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Anti-Aging durch Sport – Ausdauer- schlägt Krafttraining

  • Axel PreßlerEmail author
Journal Club
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Antiaging through sport—Endurance defeats strength training

Originalpublikation

Werner CM, Hecksteden A, Morsch A et al (2019) Differential effects of endurance, interval, and resistance training on telomerase activity and telomere length in a randomized, controlled study. Eur Heart J 40:34–46

Sportliche Aktivität gilt gemeinhin als Jungbrunnen, aber sind verschiedene Trainingsformen in gleicher Weise wirksam? Forscher aus dem Saarland und Leipzig gingen dieser Frage im Hinblick auf Mechanismen der natürlichen Zellalterung nach.

Zusammenfassung der Studie

Als Schutzkappen unserer Chromosomen regulieren Telomere die Zellalterung; eine Verkürzung führt zum Zelltod, eine Verlängerung verzögert diesen. Letzteres wird durch eine erhöhte Telomeraseaktivität begünstigt. Diese Prozesse wurden nun in Leukozytenproben von 266 gesunden, inaktiven Personen (30 bis 60 Jahre) vor und nach einer Trainingsintervention untersucht. Verglichen wurden 4 Gruppen: moderates Ausdauertraining (60 % Herzfrequenzreserve), hoch-intensives Intervalltraining (4-mal 4 min), Krafttraining (Zirkel mit 8 Maschinen) oder kein Training (Kontrollgruppe). Trainiert wurde 3‑mal/Woche jeweils 45 min über 6 Monate, was immerhin 119 Teilnehmer zum Ausstieg bewegte. Bei den verbliebenen Probanden zeigte sich eine in allen Trainingsgruppen vergleichbare Zunahme der maximalen Sauerstoffaufnahme. Allerdings bewirkten nur Ausdauer- und Intervalltraining eine Verlängerung der Telomere mit erhöhter Telomeraseaktivität; Krafttrainings- und Kontrollgruppe blieben dahingehend wirkungslos.

Kommentar

Die günstigen Effekte sportlicher Aktivität auf Morbidität und Mortalität entstammen vorwiegend epidemiologischen Kohortenstudien; so kann eine spiroergometrisch bestimmte hohe Sauerstoffaufnahme, ein Indikator guter Ausdauer, das KHK-Risiko halbieren [1]. Weniger bekannt ist, dass ähnlich positive Assoziationen auch für kraftbezogene Parameter gelten, ermittelt z. B. mittels Griffkraft [2] oder der Anzahl absolvierter Liegestützen [3].

Ein Kausalitätsbeweis durch randomisierte Studien scheitert dagegen an der Notwendigkeit langer Beobachtungszeiträume, großer Fallzahlen und der ethischen Limitation, einer Kontrollgruppe sportliche Aktivität vorzuenthalten. So müssen Surrogatmarker herangezogen werden, die u. a. zeigen, dass Ausdauer- und Krafttraining in durchaus vergleichbarem Ausmaß kardiovaskuläre Risikofaktoren optimieren können. Hoch-intensives Intervalltraining mag diese Effekte ggf. verstärken, bedarf aber noch weiterer Evidenz.

Auf molekularer Surrogatebene wurden günstige Effekte sportlicher Aktivitäten auf die Telomerlänge bereits beobachtet [4]; neu ist hier der Vergleich verschiedener Trainingsformen. Interessant ist, dass die Effekte sogar unabhängig von einer Steigerung der Sauerstoffaufnahme beobachtet wurden. Trainingstechnisch limitierend ist, dass lediglich die Intensität des Krafttrainings im Verlauf adjustiert wurde, das Ausdauertraining dagegen nicht. Eine langfristige Gültigkeit der beobachteten Effekte kann zudem aus den Daten nicht geschlossen werden. Bedauerlich ist auch die hohe Ausstiegsquote, welche den wissenschaftlichen Wert mindert.

Es bleibt demnach vordringlich, Patienten überhaupt zu einer andauernden Bewegungsform zu motivieren. Angesichts führender Evidenz stellt dabei moderates Ausdauertraining weiterhin die Primärempfehlung dar. Die Take-home-Message dieser Studie lässt sich unseren Patienten allerdings besonders gut vermitteln: Als ganzheitliche, natürliche und kostenlose Form des Anti-Aging ist regelmäßiges Ausdauertraining wohl konkurrenzlos.

Notes

Interessenkonflikt

A. Preßler gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Literatur

  1. 1.
    Letnes JM, Dalen H, Vesterbekkmo EK et al (2018) Peak oxygen uptake and incident coronary heart disease in a healthy population: the HUNT fitness study. Eur Heart J.  https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehy708 CrossRefPubMedGoogle Scholar
  2. 2.
    Leong DP, Teo KK, Rangarajan S et al (2015) Prognostic value of grip strength: findings from the Prospective Urban Rural Epidemiology (PURE) study. Lancet 386:266–273CrossRefGoogle Scholar
  3. 3.
    Yang J, Christophi CA, Farioli A et al (2019) Association between push-up exercise capacity and future cardiovascular events among active adult men. JAMA Netw Open 2(2):e188341CrossRefGoogle Scholar
  4. 4.
    Mundstock E, Zatti H, Louzada FM et al (2015) Effects of physical activity in telomere length: systematic review and meta-analysis. Ageing Res Rev 22:72–80CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Praxis für Kardiologie, Sport, Prävention, RehabilitationMünchenDeutschland

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