Soziale Passagen

, Volume 6, Issue 2, pp 219–236 | Cite as

Soziale Arbeit mit benachteiligen Jugendlichen in Zeiten der Krise: Emanzipatorische Befähigung versus Arbeitsmarktintegration

Im Blickpunkt

Zusammenfassung

Soziale Arbeit ändert aufgrund von Managerialismus und Austeritätspolitik ihr Gesicht. In der Arbeit mit benachteiligten Jugendlichen wird sie zusätzlich mit deren kriseninduzierten Problemen beim Übergang von der Schule in den Beruf konfrontiert, die sie in ihrem Handeln einschränken. Vor diesem Hintergrund untersucht der Artikel mittels Dokumentenanalyse und Experteninterviews, ob die Soziale Arbeit in Österreich ihren emanzipatorischen Anspruch in den Bereichen offene Jugendarbeit und Beschäftigungsförderung durch Methoden wie Empowerment, Befähigung und Partizipation umsetzen kann und welche Bedeutung in diesem Zusammenhang paternalistische Einstellungen haben. Es zeigt sich, dass Beschäftigungsmaßnahmen zunehmend aktivierenden Charakter erhalten; gleichzeitig sind die Partizipationsmöglichkeiten in diesem Bereich gering. Die Jugendarbeit kooperiert vermehrt mit der Beschäftigungsförderung, streicht dabei allerdings ihren eigenständigen Charakter als Teil ihrer Fachlichkeit heraus. Ihr emanzipatorischer und partizipativer Anspruch ergeht sich allerdings zum Teil in Projekten, die Übungscharakter haben statt gesellschaftliche Partizipation zu ermöglichen und insbesondere keine politischen Ermächtigungsstrategien umfassen.

Schlüsselwörter

Beschäftigungsförderung Jugendarbeit Emanzipation Aktivierung 

Social Work with disadvanteged young persons in times of crisis: emancipatory empowerment versus employment promotion

Abstract

Managerialism and policies of austerity cause changes in Social Work. Additionally in its work with disadvantaged young persons Social Work is confronted with problems of transition from school to work. Against this background the article at hand scrutinizes whether Social Work in Austria may realize its emancipatory claims in the fields of youth work and employment promotion by means of empowerment, capacitation and participation. It analyses also the impact of paternalist attitudes. It is demonstrated that employment promotion is more and more activating while opportunities for participation are low. Increasingly youth work is cooperating with employment promotion however highlighting its autonomous character as part of its professionality. However the emancipatory and participatory claims of youth work are partially reduced in the context of projects based on training rather than enabling social participation and political empowerment.

