Der Nephrologe

, Volume 5, Issue 6, pp 463–465 | Cite as

Nierenbiopsie

Einführung zum Thema

Kidney biopsy

Die standardisierte und wissenschaftlich begründete Einteilung von unterschiedlichen Nierenerkrankungen aufgrund von morphologischen Untersuchungen und die Korrelation mit klinischen Befunden wurde bahnbrechend beeinflusst von dem berühmten Buch des Klinikers Franz Volhard zusammen mit dem Pathologen Theodor Fahr von 1914 mit dem Titel „Die Bright’sche Nierenkrankheit, Klinik, Pathologie und Atlas“(Abb. 1). Fahr und Volhard schrieben damals in ihrem Vorwort „Wir wären glücklich, wenn manches von dem, was wir mitzuteilen haben, sich als brauchbarer Baustein zu dem seit Jahren von neuem Stolz aufstrebendem Gebäude der Nierenpathologie erweisen sollte“.

Abb. 1

Aus dem berühmten Atlas von Volhard und Fahr (Springer-Verlag Berlin, 1914) gezeichnete Nierenbefunde eines verstorbenen Patienten mit Nephrose, fast so deutlich wie moderne Mikrofotografien. Der Atlas kann als Vorläufer aller Nephropathologie gelten

Diese Hoffnung hat sich mehr als erfüllt, obwohl der Atlas von Volhard und Fahr ausschließlich auf Obduktionsmaterial von verstorbenen Patienten mit Nierenerkrankungen beruhte, ist die diagnostische Entnahme von Nierengeweben, die Nierenbiopsie, weiterhin die wichtigste diagnostische Maßnahme der Nephrologie, da nur sie allein eine korrekte morphologische Klassifikation der zugrunde liegenden Nierenerkrankung liefert. Obwohl es vielfältige Ansätze zur Proteomdiagnostik im Urin zur Differenzierung unterschiedlicher Nierenerkrankungen gibt, kann allein nur durch die Nierenbiopsie die genaue pathomorphologische Diagnose der zugrunde liegenden Erkrankung und damit auch eine Aussage zur Prognose sowie zur Therapie der Erkrankung getroffen werden. Nach Heft 3/2008 greifen wir mit dieser Ausgabe von Der Nephrologe zum zweiten Mal das Thema Nierenbiopsie auf. Wir haben wieder Themen ausgewählt, von denen wir ausgehen, dass sie für den klinisch orientierten Leser von Interesse sein könnten. Wir glauben weiterhin, dass die Herausgabe eines solchen Heftes gemeinsam durch einen Kliniker und einen Nephropathologen erfolgen sollte, da letztendlich jede pathomorphologische Diagnose mit den klinischen Befunden korreliert werden muss.

Es gelang uns, führende Nephropathologen des deutschsprachigen Raumes zu hervorragend bebilderten Beiträgen einzuladen. Im ersten Beitrag von Dr. Ott und Prof. Wolf aus Jena wird die Indikation zur Nierenbiopsie nach Nierentransplantation einschließlich der Protokollbiopsie beleuchtet.

Frau Prof. Amann und Frau Dr. Benz aus Erlangen besprechen in ihrem Beitrag das interessante Thema der thrombotischen Mikroangiopathien, bei denen sich in den letzten Jahren wesentlich neue Aspekte zur Pathophysiologie und Ätiologie ergeben haben. Herr Prof. Gröne aus Heidelberg zeigt in seinem Beitrag auf, wie Paraproteinämien die Niere schädigen können. Herr Prof.  Mengel, zurzeit Alberta, Kanada, gibt ein Update zur Banff-Klassifikation, die für die Einordnung von Biopsien nach Nierentransplantation essenziell ist; er zeigt deutlich auf, dass diese Klassifikation wie alle Einteilungen sich in ständiger Modifikation befinden, um neue Erkenntnisse aufnehmen zu können. Herr Prof.  Helmchen aus Hamburg bespricht das umfangreiche und wichtige Thema der bioptischen Differenzialdiagnostik der Hantavirus-induzierten Nephropathia epidemica. Herr Dr. Hopfer und Herr Prof. Mihatsch aus Basel fassen in ihrem Beitrag Erkenntnisse zu ausgewählten hereditären Nephropathien, wie dünne Basalmembran und Alport-Glomerulopathie, zusammen.

Wir hoffen, dass mit dieser Ausgabe das Interesse des Klinikers an dem wichtigen Thema Nephropathologie geweckt wird.

Prof. Dr. G. Wolf

Prof. Dr. K. Amann

Copyright information

© Springer-Verlag 2010

Authors and Affiliations

  1. 1.Klinik für Innere Medizin IIIUniversitätsklinikum JenaJenaDeutschland
  2. 2.Abteilung NephropathologiePathologisches Institut der Universität Erlangen-NürbergErlangenDeutschland

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