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Der Freie Zahnarzt

, Volume 59, Issue 1, pp 49–49 | Cite as

Digitale Zahnheilkunde

Computerunterstützte Herstellungsmethoden in der Prothetik

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aus der wissenschaft in die praxis
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Neue Rubrik: Aus der Wissenschaft in die Praxis

Wer im Elfenbeinturm sitzt, ist oft abgeschottet von der alltäglichen realen Welt. Aber ohne Wissenschaft geht es auch nicht. Deshalb kombinieren wir beides in einer neuen Rubrik. Unter dem Motto „Aus der Wissenschaft in die Praxis“ schreibt Priv.-Doz. Dr. Dr. Felix Koch über neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, die sich in der Zahnarztpraxis niederschlagen. Koch ist neuer stellvertetender Klinikdirektor und Leitender Oberarzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Universitätsklinikum Frankfurt/ Main. Außerdem ist er Autor des Wissenschaftlichen Info-Dienstes vom Freien Verband Deutscher Zahnärzte.

Computerunterstützte Technologie zur Herstellung von Zahnersatz, schließt alle Computertechniken ein, die das Design, die Analyse und die Produktherstellung umfassen. Die Herstellungsmethode kann additiv im Sinne von 3D-printing-Verfahren oder subtraktiv durch Fräsverfahren erfolgen. Damit können Kronen, Inlays, Onlays, Prothesen oder Implantatabutments hergestellt werden, worüber nur wenige Artikel berichten. Die Herstellung eines kompletten Zahnersatzes erfordert nämlich neben der Registrierung und Herstellung von Zähnen und Zahnfleisch auch die exakte Farbbestimmung und Individualisierung, passend zu Mund, Gesicht und Alter des Patienten, die die Erfahrung des Zahnarztes benötigen. Diese Individualisierung und Anpassung des Zahnersatzes sind zeitaufwändig und daher teuer. Eine CAD/CAM-gestützte Herstellung könnte die Anzahl von Patientenbesuchen verringern, wie die kommerziellen Anbieter von CAD/CAM-Zahnersatz mit nur zwei Arztbesuchen anpreisen.

Vielfach sind die Methoden des Rapid Prototypings und CNC-Fräsens zur Herstellung dentaler Prothesen publiziert worden. Zur Erfassung der Patientensituation dienen dabei die digitale Computertomographie und visuelle Scanningverfahren. Die industrielle Herstellung gewährt dabei eine geringere Porosität und geringere Besiedelung durch Mikroorganismen. Eine Zweitprothese kann zudem per Knopfdruck hergestellt werden. Kritisch ist anzumerken, dass die Lippenunterstützung oder die Okklusionsebene schwer zu erheben sind. Auch die Patientenwünsche können nur schwer berücksichtigt werden. Mögliche Korrekturen an der Prothese könnten dabei den Zeitvorteil und damit die geringeren Kosten der CAD/CAM-Verfahren wieder äquilibrieren.

Intraorale digitale Abformung

Eine weitere Neuerung im Bereich der CAD/CAM-gestützten Zahnheilkunde ist die enorale, digitale Abformung. Dabei stützen sich viele Systeme auf Gipsmodelle, die durch konventionelle Abformung entstanden sind. Die Modelle werden zur digitalen Erfassung durch einen Scanner abgetastet, so dass die digitalen Daten die Ungenauigkeiten der Modellabformungen, des Abformmaterials und des Gipsausgusses übernehmen. Eine direkte, enorale Erfassung kann die Ungenauigkeiten der konventionellen Abformung vermeiden und dabei die Zeit und Kosten einer Abformung und Modellherstellung sparen.

Die CAD/CAM-Systeme werden in geschlossene und offene unterteilt. Die sogenannten geschlossenen Systeme bieten alle Funktionen, von der Datenerfassung über die virtuelle Modifikation bis zur Herstellung an, während die offenen Systeme erlauben, unterschiedliche Anbieter für die jeweiligen Arbeitsschritte zu nutzen.

Für den digitalen Abformungsvorgang (Scanvorgang) benötigen manche Systeme eine enorale Pulverbeschichtung, während andere die Zahn- beziehungsweise Gingiva/Mukosaoberfläche direkt abbilden können. Des Weiteren kann ein Verrutschen oder Bewegen des Scanners während der Datenerfassung zu Ungenauigkeiten führen.

Verglichen mit der konventionellen spart die digitale Abformung Zeit und viele Arbeitsschritte. Darunter fallen die Auswahl des Abformlöffels, des Abformmaterials, die Desinfektion der Abformung, die Verpackung der Abformung und Versendung an ein externes Labor. Im Labor entfallen der Gipsausguss, das Schneiden und Trimmen der Modelle, die Einartikulierung und — falls gewünscht — das Einscannen.

Die Zeit, die bei der Abformung möglicherweise gespart wird, könnte allerdings im Fall einer höheren Ungenauigkeit der digitalen Abformung verglichen mit der konventionellen äquilibriert werden. In In-vivo-Studien zeigten die Kronen basierend auf einer digitalen Abformung eine bessere Passgenauigkeit und einen besseren Approximalkontakt. Dieses Ergebnis könnte mit der Vielzahl von Arbeitsschritten bei der konventionellen Abformung und den Materialdeformationen erklärt werden.

Situationsmodelle könnten alternativ auch per digitalem Ausdruck basierend auf DVT-Daten erstellt werden. Dabei ist die Passgenauigkeit theoretisch von der Auflösung des DVTs (300μm) und des Drucks (25μm) abhängig.

Schlussfolgerung

Als eine recht neue Technik zur Abformung in der Zahnmedizin wird CAD/CAM bereits in der Praxis angewandt. Obwohl diese Technik der konventionellen Abformtechnik (zum Beispiel mit Polyvinylsiloxan) ebenbürtig scheint, muss die reproduzierbare Genauigkeit bei der Wiederholung einer Abformung noch gelöst werden.

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© Springer-Verlag 2015

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