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Sozial Extra

, Volume 42, Issue 6, pp 19–22 | Cite as

Sexuelle Selbstbestimmung in der Sexarbeit

Deviante Praktiken
  • Julia SchröderEmail author
  • Theresa Anna Richarz
Durchblick
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Zusammenfassung

Mit der Einführung des Prostituiertenschutzgesetzes (ProstSchG) 2017 wurden bestimmte sexuelle Praktiken (so z. B. Sex mit schwangeren Sexarbeiter_innen) verboten und eine Kondompflicht eingeführt. Was aus rechtlicher Perspektive auf den ersten Blick als staatlicher Schutzauftrag formuliert ist, offenbart jedoch auf den zweiten Blick eine Form von Moralpolitik, mit der erhebliche Eingriffe in die Selbstbestimmung von in der Sexarbeit Tätigen einhergehen. Aus gendertheoretischer Perspektive trägt die aktuelle Gesetzgebung dabei zu einer Viktimisierung, Homogenisierung und Stigmatisierung von Sexarbeit bei, was zur Folge hat, dass Sexarbeiter_innen jegliche Handlungsmacht und sexuelle Selbstbestimmung abgesprochen wird.

Schlüsselwörter

Prostituiertenschutzgesetz Moralpolitik Kondompflicht Mutterideal 

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Sozial- und OrganisationspädagogikUniversität HildesheimHildesheimDeutschland

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