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Zeitschrift für Erziehungswissenschaft

, Volume 21, Issue 6, pp 1105–1107 | Cite as

Editorial

  • Ingrid Gogolin
Editorial
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Das vorliegende Heft versammelt Beiträge aus Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung, die sich mit Fragen der Lehrerbildung und der professionellen Orientierung von Schulleitungen befassen. In weiteren Beiträgen stehen Schülerbiographien sowie die Beobachtung von Schülerfähigkeiten im Mittelpunkt. Hier geht es um die Sicht von Schüler(inne)n selbst auf ihre Laufbahn, um Beobachtungen dieser Laufbahnen auf der Basis längsschnittlicher Daten und um die Güte eines Instruments zur prozessbegleitenden Beobachtung der Entwicklung von Deutschkenntnissen bei Grundschulkindern. Abgeschlossen wird das Heft durch eine Untersuchung zur Frage nach Bedingungen für die Bereitschaft von Hochschullehrenden, an hochschuldidaktischen Angeboten teilzunehmen.

In den ersten drei Beiträgen werden Untersuchungen zur Qualifikation und den Fähigkeiten von (künftigen) Lehrkräften bzw. Schulleiter(inne)n vorgestellt. In der Studie von Mertens und Gräsel steht die Ausbildung von Lehrkräften im Mittelpunkt. Hier geht es um die Frage, welchen Beitrag die – weithin geforderten und befürworteten – Praxisphasen der Lehramtsausbildung tatsächlich zur Entwicklung bildungswissenschaftlicher Kompetenzen leisten. Die Autorinnen verglichen die Entwicklung der entsprechenden Kompetenzen von Lehramtsstudierenden mit und ohne Praxissemester; dabei setzten sie ein Instrument der Kompetenzselbsteinschätzung und einen Wissenstest ein. Im Ergebnis steht, dass Studierende mit Praxissemester eine signifikant höhere Steigerung der Kompetenzselbsteinschätzung und professionellen Unterrichtswahrnehmung aufwiesen als Studierende, die kein Praxissemester absolviert hatten. Jedoch konnte in keiner der beiden Gruppen eine bedeutsame Steigerung des konzeptuellen Wissens nachgewiesen werden. Was genau also vom Praxissemester für die Steigerung der Qualifikation von Absolvent(inn)en eines Lehramtsstudiums erwartet werden kann, bedarf deshalb durchaus noch der genaueren Klärung, nicht zuletzt angesichts von Unterschieden in der Gestaltung der Praxissemester in den Hochschulen.

Ebenfalls in der Lehrerausbildung angesiedelt ist eine Interventionsstudie, die von Baumgartner vorgestellt wird. Hier geht es um das Problem der Verbesserung von Fähigkeiten zum Feedback bei angehenden Sportlehrkräften. Verglichen wurden die Realisierungen von Feedback von Studierenden, die entsprechende Handlungen im Rahmen eines Praktikums an eigenen textbasierten bzw. an videobasierten Unterrichtsfällen erproben konnten, mit solchen von Studierenden, die nur ein Praktikum absolvierten. Es zeigte sich, dass beide Interventionsformen zur Verbesserung der Ausdrucksmöglichkeiten von Feedback führten, hingegen die Studierenden ohne Intervention keinen entsprechenden Zuwachs im Rahmen des Praktikums zeigten. Der Autor diskutiert mögliche Konsequenzen der Studie für die Gestaltung von Kompetenzdiagnostik in der Lehrerausbildung.

Die dritte Untersuchung in diesem Themenkomplex wendet sich der Frage zu, welche professionellen Profile von Schulleiter(inne)n dazu beitragen, dass Schulreformprozesse in der einzelnen Schule umgesetzt werden. Grundlage für die Untersuchung ist der umfassende Schulreformprozess, den das Land Berlin in Bewegung gesetzt hat. Die Autorengruppe Böse, Neumann, Becker, Maaz und Baumert befragte knapp 200 Schulleiter(innen) mit dem „Stages of Concern“-Fragebogen nach ihren Formen der Auseinandersetzung mit der Reform. Mit Hilfe latenter Profilanalysen konnten fünf Profile der Auseinandersetzung ermittelt werden. Insgesamt deutet sich die Bereitschaft des Großteils der Befragten an, zur Umsetzung und Optimierung der Reform beizutragen. Die Zusammensetzung der Profile variierte in Abhängigkeit von der weiterführenden Schulform sowie von Geschlecht und Berufserfahrung der Befragten.

