Advertisement

Sozial Extra

, Volume 42, Issue 6, pp 23–23 | Cite as

„Verkümmert“ die Soziale Arbeit?

  • Sabine HeringEmail author
Kommentar

Kürzlich sagte die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Franziska Giffey, eine der wichtigsten Aufgaben ihres Ministeriums sei es, sich um die Kümmerer zu kümmern. Im Publikum, das mehrheitlich aus Vertreterinnen und Vertretern „der Zunft“ zusammengesetzt war, machte sich eine gewisse Unruhe bemerkbar, die auch ich verspürte. War das nicht eine indirekte Absage an die Sozialarbeit als Profession? Fühlt man sich in dem Ministerium, dass mehr als alle anderen offiziellen Stellen durch seine Ressorts die öffentliche Wohlfahrtspflege repräsentiert, nicht mehr zuständig, nicht mehr verantwortlich für den Bereich, der in der Balance zwischen staatlicher und freier Wohlfahrtspflege die Seite des Staates zu vertreten hat?

Die Kümmerer, um die man sich im Ministerium kümmern möchte, finden sich doch mehrheitlich auf der anderen Seite, auf der Seite der Freien Wohlfahrtspflege. Ihre zweifelsfrei erheblichen Verdienste erwerben sie durch ehrenamtliche Arbeit. Sie sollen die ausgebildeten Hauptamtlichen ergänzen und unterstützen, auch wenn gelegentlich der Eindruck entsteht, dass die Träger gerne den einen oder anderen Arbeitsbereich mit Ehrenamtlern besetzen, der eigentlich in die Hände von professionellen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern gehört. Man wird in Zukunft deshalb sein Augenmerk darauf richten müssen, dass diese Tendenz nicht von Seiten der Bundesregierung allzu sehr befördert und bevorzugt wird.

Aber was hat es überhaupt mit diesen Kümmerern auf sich? Wieso begegnet uns dieser Begriff immer wieder und immer häufiger? Kümmerer, so Wikipedia, sei ein umgangssprachlicher Begriff, der sich seit den 1990er Jahren besonders in Unternehmen, Behörden, Vereinen, Institutionen und ähnlichen Einrichtungen etabliert hat. Er bezeichnet eine Person, die sich dazu bereiterklärt hat oder verpflichtet wurde, sich um etwas zu kümmern, das nicht in den vorbestimmten Aufgabenbereich eines Mitarbeiters bzw. Kollegen fällt bzw. das von dem zuständigen Mitarbeiter etwa aufgrund von Abwesenheit o. ä. nicht erledigt werden kann.

Diese Definition legt den Verdacht nahe, dass die Sache mit dem Kümmern im Grunde etwas eher Beliebiges und Zufälliges ist, das – angesichts der hohen Verantwortung, welche soziale Hilfeleistungen mit sich bringen – eigentlich als ungeeignet eingestuft werden muss. Anders als der englische Begriff „care“, als dessen Übersetzung ins Deutsche das Wort „Kümmern“ sich vermutlich eingebürgert hat, hat dieser Begriff keinerlei professionellen Background.

Angesichts der Tatsache, dass viele Einrichtungen dazu übergegangen sind, auch ihre Ehrenamtlichen zu qualifizieren, ihnen also Weiterbildungen und Supervision anzubieten, sollte die Absichtserklärung des Ministeriums, sich um die Kümmerer kümmern zu wollen, in eben diesem Sinne interpretiert und angewendet werden. Es kann nicht unsere Absicht sein, die Soziale Arbeit verkümmern zu lassen, sondern es muss darum gehen, die Verantwortung im Rahmen einer „Arbeit am Menschen“ ernstzunehmen.

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.PotsdamDeutschland

Personalised recommendations