Zeitschrift für Energiewirtschaft

, Volume 36, Issue 3, pp 159–172 | Cite as

Erneuerbare Energien in Wärmenetzen – eine realistische Perspektive?

  • Elke Bruns
  • Matthias Futterlieb
  • Dörte Ohlhorst
  • Bernd Wenzel
Article

Zusammenfassung

Im Wärmesektor liegen nach wie vor große Potenziale zur CO2-Minderung durch den Einsatz erneuerbarer Energien brach, die sowohl durch die Substitution fossiler Brennstoffe in Einzelanlagen als auch – womöglich effizienter – durch Wärmenetze erschlossen werden können. Der Beitrag geht der Frage nach, welche Möglichkeiten die leitungsgebundene Wärmeversorgung für die Erhöhung der Anteile erneuerbarer Energien bietet und welche Restriktionen einer verstärkten Nutzung erneuerbarer Energien in diesem Bereich entgegenstehen. Diskutiert werden die technischen, politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen, die für den Bau und Betrieb von Wärmenetzen mit hohen Anteilen erneuerbarer Wärme relevant sind. Mit erneuerbaren Energien betriebene Wärmenetze stehen nicht nur in Konkurrenz zur Wärmeversorgung mit fossilen Brennstoffen, sondern zudem vor der Frage, unter welchen Voraussetzungen sich die leitungsgebundene Wärmeversorgung überhaupt lohnt.

Ob eine leitungsgebundene Wärmeversorgung sinnvoll und wirtschaftlich ist, hängt von mehreren Faktoren und ihrem Zusammenwirken im Einzelfall ab – sie ist vor dem Hintergrund vielfältiger Rahmenbedingungen zu betrachten. Hierzu gehört ein insgesamt sinkender Wärmebedarf durch steigende Gebäudeenergieeffizienz, gegebenenfalls konkurrierende Gasversorgungsnetze sowie ein komplexes Interessengefüge der beteiligten Akteure. Der in den letzten Jahren realisierte Zubau wurde vorwiegend durch die Förderung von neuen, regenerativ betriebenen Nahwärmenetzen erzielt. Aber selbst bei günstigen Voraussetzungen sind weitere Maßnahmen zu ergreifen, um den Anteil erneuerbarer Energien in der netzgebundenen Wärmeversorgung zu erhöhen. Zu diesem Instrumentenmix gehören zum Beispiel Maßnahmen für eine breite Umsetzung kommunaler Wärmenutzungskonzepte, die Reduktion der Anfangsinvestitionen sowie eine Imageaufwertung der Leitungswärme. Die Möglichkeiten, den Anteil erneuerbarer Energien in bestehenden Fernwärmenetzen deutlich zu erhöhen, werden hingegen als gering eingeschätzt.

Schlüsselwörter

Erneuerbare Energie Nahwärme Wärmenetze Förderung KWKG EEWärmeG 

Renewable Energy in District Heating Grids—A Realistic Perspective?

Abstract

The heating sector holds high potentials for cutting CO2 emissions by using renewable energy. These potentials can be tapped either by substituting fossil fuels in individual heating units or by using renewable energy in district heating networks, which may be more efficient.

This paper asks for the options to increase the share of renewable energy in Germany’s district heating infrastructure and for the restrictions that are hampering further development in this field. It critically discusses the relevant technical, political and economic challenges and determinants. District heating networks fuelled by renewable energy are not only competing with fossil fuels in individual heating units. They are also facing the more fundamental question regarding the preconditions for a profitable and worthwhile operation of grid-bound heat supply.

The economic viability of heat grids has to be analyzed on a case-by-case basis, since it depends predominantly on individual framework conditions. Those include a decreasing heat demand due to improving energy performance of buildings, competing gas grids already in place and the complex interest structures of the actors involved. The growth rates that were observed in the last years were predominantly achieved in small renewably fuelled district heating networks. Even under favourable framework conditions, there is a need for additional supportive measures to increase the share of renewable energy in district heating grids. This mix of policy instruments should encompass measures to increase the implementation rates of municipal heat utilization concepts, measures to decrease the initial investments needed, as well as public relations to improve the user perception of grid-bound heat supply. However, the options to increase the share of renewable heat in existing large-scale grids are considered to be rather limited.

Keywords

Renewable energy District heating Heat grids Support measures KWKG EEWärmeG 

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Copyright information

© Vieweg+Teubner 2012

Authors and Affiliations

  • Elke Bruns
    • 1
  • Matthias Futterlieb
    • 2
  • Dörte Ohlhorst
    • 2
  • Bernd Wenzel
    • 3
  1. 1.Institut für Landschaftsarchitektur und UmweltplanungTU BerlinBerlinDeutschland
  2. 2.Zentrum Technik und Gesellschaft (ZTG)TU BerlinBerlinDeutschland
  3. 3.Ingenieurbüro für neue Energien (IfnE)TeltowDeutschland

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