Keywords

Employment promotion Youth work Emancipation Activation 

Literatur

  1. Alinsky, S. D. (1971). Rules for radicals. New York: Random House.Google Scholar
  2. AMS. (2014). Die Arbeitsmarktlage Ende März 2014. http://www.ams.at/_docs/001_monatsbericht.pdf. Zugegriffen: 22. April 2014.
  3. Arnold, A., Böhnisch, L., & Schröer, W. (Hrsg.). (2005). Sozialpädagogische Beschäftigungsförderung. Lebensbewältigung und Kompetenzentwicklung im Jugend- und jungen Erwachsenalter. In A. Arnold, L. Böhnisch, & W. Schröer (Hrsg.), Sozialpädagogische Beschäftigungsförderung (S. 9–117). Weinheim: Juventa.Google Scholar
  4. Atzmüller, R. (2009). Die Entwicklung der österreichischen Arbeitsmarktpolitik. Kurswechsel, 4, 24–34.Google Scholar
  5. Bacher, J., Tamersberger, D., Leitgöb, H., & Lankmayer, T. (2013). NEET-Jugendliche: Eine neue arbeitsmarkt-politische Zielgruppe in Österreich. WISO, 36(4), 103–131.Google Scholar
  6. Bakic, J., Diebäcker, M., & Hammer, E. (2008). Die Ökonomisierung Sozialer Arbeit in Österreich. Sozial Extra, 1(2), 52–55.Google Scholar
  7. Bandura, A. (1997). Self-efficacy: The exercise of control. New York: Freeman.Google Scholar
  8. BMWFJ. (Hrsg.) (2013). Kinder- und Jugendarbeit in Österreich. Eine Einführung. Arbeitsversion Stand März 2013. Wien: Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend. www.boja.at/uploads/media/Kinder_und_Jugendarbeit_Arbeitsversion_Maerz_2013_01.pdf. Zugegriffen: 15. Okt. 14Google Scholar
  9. Böhnisch, L., & Lösch, H. (1973). Das Handlungsverständnis des Sozialarbeiters und seine institutionelle Determination. In H.-U. Otto & S. Schneider (Hrsg.), Gesellschaftliche Perspektiven der Sozialarbeit (S. 21–40). Neuwied: Luchterhand Verlag.Google Scholar
  10. BOJA. 2011. Offene Jugendarbeit in Österreich. Was ….? Wie …? Wozu …? Eigenverlag.Google Scholar
  11. Bonvin, J.-M., & Galster, D. (2010). Making them employable or capable? Social integration policies at a crossroads. In H.-U. Otto & H. Ziegler (Hrsg.), Education, welfare and the capabilities approach (S. 71–83). Opladen: Barbara Budrich.Google Scholar
  12. Bundeskanzleramt. (Hrsg.). (2013). Arbeitsprogramm der österreichischen Bundesregierung 2013–2018. Wien: Bundeskanzleramt, Bundespressedienst. https://www.bka.gv.at/DocView.axd?CobId=53264. Zugegriffen: 15. Okt. 2014.
  13. Dornmayr, H., & Nowak, S. (2013). Lehrlingsausbildung im Überblick 2013. ibw-Forschungsbericht Nr. 176. Wien: ibw Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft.Google Scholar
  14. Dornmayr, H., Wieser, R., & Mayerl, M. (2012). Bericht zur Situation der Jugendbeschäftigung und Lehrlingsausbildung in Österreich 2010–2011. Wien: ibw Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft und öibf Österreichisches Institut für Berufsbildungsforschung.Google Scholar
  15. Esping-Andersen, G. (1990). The three worlds of welfare capitalism. Princeton: Princeton University Press.Google Scholar
  16. Foucault, M. (1995). Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  17. Foucault, M. (2006a). Sicherheit, Territorium, Bevölkerung. Geschichte der Gouvernmentalität I. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  18. Foucault, M. (2006b). Die Geburt der Biopolitik. Geschichte der Gouvermentalität II. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  19. Häfele, E. (2011). Strukturen der Jugendarbeit in Österreich. In BMWFJ (Hrsg.), 6. Bericht zur Lage der Jugend in Österreich (S. 379–408). Wien: Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend. http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIV/III/III_00248/imfname_222650.pdf. Zugegriffen: 15. Okt. 2014.
  20. Hagen, M. (2011). Niederschwelliger jugendgerechter Zugang zur beruflichen Qualifizierung. In BMWFJ (Hrsg.), 6. Bericht zur Lage der Jugend in Österreich (S. 525–535). Wien: Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend. http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIV/III/III_00248/imfname_222650.pdf. Zugegriffen: 15. Okt. 2014.
  21. Heimgartner, A. (2009). Komponenten einer prospektiven Entwicklung der Sozialen Arbeit. Wien: LIT.Google Scholar
  22. Herriger, N. (2006). Empowerment in der Sozialen Arbeit. Eine Einführung (3. Aufl.). Stuttgart: Kohlhammer.Google Scholar
  23. Kessl, F. (2005). Der Gebrauch der eigenen Kräfte. Eine Gouvernmentalität Sozialer Arbeit. Weinheim: Juventa.Google Scholar
  24. Krisch, R. (2011). Bildung und Ausbildung im Kontext von Jugendarbeit. In Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend (Hrsg.), 6. Bericht über die Lage der Jugend (Kap. 3). (S. 503–516). Wien: Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend. http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIV/III/III_00248/imfname_222650.pdf. Zugegriffen: 15. Okt. 2014.
