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Somnologie

pp 1–6 | Cite as

Erfassung von tatsächlichem Schlafverhalten und Beschwerdesymptomatik mittels Selbstrating-Diagnostikfragebogen – eine Validierung anhand von Schlaftagebüchern

  • Maren-Jo KaterEmail author
  • Andrea Rodenbeck
Originalien
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Zusammenfassung

Hintergrund

In der klinischen Routine werden retrospektive Selbstbewertungsfragebögen zu schlafassoziierten Symptomen als diagnostisches Instrument eingesetzt, ihre tatsächliche Validität ist bisher dennoch kaum untersucht. Auch ein aus dem Diagnostikfragebogen gebildeter Schlafqualitätsindex könnte dem Schlafmediziner einen schnellen Zugang zur weiteren spezifischen Anamnese ermöglichen.

Fragestellung

Es wurde überprüft, ob ein Diagnostikfragebogen, welcher eigens im Schlaflabor entwickelt wurde, sowie ein daraus abgeleiteter Schlafqualitätsindex valide Abbildungen von Schlafgewohnheiten und Beschwerdesymptomatik bei Patienten mit schlafbezogener Atmungsstörung (SBAS) darstellen.

Material und Methode

Von 326 Patienten mit Verdacht auf SBAS wurden ein zweiwöchiges Schlaftagebuch sowie ein Diagnostikfragebogen bearbeitet, welcher das Schlafverhalten der vorangegangenen vier Wochen erfasste. Mittels schrittweiser generalisierter linearer Regressionen wurde untersucht, ob die Angaben des Fragebogens korrespondierende Angaben des Tagebuchs vorhersagen. Ein aus dem Diagnostikfragebogen gebildeter Schlafqualitätsindex wurde ebenfalls als Prädiktor untersucht. Personenmerkmale (Geschlecht, Alter etc.) wurden adjustiert.

Ergebnisse

Die schlafbezogenen Fragebogenitems sagten die Tagebuchangaben signifikant vorher (p < 0,001). Der Schlafqualitätsindex (10,43 ± 6,16 Punkte) zeigte sich darüber hinaus als zusätzlicher Prädiktor für das Gefühl des Erholtseins, die Tagesschläfrigkeit und Konzentrationsfähigkeit (alle p < 0,05), nicht aber für die Einschlaflatenz (p > 0,05).

Schlussfolgerung

Ein laboreigener Diagnostikfragebogen ist eine valide Methode zur Erfassung von Schlafgewohnheiten und der Beschwerdesymptomatik bei Patienten mit schlafbezogener Atmungsstörung. Der Schlafqualitätsindex vermittelt Informationen über den subjektiven Tageszustand eines Patienten, was ihn als wertvolles Werkzeug des diagnostischen Prozesses auszeichnet.

Schlüsselwörter

Retrospektive Studien Fragebögen Validität Schlafqualität Schlafapnoe 

Measurement of acute sleep behaviour and symptomatology through self-report diagnostic questionnaire—a validation by means of sleep diaries

Abstract

Background

Retrospective self-report questionnaires about sleep difficulties constitute a standard instrument for clinical routine. Nevertheless, their actual validity has been barely examined. Furthermore, a sleep quality index could be able to provide easy access to further specific anamnesis.

Objectives

This study investigates whether a retrospective sleep diagnostic questionnaire created by a sleep laboratory and a sleep-quality index are valid methods to measure sleep behaviours for patients with sleep-related breathing disorders.

Methods

For 14 days, 326 patients completed a sleep diary, followed by a retrospective diagnostic questionnaire. Stepwise multiple regression analyses were conducted to test if the questionnaire predicted the average sleep diary ratings. A sleep quality index, generated by questionnaire items, was analysed as an additional predictor. Personal features like age and gender were adjusted.

Results

Questionnaire items significantly predicted sleep diary measures (all p < 0.001). The sleep quality index (10.43 ± 6.16 points) was found to be a significant predictor of feeling rested, daytime tiredness, alertness (all p< 0.05) but not for sleep latency (p > 0.05).

Conclusions

The diagnostic questionnaire seems to be a valid method to measure daily sleep behaviour and symptomatology for patients with sleep-related breathing disorders. The sleep-quality index conveys information concerning daily conditions besides single questionnaire items, which distinguishes it as a valuable tool in the diagnostic process.

Keywords

Retrospective studies Questionnaires Validity Sleep quality Sleep apnea syndromes 

Notes

Danksagung

Hiermit danken wir Prof. Y. Hagmayer für die Unterstützung bzgl. statistischen Fragen sowie M. Flade für die Datenaufbereitung.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

M.-J. Kater und A. Rodenbeck geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Alle beschriebenen Untersuchungen am Menschen wurden mit Zustimmung der zuständigen Ethik-Kommission, im Einklang mit nationalem Recht sowie gemäß der Deklaration von Helsinki von 1975 (Fassung 2013) durchgeführt. Von allen beteiligten Patienten liegt eine Einverständniserklärung vor.

Supplementary material

11818_2018_189_MOESM1_ESM.pdf (1.7 mb)
Schlaftagebuch: Die Benutzung des Morgen-Abend-Protokoll, über zwei Wochen geführt, wird in den Instruktionen dem Patienten genau erläutert. Zudem werden grundlegende Informationen über Schlaf und demografische Hintergründe des Patienten erneut abgefragt, sodass der Somnologe bei Betrachtung und Interpretation des Schlaftagebuchs einen schnellen Zugriff darauf hat. Das Schlaftagebuch, geteilt in ein Morgen und ein Abendprotokoll, thematisiert neben den verschiedenen Schlafparametern und Tagesbefindlichkeit auch eine eventuelle CPAP-Therapie sowie die Einnahme von Schlafmittel und ist dadurch auch zur Überwachung des Therapieverlaufes geeignet
11818_2018_189_MOESM2_ESM.pdf (2.4 mb)
Strukturierte Patientenaufnahme - Schlafstörungen: Die ausführliche Erfassung von verschiedenen Schlafindikatoren, Apnoen, Müdigkeit und Tagesschläfrigkeit (per Epworth Sleepiness Scale) sowie der Konzentrationsfähigkeit wird ergänzt durch Angaben zu möglichen Ursachen und Vorbehandlungen. Zudem wird die eine CPAP-Therapie mit den Aspekten Wirksamkeit, Compliance und Schwierigkeiten im Fragebogen thematisiert. Die Strukturierte Patientenaufnahme nach Dr. P. Hannemann, Pneumos Verlag, besteht aus zwei Teilen, wobei dieser die Schlafstörungen betrifft
11818_2018_189_MOESM3_ESM.pdf (2.3 mb)
Strukturierte Patientenaufnahme - Patientenaufnahme: Die ausführliche Erfassung von unterschiedlichen Beschwerden, Vorerkrankungen, medizinischer Historie, Medikamentengebrauch, Belastungen sowie Genussmittel und spezifische Fragen an Patientinnen erfolgt über die strukturierte Patientenaufnahme nach Dr.P. Hannemann, Pneumos Verlag. Diese ist zweigeteilt, wobei dieser die allgemeine und medizinische Patientenaufnahme umfasst

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Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Abt. Klinische Psychologie und Psychotherapie des Kindes- und JugendaltersUniversität BielefeldBielefeldDeutschland
  2. 2.Abt. Pneumologie, Beatmungsmedizin & SchlaflaborEvangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende gGmbHGöttingenDeutschland

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