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pp 1–6 | Cite as

Wie belastet der ökonomische Druck im Gesundheitswesen das Arzt-Patienten-Verhältnis?

  • J. Büntzel
  • B. Zomorodbakhsch
  • O. Micke
  • J. Hübner
Fokus
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Zusammenfassung

Der klinische Alltag der Ärzte unterliegt einem deutlichen Wandel. Der rasante Wissensfortschritt in der Onkologie bedarf einerseits sich ständig anpassender, qualitätssichernder Strukturprozesse und andererseits einer regelmäßigen Adaptation der Finanzierungssysteme, wobei die Ökonomie dem Menschen dienen sollte. Bei der Diskussion um die Ressourcenverteilung stellt das ethische Prinzip der Gerechtigkeit eine besondere Herausforderung dar.

Die steigende Komplexität dieses Systems führt dazu, dass u. a. der Umfang administrativer Aufgaben kontinuierlich zunimmt. Diese Zeit fehlt dem Arzt im direkten Umgang mit seinen Patienten. Eine weitere Folge ist die Spezialisierung in der Patientenversorgung, die eine umfassende Betreuung der uns anvertrauten Patienten immer schwieriger werden lässt. Darunter leidet auch die Arzt-Patienten-Kommunikation.

Diese Kommunikation über Bedürfnisse, realistische Ziele und Perspektiven des Patienten entspricht im Ansatz einer werteorientierten Medizin, die die Würde des Menschen in den Mittelpunkt stellt. Hierfür wird viel Zeit benötigt, was unter ökonomischen Gesichtspunkten nur unzureichend Berücksichtigung findet, obwohl es im Gesamtkontext nicht zu einer Kostensteigerung führen würde. Für die Ärzte stellt diese Form der Patientenbetreuung nicht nur eine Herausforderung dar, sondern bietet die Möglichkeit, als Arzt Mensch und als Mensch Arzt zu sein.

Schlüsselwörter

Ressourcenverteilung Ökonomie Qualitätssicherung Medizinethik Werteorientierung 

How does the economic pressure in the health system burden the doctor–patient relationship?

Abstract

The clinical routine of doctors is undergoing a significant change. The rapid progress of knowledge in oncology requires, on the one hand, the constantly changing quality-assuring structural processes and, on the other hand, a regular adaptation of the finance systems, whereby the economy should serve the people. In a discussion of the distribution of resources, the ethical principle of justice represents a special challenge.

The increasing complexity of this system means that, among other things, the volume of administrative tasks is continually rising. The doctor lacks the time to deal directly with his patients. Another consequence is specialization in patient care, which makes it increasingly difficult to give comprehensive care to the patients entrusted to us. Communication between doctor and patient also suffers.

This communication regarding the needs, realistic goals, and perspectives of the patient corresponds to the approach of value-oriented medicine, which focuses on the dignity of the human being. This requires a lot of time, which is inadequately taken into account from an economic point of view, although it would not lead to an increase in costs in the overall context. For physicians, this form of patient care is not only a challenge, but also offers the opportunity to be a doctor–human and a human–doctor.

Keywords

Allocation of resources Economic factors Health care quality assurance Ethical aspects Value orientation 

Notes

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

J. Büntzel, B. Zomorodbakhsch, O. Micke und J. Hübner geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Dieser Beitrag beinhaltet keine von den Autoren durchgeführten Studien an Menschen oder Tieren.

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Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • J. Büntzel
    • 1
  • B. Zomorodbakhsch
    • 2
  • O. Micke
    • 3
  • J. Hübner
    • 4
  1. 1.Klinik für Hals-Nasen-Ohren-HeilkundeSüdharz Klinikum NordhausenNordhausenDeutschland
  2. 2.Fachklinik für onkologische RehabilitationParacelsus-Klinik am SeeBad GandersheimDeutschland
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