthetics“ widmet sich ausschließlich diesem Thema und legt den Fokus auf die Zahnfarbbestimmung, deren Kommunikation sowie Realisierung. Erklärtes Ziel der Buchautoren ist es, für eine vorhersagbare Ästhetik Arbeitsanweisungen für Praxis und Labor zu formulieren, die sich effektiv in den Praxisalltag integrieren lassen. Somit richtet sich das Buch an Zahnärzte und Zahntechniker gleichermaßen.

Das englischsprachige Werk enthält fast 900 Abbildungen und ist systematisch in zwölf Kapiteln aufgebaut: Einleitend wird das Thema Farbe in Aus- und Fortbildung, die Farbentheorie und physikalische sowie visuelle Faktoren, die die Farbwahrnehmung beeinflussen, ausführlich besprochen. Nachfolgend wird speziell die rote und weiße Ästhetik diskutiert, um in den Folgekapiteln erstens die konventionelle visuelle Farbbestimmung (Farbskalen), zweitens technologiegestützte Farbmesssysteme (Spektrophotometer, Spektroradiometer und Kolorimeter) und drittens die Prinzipien und Anwendung der fotografiegestützten Farbnahme (dieser letzte Abschnitt wurde eigens von Stephen R. Snow verfasst) zu besprechen. In den Kapiteln acht bis zehn werden Themen wie die Materialauswahl hinsichtlich Farbkompatibilität und -stabilität, klinisches Management bei speziellen Zahnhartsubstanz- und Weichgewebsverfärbungen und zahnfleischfarbene Restaurationsmaterialien bearbeitet. Im vorletzten Kapitel stehen sieben Schritte für eine erfolgreiche Farbbestimmung im Fokus, die abschließend anhand von 24 klinischen Fällen illustriert werden.

NACHVOLLZIEHBARE BEHANDLUNGSPROTOKOLLE

Neben erstklassigen Abbildungen überzeugt das Hardcover-Buch durch nachvollziehbare Behandlungsprotokolle für eine erfolgreiche Farbbestimmung. Literaturverzeichnisse runden die einzelnen Kapitel ab. Einziger Kritikpunkt ist, dass das Buch an das von drei der vier Herausgeber ebenfalls im Quintessenz-Verlag 2011 bereits in zweiter Auflage erschienene Buch „Fundamentals of color — shade matching and communication in esthetic dentistry“ inhaltlich weitgehend anknüpft. Insofern handelt es sich nicht um eine gänzlich neue Publikation, allerdings um eine deutlich ausführlichere und inhaltlich erweiterte Spielart.

Zusammenfassend wird in „Color in dentistry“ das Thema Farbe in der Zahnmedizin systematisch beleuchtet, die Materie reichhaltig mit Abbildungen und klinischen Fotos unterlegt und der Stand der Wissenschaft umfassend in die Praxis gespiegelt. Das von den Autoren selbstgesetzte Ziel, eine klinische Arbeitsanleitung für eine vorhersagbare Ästhetik zu implementieren, wurde vollumfänglich erreicht.

Stephen J. Chu, Rade D. Paravina, Irena Sailer, Adam J. Mieleszko (Hrsg.)

Color in Dentistry — A Clinical Guide to Predictable Esthetics

Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin

1. Auflage 2017, 256 Seiten, 108 Euro

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH 2017

Authors and Affiliations

  • Hans Ulrich Brauer
    • 1
  1. 1.

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