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Somnologie

pp 1–2 | Cite as

Vaskuläre Konsequenzen schlafbezogener Erkrankungen

  • Sebastian ZarembaEmail author
Editorial
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Vascular implications of sleep-related disorders

Schlafstörungen betreffen einen großen Anteil der Bevölkerung. Wir wissen heute, dass Schlafstörungen – und insbesondere die schlafbezogenen Atmungsstörungen – nicht nur kurzfristige negative Effekte auf Schlafqualität und Tagesmüdigkeit haben, sondern auch auf lange Sicht zu negativen Konsequenzen für die Gesundheit führen können. So konnten in den letzten Jahren viele Studien insbesondere die schlafbezogenen Atmungsstörungen als wichtigen Risikofaktor für vaskuläre Volkskrankheiten wie den ischämischen Schlaganfall und den Myokardinfarkt identifizieren. Auch andere Erkrankungen des Blutgefäßsystems werden höchstwahrscheinlich durch schlafbezogene Erkrankungen begünstigt. In dieser Ausgabe wollen wir uns diesen langfristigen Effekten von Schlafstörungen auf das Blutgefäßsystem näher widmen.

Einen wichtigen Pathomechanismus stellt in diesem Zusammenhang die Arteriosklerose dar. Frau Dr. Biener fasst in einer Übersichtsarbeit die neusten Studienergebnisse zu den Effekten der obstruktiven Schlafapnoe sowie deren Therapie auf die Entwicklung und Progression der Arteriosklerose zusammen. Sie stellt anschaulich dar, welcher große Stellenwert der schlafmedizinischen Diagnostik und Therapie im Rahmen der Versorgung vaskulärer Patienten zukommt.

Eine der wichtigsten und am besten untersuchte Gruppen von Patienten mit arteriosklerotischen Gefäßveränderung sind jene mit einer koronaren Herzkrankheit (KHK) und/oder Myokardinfarkt (MI). Beim akuten MI stellt heute die perkutane Koronarintervention (PCI) die effektivste Therapiemethode dar. Mit dieser kann in einem Zeitfenster von idealerweise 90–120 min nach Eintreten der ersten Beschwerden das ursächlich verschlossene Gefäßsystem häufig wiedereröffnet werden. Dennoch finden sich nach erfolgter PCI in einigen Fällen eine persistierende ST-Strecken-Veränderung im EKG, welche einen prognostisch schlechten Marker darstellt und insbesondere mit einem größeren Ischämieareal assoziiert ist. In einer aktuellen und hochinteressanten Studie, deren Ergebnisse Herr Dr. Sterz in dieser Ausgabe berichtet, konnte gezeigt werden, dass diese Veränderungen bei Patienten mit schlafbezogenen Atmungsstörungen deutlich häufiger persistieren als bei der Kontrollgruppe. Zudem konnten in vielen Fällen persistierende mikrovaskuläre Obstruktionen nachgewiesen werden. Diese Studie zeigt, dass Patienten mit Schlafapnoe nicht nur ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen haben, sondern auch die Therapie bei diesen Patienten oft weniger erfolgreich zu sein scheint.

Ob sich weitere negative Effekte schlafbezogener Atmungsstörungen auf das Outcome nach Therapie des akuten Koronarsyndroms auch auf andere Therapieformen erstrecken, soll die CONSIDER-AF Study zeigen, deren Studienprotokoll Frau Dr. Tafelmeier in dieser Ausgabe der Somnologie vorstellt. In der unizentrischen Studie sollen in einem Kollektiv von 1200 kardiochirurgischen Patienten jene mit schlafbezogenen Atmungsstörungen identifiziert werden. Basierend hierauf ist geplant, das perioperative Outcome nach elektiver aortokoronarer Bypassoperation zwischen Patienten mit und ohne schlafbezogener Atmungsstörung zu vergleichen. Es soll insbesondere die Rate von neu aufgetretenem Vorhofflimmern, einer wichtigen Ursache für perioperative kardioembolische Ereignisse, untersucht werden. Eine Studie, deren Ergebnisse nicht nur für kardiologisch und kardiochirurgisch tätige Kolleginnen und Kollegen, sondern auch für die anästhesiologische Ärzteschaft interessant sein sollte.

Eine bisher noch nicht ausreichend untersuchte mögliche vaskuläre Konsequenz der schlafbezogenen Atmungsstörungen stellen Patienten mit vaskulären Malformationen, insbesondere Aneurysmen, dar. Solche pathologischen Aussackungen der Gefäßwand, welche z. B. im Bereich der großen thorakalen und abdominellen Gefäße, aber auch an den hirnversorgenden Gefäßen auftreten können, gehen mit einem deutlich erhöhten Risiko für lebensbedrohliche Blutungen einher. Patienten mit diesen Erkrankungen teilen einige, aber nicht alle der bekannten Risikofaktoren für Schlafapnoe. So sind Patienten mit intrakraniellen Aneurysmen eher weiblich und schlank. Dennoch finden sich bei dieser Patientengruppe überdurchschnittlich häufig Schlafstörungen und Symptome der Schlafapnoe. Die in dieser Ausgabe veröffentliche Übersichtsarbeit fasst die aktuelle Studienlage zur Epidemiologie der Schlafapnoe bei Patienten mit intrakraniellen Aneurysmen und subarachnoidalen Blutungen zusammen und identifiziert mögliche Pathomechanismen, über welche die Bildung und das Wachstum dieser Aneurysmen durch die Schlafapnoe begünstigt werden. Ein Bereich, der in Zukunft weiter untersucht werden sollte.

Dr. med. Sebastian Zaremba

Notes

Interessenkonflikt

S. Zaremba gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Neurologisches Schlaflabor, Klinik und Poliklinik für NeurologieUniversitätsklinikum Bonn AöRBonnDeutschland

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