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Publizistik

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Politiker-Homepages zwischen Politik-PR und Bürgerpartizipation

  • Nicola Döring
Aufsätze und Berichte

Zusammenfassungen

Gut die Hälfte der Bundespolitiker und knapp ein Drittel der Landespolitiker betreiben im Jahr 2002 eine eigene Website, auf der sie ihre politische Arbeit und ihre Person darstellen sowie den Bürgern Interaktionsmöglichkeiten bieten (z. B. elektronisches Gästebuch, Online-Forum, E-Mail-Adresse). Die Politiker-Homepage als neues politisches Online-Format ist Gegenstand der kritischen Berichterstattung in den Massenmedien und wird von etwa einem Viertel der deutschen Internet-Nutzer mehr oder minder regelmäßig besucht. Der vorliegende Beitrag fasst den Forschungsstand zu Politiker-Homepages zusammen und konzentriert sich auf die bislang vernachlässigte Perspektive von Nutzung und Wirkung. Stellungnahmen zu aktuellen politischen Themen sowie persönliche Informationen gehören zu den meistgenutzten Inhalten von Politiker-Homepages. Interaktive Komponenten werden bislang selten genutzt. Sie bergen ein partizipatives Potenzial, das aber nur ausgeschöpft werden kann, wenn Politiker ein transparentes Kommunikationsmanagement betreiben, so dass der Nutzen einer Beteiligung am Online-Diskurs für mehr Bürgerinnen und Bürger ersichtlich ist. Diskrepanzen zwischen Bürgerwünschen an die Politiker-Homepage einerseits und Online-Verhalten der Bürger andererseits werden diskutiert.

Politicians’ homepages — Political PR or participation?

Abstract

More than half of politicians on the federal level and almost a third on the state level in Germany offered their own website in 2002. Websites typically present politicians’ political work and their personality and provide citizens with interactive channels, such as electronic guestbook, online forum and email address. Politicians’ homepages as a new format of online communication are subject to critical coverage in the mass media. One fourth of internet users visit such pages more or less regularly. This article summarizes research on politicians’ homepages and focusses on two perspectives so far neglected: use and effects. Statements on current political issues and personal information are among the most widely used content elements in politicians’ homepages. Interactive components have so far only seldom been used. They contain a participatory potential, which, however, will only come to be realized if politicians keep up a transparent communication management that makes the uses of taking part evident to more citizens. Discrepancies between the citizens’ expectations for politicians’ homepages on the one hand, and people’s online behavior on the other, are discussed.

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Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften/Wiesbaden 2003

Authors and Affiliations

  1. 1.TU IlmenauIlmenauGermany

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