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Prävention und Gesundheitsförderung

, Volume 14, Issue 2, pp 183–189 | Cite as

Gesundheitserleben von Lehrkräften im inklusiven Unterricht – Analysen unter besonderer Berücksichtigung der Schulform

  • Milena PeperkornEmail author
  • David Horstmann
Originalarbeit
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Zusammenfassung

Hintergrund

Ausgangspunkt des vorliegenden Forschungsbeitrags ist die Einführung inklusiver Schulen als bildungspolitische Konsequenz der Verabschiedung der UN-Behindertenrechtkonvention im Jahr 2009. Der Einfluss der Arbeit in inklusiven Schulkontexten auf die Lehrkräftegesundheit wurde seitdem unzureichend erfasst.

Ziel

Mit der Einführung inklusiver Schulen verändern sich die Zusammensetzung von Lerngruppen und damit berufliche Tätigkeiten von Lehrkräften (z. B. Diagnostikverfahren). Es entstehen neue Anforderungen, welche als Belastungen wahrgenommen werden können. Der Beitrag fokussiert daher das Gesundheitserleben von Lehrkräften in inklusiven Settings unter Berücksichtigung der Schulform.

Material und Methoden

Die Erhebung „Mehr Zeit für gute Schule“ wurde 2016 online durchgeführt. Ziel der Studie war der Informationsgewinn zum Einfluss bildungspolitischer Reformen sowie deren Umsetzung am Arbeitsplatz Schule. Zielgruppe der vorliegenden Analyse sind die Lehrkräfte allgemein bildender Schulen und Förderschulen der Stichprobe (n = 7867).

Ergebnisse

Die Daten zeigen insgesamt eher ungünstige Werte der Gesundheitswahrnehmung im Kontext inklusiver Bildungstätigkeiten über alle Schulformen hinweg sowie signifikante Unterschiede zwischen den Schulformen. Förderschullehrkräfte berichten im Vergleich das Positivste, Gymnasiallehrkräfte das negativste Gesundheitserleben.

Diskussion

Die Daten deuten auf die Relevanz schulform- und tätigkeitsspezifischer Angebote von Aus‑, Fort- und Weiterbildungsinstitutionen hin und belegen für eine positivere Gesundheitswahrnehmung die Bedeutsamkeit der Erfahrung bei der Ausführung von Tätigkeiten im Kontext inklusiver Bildung.

Schlüsselwörter

Lehrkräftegesundheit Gesundheitserleben Schulformen Inklusion Inklusiver Unterricht 

Perceived teacher health in inclusive schooling—analyses with special consideration to of the type of school

Abstract

Background

The starting point for the present research contribution is the introduction of inclusive schools as a consequence of the adoption of the UN Convention on the Rights of Persons with Disabilities in 2009. Since then, the impact of work in inclusive school contexts on teachers’ health has been covered insufficiently.

Objectives

With the introduction of inclusive schools, the composition of learning groups and thus professional activities of teachers (e. g., diagnostic procedures) is changing. New requirements arise which can be perceived as stressful. The article focuses on the health perception of teachers in inclusive teaching and learning settings, with special consideration on the school type.

Materials and methods

In Lower Saxony, the questionnaire survey “More time for good school” was conducted online in 2016. The target group of the present article includes teachers at general education schools and special needs schools (n = 7867). The aim of the study was to gain information on the influence of educational policy reforms and their implementation in the workplace.

Results

The data show rather low values of the health perception across all school types as well as significant differences between school types. In contrast, teachers for special education needs report the most positive, secondary school (gymnasium) teachers the most negative health experience.

Conclusions

The data point to the relevance of school-based and activity-specific services offered by training and continuing education institutions and show the importance of experience in the performance of activities in the context of inclusive education for a more positive perception of health.

Keywords

Teacher health Health experience School type Inclusion Inclusive schooling 

Notes

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

M. Peperkorn und D. Horstmann geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Dieser Beitrag beinhaltet keine von den Autoren durchgeführten Studien an Menschen oder Tieren.

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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Zukunftszentrum Lehrerbildung Netzwerk (ZZL)Leuphana Universität LüneburgLüneburgDeutschland
  2. 2.Zentrum für Angewandte Gesundheitswissenschaften (ZAG)Leuphana Universität LüneburgLüneburgDeutschland

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