Die folgenden Beiträge wenden sich Fragen der Entwicklung von Bildungslaufbahnen und der Prüfung von Fähigkeiten bzw. Leistungen zu. Den Auftakt bildet eine biographische Längsschnittstudie (Schneider), in der die Frage gestellt wird, wie die Durchlässigkeit des Bildungssystems von Schüler(inne)n selbst betrachtet wird. Untersucht wurde, wie der Aufstieg in eine Schulform der Sekundarstufe II von Hauptschüler(inne)n erfahren wird. Es zeigt sich in der Studie, dass die negative Einschätzung überwiegt; der theoretische Bildungsaufstieg wird individuell als Abstiegserfahrung wahrgenommen.

Im Beitrag von Linberg, Stuck und Bäumer geht es um die Frage, welche Folgen die Ganztagsschulentwicklung für die Kompetenzentwicklung von Schüler(inne)n in den Bereichen Lesen und Mathematik besitzt. Auf der Grundlage von Daten aus der NEPS-Startkohorte 3 (Schüler[innen] ab der Klasse 5) können verschiedene Angebotsformen der Ganztagsschule in den Blick genommen werden. Zudem kann Auskunft über die Attraktivität der unterschiedlichen Angebotsformen gegeben werden. Die Analysen zeigen, dass weder die schulische Organisationsform noch die Nutzung von Förder- und Lernangeboten einen eigenständigen Effekt auf die Kompetenzentwicklung der Schüler(innen) von der fünften bis zur siebten Klassenstufe aufweisen. Positive Effekte auf die Kompetenzentwicklung sind dann zu erkennen, wenn es sich um Angebote von hoher Attraktivität für die Lernenden handelt.

Die Autorinnen Mackles, Schneider und Schwarz wenden sich einer anderen Quelle für Längsschnittdaten zu, die Auskunft über die Bildungsentwicklung geben können: dem „Kerndatensatz für schulstatistische Individualdaten“, den anzulegen die Kultusministerkonferenz (KMK) bereits 2003 beschlossen hat. Die Autorinnen untersuchen anhand des seit dem Schuljahr 1997/1998 vorliegenden Datensatzes der individuellen Schulstatistik aus dem Land Bremen, welches Potential diese Daten für die Bildungspolitik und die Bildungsforschung haben können. Exemplarisch betrachten sie Fragestellungen zum Einschulungsalter, zur Regularität von Bildungsverläufen und zu Abschlüssen. Sie stellen vor, dass frühe Ereignisse im Bildungsverlauf sehr gut als Prädiktoren für Bildungslaufbahnen genommen werden können.

Auf die Ebene der lernprozeßbegleitenden Diagnostik führt der Beitrag von Ehl, Paul, Bruns, Fleischhauer, Vock, Gronostaj und Grosche. Im Zentrum steht hier ein diagnostisches Instrument zur Prüfung der Fähigkeiten von Schüler(inne)n zur korrekten Verwendung der Stellung des Verbs in deutschsprachigen Texten: die „Profilanalyse nach Grießhaber“. Anliegen der Autor(inn)en ist die Prüfung der Testgüte des Instruments. Ermittelt wurde, dass das Instrument den üblichen Gütekriterien aufgrund seiner geringen Standardisierung nicht standhält. Empfehlungen zur Verbesserung werden gemacht.

Ein Beitrag zur Teilnahme von Hochschullehrenden an hochschuldidaktischen Qualifizierungsangeboten schließt das Heft ab (Beuße). Die Autorin untersucht das Problem auf der Grundlage der Theorie des geplanten Verhaltens. Ihre Untersuchung deutet auf die Bedeutung von Einstellungen und Verhaltenskontrolle für Weiterbildungsabsichten. Es zeigt sich aber auch ein direkter und indirekter Einfluss vorangegangener Erfahrungen. Diskutiert wird vor diesem Hintergrund die Zulänglichkeit der Theorie des geplanten Verhaltens für die Fragestellung.

Copyright information

© The Editors of the Journal 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Fakultät für Erziehungswissenschaft, Allgemeine, Interkulturelle und International Vergleichende Erziehungswissenschaft (EW 1)Universität HamburgHamburgDeutschland

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