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Der Freie Zahnarzt

, Volume 59, Issue 1, pp 24–24 | Cite as

BMG-Staatssekretärin Fischbach über die Pläne der Regierung

Anreize zur Niederlassung schaffen

  • Melanie Fügner
  • Carolin Stehr
politik
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Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) startet offenbar zufrieden ins neue Jahr. Gesundheitsminister Gröhe und seine Mitarbeiter demonstrieren einig, dass sie 2014 viel auf den Weg gebracht haben. Auch BMG-Staatssekretärin Ingrid Fischbach berichtete auf dem 11. Bundeskongress der Deutschen Gesellschaft für Integrierte Versorgung im Gesundheitswesen (DGIV), mit welchen Maßnahmen die medizinische Versorgung in Deutschland verbessert werden soll.

Ganz oben auf der Liste steht natürlich das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz. „Der Referentenentwurf wird jetzt in Ruhe diskutiert und soll zum 1. August 2015 in Kraft treten“, sagte Fischbach. „Mit diesem Gesetz können wir die Weichen für eine bessere Versorgung und Qualität im Gesundheitswesen stellen.“ Das wichtigste Ziel: eine gut erreichbare ambulante medizinische Versorgung in allen Regionen Deutschlands. Und wo es Engpässe gibt, will das BMG nachhelfen. „Wir müssen die Anreize zur Niederlassung in bestimmten Gebieten verbessern“, erläuterte die Staatssekretärin. Das könnten zum Beispiel eine Umsatzgarantie oder finanzielle Zuschläge für besondere Leistungen wie etwa Hausbesuche sein. Auch ein reines Hausärzteversorgungszentrum sei möglich.

Besonderes Augenmerk legt das BMG auch auf die Terminvergabe von Fachärzten. „Wenn ein Patient innerhalb von vier Wochen keinen Termin bekommt, in der Zeit aber aus medizinischen Gründen ambulant im Krankenhaus behandelt werden muss, dann soll das künftig aus dem Budget der Fachärzte bezahlt werden.“

Innovationsfonds

Um Verbesserungen und Lösungen zu finden, hat das Ministerium einen klugen Schachzug gemacht. Mit der Bereitstellung eines Innovationsfonds‘ sollen auch andere mit in die Pflicht genommen werden. Der Fonds mit 300 Millionen Euro pro Jahr soll innovative und sektorenübergreifende Versorgungsmodelle finanzieren. Als mögliches Beispiel nannte Fischbach einen Versorgungsatlas. Der Sonder-Geldtopf ist zunächst auf vier Jahre befristet. Der Vorsitzende des BKK-Bundesverbandes Franz Knieps lobte den von der Regierung geplanten Innovationsfonds. Er hoffe, dass die Kassen diese Möglichkeit nutzen, um die Versorgung voranzutreiben. Gleichzeitig warnte er vor zu hohen Erwartungen: „Nur wenn auf einmal 300 Millionen Euro da sind heißt es nicht, dass jede Innovationsidee finanziert wird.“ Veit Wambach, Vorstandsvorsitzender des Gesundheitsnetzes QuE Nürnberg, rief dazu auf, nicht alle Maßnahmen unter dem Innovationsfonds zu subsumieren: „Im Gesundheitssystem gibt es viel Potenzial für bessere Qualität, Patientenzufriedenheit und Wirtschaftlichkeit. Diese Bereiche fallen nicht unter den Innovationsfonds.“ Der DGIV-Vorstandsvorsitzende Stefan Spitzer bezeichnete den Fonds als „Fluch und Segen der integrierten Versorgung“. Vom Fonds gehe ein gutes Signal aus. Aber es dürfe sich nicht der Gedanke manifestieren, dass nur Projekte angekurbelt werden, um die Gelder zu erhalten, warnte Spitzer.

Integrierte Versorgung: Rückblick und Ausblick

Ganz unterschiedliche Antworten fanden die Vertreter der einzelnen Versorgungsbereiche auf die Frage, inwieweit der Kulturwandel bei Ärzten und Krankenkassen in der integrierten Versorgung vorangeschritten ist. Aus eigener Erfahrung bescheinigt der Vorstandsvorsitzende des Gesundheitsnetzes QuE Nürnberg den Kassen große Kooperationsbereitschaft und ein stets faires Miteinander. Im Gegensatz dazu berichtet Bernd Teuteberg vom Verband der Krankenhausdirektoren von großem Misstrauen der Kassen gegenüber den Kliniken. „Oftmals hinterfragen Kassen im Nachgang Leistungen der Kliniken und fordern Gelder zurück“, sagte Teuteberg.

Im Ausblick zeigte sich der Ärztevertreter davon überzeugt, dass der einzelne Arzt weiterhin als Angestellter oder selbstständiger Arzt arbeiten wird. Vor dem Hintergrund der lokalen Situation müsse der Arzt jedoch zunehmend mit anderen Akteuren, wie den Gesundheitsdiensten, zusammenarbeiten.

Die Kliniken sieht Krankenhausvertreter Teuteberg als „Motor für das Management der integrierten Versorgung“. Für die Ärzteschaft ist das Vertrauen zwischen Ärztenetz, Krankenkassen und Kliniken die Grundvoraussetzung für die integrierte Versorgung. „Dann spielt es keine Rolle, wer das Management führt“, entgegnete Wambach.

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© Springer-Verlag 2015

Authors and Affiliations

  • Melanie Fügner
    • 1
  • Carolin Stehr
    • 1
  1. 1.

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