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Zeitschrift für Energiewirtschaft

, Volume 36, Issue 4, pp 267–283 | Cite as

Einsatz von Biomethan in Neubauten nach EEWärmeG – Eine Hemmnis- und Wirtschaftlichkeitsanalyse

  • Martin Loßner
  • Erik Gawel
  • Carsten Herbes
Article

Zusammenfassung

Im IEKP wurde 2007 das Ziel formuliert, bis 2020 jährlich 6 Mrd. Kubikmeter Biomethan zu nutzen. Mit dem EEWärmeG wurde 2009 die gesetzliche Grundlage geschaffen, um den prozentualen Anteil erneuerbarer Energieträger an der Wärme- und Kältebereitstellung zu erhöhen, der bis 2020 auf 14 % steigen soll. Der Einsatz von Biomethan ist in diesem Kontext eine der Optionen gemäß EEWärmeG. Bauherren haben danach die Wahl zwischen verschiedenen regenerativen Energieträgern sowie einer Reihe von Ersatzmaßnahmen wie Fernwärme, Dämmung oder Kraft-Wärme-Kopplung. Sie treffen diese Entscheidung jedoch nicht allein, sondern sind eingebunden in ein Buying-Center, das auch andere Akteure wie Architekten, Fachplaner oder Installateure umfasst. Diese verfolgen auch eigene Interessen (z.B. Auftragsvolumen), außerdem entscheidet der Bauherr i.d.R. unter unvollkommener Information. Beides behindert eine optimale Entscheidung. Biomethan wird derzeit nur von ca. 3 % aller Bauherren eingesetzt. Um dieses Markt-Ergebnis besser verstehen zu können, wird ein Wirtschaftlichkeitsmodell entwickelt, in dem verschiedene regenerative Energieträger sowie Ersatzmaßnahmen auf Basis eines Annuitätsverfahrens nach VDI 2067 verglichen werden. Für Einfamilienhäuser ist Biomethan danach die wirtschaftlich schlechteste Alternative, bei Mehrfamilienhäusern dagegen wegen der höheren Auslastung die drittbeste. Um Biomethan im Wärmemarkt weiter zu fördern und das Nutzungsziel von 6 Mrd. Kubikmeter/Jahr im Jahr 2020 zu erreichen, sollte der im EEWärmeG verankerte Zwang zur KWK-Technologie für Biomethan zu Gunsten einer technologieoffenen Formulierung aufgehoben werden und die bislang nur für Neubauten geltende Regelung analog zur Regelung in Baden-Württemberg auf den Altbestand ausgedehnt werden.

Application of Biomethane for New Buildings According to the German Renewable Heat Act—A Barrier and Profitability Analysis

Abstract

The German Federal Government aims at increasing the use of biomethane to 6 billion cubic meters per year by 2020. The German Act on the Promotion of Renewable Energies in the Heat Sector (Renewable Heat Act – EEWärmeG) of 2009 has paved the way for renewable energies in the heating market with 14 % in 2020 being the ultimate goal. Biomethane is one of the options provided in the EEWärmeG. Building owners can choose between different renewable energy sources as well as a range of compensatory measures such as district heating, insulation or combined heat and power. However, they do not make this decision independently but together with other members of a buying center that comprises architects, specialist consultants and installers. These other members are pursuing their own interests, which includes maximizing their contract volume. Moreover the owner takes his decision under incomplete information. Both factors are detrimental to an optimal decision. Biomethane is chosen for only 3 % of newly constructed buildings. For a better understanding of why the use of biomethane for heating purposes is so limited, the authors have developed an economic calculation method that compares different renewable energy sources as well as compensatory measures. For a single-family home, biomethane is the least attractive option from a financial perspective; for a multi-family house, on the other hand, it ranks third. In order to promote the utilization of biomethane and to achieve the 6 billion cubic meter/year goal by 2020, the Federal Government needs to open up the options for biomethane beyond the now mandatory cogeneration solution. Moreover, the EEWärmeG, which applies to newly built houses only, should be expanded to existing buildings.

Notes

Danksagung

Die Autoren danken der NAWARO BioEnergie AG, Leipzig, welche das dem Beitrag zugrundeliegende Projekt angeregt und finanziell sowie fachlich unterstützt hat. Einem anonymen Gutachter verdanken die Autoren ferner hilfreiche Hinweise.

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Copyright information

© Vieweg+Teubner 2012

Authors and Affiliations

  1. 1.Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Institut für Infrastruktur und RessourcenmanagementUniversität LeipzigLeipzigDeutschland
  2. 2.Department ÖkonomieHelmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZLeipzigDeutschland
  3. 3.Institut für Infrastruktur und RessourcenmanagementUniversität LeipzigLeipzigDeutschland
  4. 4.Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-GeislingenNürtingenDeutschland

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