  25. Ley, T. (2013). The added value of analyzing participation in a capability perspective. In SocIEtY (Hrsg.), Deliverable 2.2: Final conceptual report „Inequality, Disadvantage, Social Innovation and participation“ (S. 63–85). Bielefeld. http://www.society-youth.eu/images/media/del_2_2_final%20conceptualreport.pdf. Zugegriffen: 27. Jan. 2014.
  26. Maier, M. S. (2013). ‚Schule ist Schrott‘ – Jugendliche Selbstbehauptung und pädagogische Praktiken im Spannungsfeld von Aktivierungspolitik und der Pädagogik am Übergang. In T. Vogel (Hrsg.), Übergänge in eine neue Arbeitswelt? (S. 203–223). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  27. Mayring, P. (1983). Qualitative Inhaltsanalyse. Weinheim: Beltz.Google Scholar
  28. Möbius, T., & Friedrich, S. (2010). Ressourcenorientiert Arbeiten. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  29. Oehme, A., Beran, C. M., & Krisch, R. (2007). Neue Wege in der Bildungs- und Beschäftigungsförderung für Jugendliche. Untersuchung von Potenzialen der Jugendarbeit zur Gestaltung von sozialräumlichen Beschäftigungsprojekten. Verein Wiener Jugendzentren: Eigenverlag.Google Scholar
  30. Otto, H.-U., & Ziegler, H. (2008). Capabilities – Handlungsbefähigung und Verwirklichungschancen in der Erziehungswissenschaft. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  31. Pieper, M. (2007). Armutsbekämpfung als Selbsttechnologie. Konturen einer Analytik der Regierung von Armut. In R. Anhorn, F. Bettinger, & J. Stehr (Hrsg.), Foucaults Machtanalytik und Sozialen Arbeit (S. 93–107). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  32. Reckinger, G. (2010). Perspektive Prekarität. Wege benachteiligter Jugendlicher in den transformierten Arbeitsmarkt. Konstanz: UVK.Google Scholar
  33. Röh, D. (2013). Soziale Arbeit, Gerechtigkeit und das gute Leben: Eine Handlungstheorie zur daseinsmächtigen Lebensführung. Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  34. Sailer, B., & Tamesberger, D. (2013). NEETS-Jugendliche und politische Partizipation. Der Beitrag der sozialräumlichen Jugendarbeit zur Steigerung der politischen Partizipation. momentum Quarterly, 2(4), 168–182.Google Scholar
  35. Scheipl, J. (2007). Geschichte der Sozialpädagogik in Österreich – unter besonderer Berücksichtigung der Jugendwohlfahrt. In G. Knapp (Hrsg.), Soziale Arbeit und Professionalität im Alpen-Adria-Raum (S. 134–157). Klagenfurt: Hermagoras.Google Scholar
  36. Scheipl, J. (2008). Offene Jugendarbeit im sozial- und gesellschaftlichen Kontext. In S. Koje (Hrsg.), Das ist offene Jugendarbeit – Offene Jugendarbeit in Vorarlberg hat Qualität (S. 20–36). Hohenems: Bucher.Google Scholar
  37. Sen, A. (1999). Ökonomie für den Menschen. Wege zu Gerechtigkeit und Solidarität in der Marktwirtschaft. München: Hanser.Google Scholar
  38. Sen, A. (2009). The idea of justice. London: Penguin.Google Scholar
  39. Spitzer, H. (2011). Aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen Sozialer Arbeit in Österreich. Soziallandschaften (S. 55–68). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  40. Statistik, A. (2013). Frühe Schulabbrecher. http://www.statistik.at/web_en/statistics/education_culture/formal_education/early_school_leavers/index.html. Zugegriffen: 20. Feb. 2014.
  41. VWJ. (Hrsg.). (2008). Partizipation. Zur Theorie und Praxis politischer Bildung in der Jugendarbeit. Verein Wiener Jugendzentren: Eigenverlag.Google Scholar
  42. Wagner, T. (2013). Die Mitmachfalle. Bürgerbeteiligung als Herrschaftsinstrument. Köln: Papy Rossa.Google Scholar
  43. Walther, A. (2006). Von der Jugendberufshilfe zu einer ‚Sozialpädagogik des Übergangs’? In C. Schweppe & S. Sting (Hrsg.), Sozialpädagogik im Übergang. Neue Herausforderungen fÜr Disziplin, Profession und Ausbildung (S. 205–221). Weinheim: Juventa.Google Scholar
  44. Wehsely, T., & Krisch, R. (2013). Jugendpolitik in Wien. Sozial Extra, 37(7/8), 30–31.Google Scholar
  45. Zeglovits, E., & Schwarzer, S. (2011). Aktive Bürger/innenschaft – Politische Partiziption von Jugendlichen in Österreich. In BMWFJ (Hrsg.), 6. Bericht zur Lage der Jugend in Österreich (S. 255–273). Wien: Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend. http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIV/III/III_00248/imfname_222650.pdf. Zugegriffen: 15. Okt. 2014.

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2014

Authors and Affiliations

  1. 1.Volkshilfe ÖsterreichWienÖsterreich

Personalised recommendations