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Zeitschrift für Energiewirtschaft

, Volume 42, Issue 1, pp 1–12 | Cite as

Abschätzung des Potenzials der Schweizer Speicherseen zur Lastdeckung bei Importrestriktionen

  • Michael Beer
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Zusammenfassung

Die Schweiz verfügt mit ihren Speicherseen über Energiespeicher in beträchtlichem Umfang. Sie sollte damit, würde man annehmen, gegen eine mehrtägige winterliche Dunkelflaute in Europa gut gewappnet sein. Gleichwohl wurden in den vergangenen zwei Wintern seitens Netzbetreiber und Behörden Zweifel geäussert, ob die Versorgungssicherheit tatsächlich gewährleistet ist. Einzelne Medien warfen den Kraftwerksbetreibern vor, sie würden die Seen aus Profitgier bereits zu früh im Winterhalbjahr leeren. In der Politik wurden Forderungen laut, die Speicherseen als strategische Reserve für den Fall von Importrestriktionen zu nutzen. Die vorliegende Arbeit simuliert basierend auf öffentlich verfügbaren Daten die aggregierte Produktion aus Speicherseen unter verschiedenen Annahmen zur Kraftwerksverfügbarkeit und zu den Importmöglichkeiten der Schweiz. Sie kommt zum Schluss, dass die Energiereserven in den Schweizer Speicherseen in den vergangenen Wintern jeweils gereicht hätten, um zusammen mit den übrigen Kraftwerken den inländischen Verbrauch während bis zu einem Monat selbst bei ausbleibenden Importen noch zu decken. Damit das angesichts des Ausstiegs aus der Kernenergie auch in Zukunft noch möglich ist, wären bei sonst unveränderten Verhältnissen indes beträchtliche Eingriffe in die Bewirtschaftung der Seen nötig. Der damit verbundene Wertverlust dürfte – ceteris paribus – jährlich rasch mehrere Dutzend Millionen Franken betragen.

Schlüsselwörter

Wasserkraft Speicherseen Strategische Reserve Simulation 

Estimation of the Potential of Swiss Reservoir Lakes to Cover Electricity Demand in Case of Import Restrictions

Abstract

Switzerland possesses with its hydro reservoirs a considerable amount of energy storage capacity. One would therefore assume that the country is well protected against power shortage situations in continental Europe. In the last two winters, however, authorities and system operators warned of possible threats to security of supply. Power producers were accused in the media of emptying the lakes too early for the sake of short-term profits. Politicians suggested to use the reservoir lakes as strategic reserves for the potential case of import restrictions. The current piece of work simulates the aggregated storage production in Switzerland based on publicly available data under various assumptions on the availability of power plants and imports. It comes to the conclusion that, over the last few years, the energy reserves in Swiss reservoir lakes would have been sufficient to cover domestic electricity demand in the absence of imports for at least one month. However, considerable changes in the use of hydro storage facilities would be necessary in future to ensure the same level of protection when nuclear production is phased out. The economic loss due to such an intervention may quickly rise to several dozen million Swiss francs.

Keywords

Hydro power Reservoir lakes Strategic reserve Simulation 

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Centralschweizerische Kraftwerke AGEmmenSchweiz

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