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Prävention und Gesundheitsförderung

, Volume 2, Issue 3, pp 143–148 | Cite as

Jodmangel und Jodversorgung in Deutschland

Erfolgreiche Verbraucherbildung und Prävention am Beispiel von jodiertem Speisesalz
  • P.C. Scriba
  • H. Heseker
  • A. Fischer
Schwerpunkt

Zusammenfassung

Hintergrund

Der Jodmangel ist ein naturbedingtes Phänomen und das Strumavorkommen ist in zahlreichen Ländern weltweit endemisch – so auch in Deutschland.

Methode

Als Mittel der Wahl empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Jodsalzprophylaxe, d. h. die bedarfsgerechte Anreicherung von Speisesalz mit Jod. Die Verwendung von Jodsalz erfolgt in Deutschland freiwillig.

Ergebnisse

Die Jodmangelprophylaxe in Deutschland ist in den letzten 20 Jahren zu einem großen Erfolg geworden. Dies gilt im Besonderen für die Verwendung von Jodsalz in derzeit >80% der Haushalte, in 70–80% der Gaststätten und Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung sowie in 60–85% der Fleischereien und Bäckereien.

Schlussfolgerungen

Diese Erfolge sind v. a. einer intensiven und professionellen Öffentlichkeitsarbeit zu verdanken, die vielfältig durch Ministerien, Behörden, Ernährungsfachkräfte und Heilberufe im weitesten Sinne unterstützt wurde. Wie bei jeder Vorbeugung muss die Wirksamkeit der Maßnahmen in Zukunft evaluiert und evtl. korrigiert werden. Der naturgegebene Jodmangel kann an sich nicht beseitigt werden. Die Anstrengungen zur Umsetzung der Jodsalzprophylaxe müssen daher dauerhaft, konsequent und beharrlich fortgeführt und weiter ausgebaut sowie ggf. angepasst werden, um jodmangelbedingte Gesundheitsstörungen in Deutschland zurückzudrängen.

Schlüsselwörter

Jodmangel Prävention „Public relations“/Öffentlichkeitsarbeit Jodsalzprophylaxe Erfolge in Deutschland 

Iodine deficiency and supplementation in Germany

Success of public information and prevention as exemplified by iodized salt

Abstract

Background

Iodine deficiency is a natural phenomenon and goitre is an endemic health problem in numerous countries including Germany.

Methods

On the recommendation of the WHO, iodization of salt for human consumption is the main strategy to control iodine deficiency. In Germany the use of iodized salt is optional.

Results

Iodine prophylaxis has been successfully introduced into Germany over the last 20 years. Currently, iodized salt is used by more 80% of the private households, by 70–80% of restaurants and canteens and 60–80% of bakeries and butchers.

Conclusions

The progress of iodine prophylaxis is mainly due to intensive and professional public relations activities, supported by the government, administration, nutritionists and all kinds of health professionals. However, this preventive measure, as for any other, has to be monitored and evaluated for effectiveness and perhaps corrected. Iodine deficiency as a natural phenomenon cannot be eliminated. Efforts to realise iodine prophylaxis must be continued and developed continuously, consistently and persistently in order to prevent iodine deficiency disorders.

Keywords

Iodine deficiency Prevention Public relations/publicity Iodine prophylaxis Success in Germany 

Notes

Interessenkonflikt

Der korrespondierende Autor weist auf folgende Beziehung hin: Er ist Sprecher des Arbeitskreises Jodmangel (PCS). Trotz des möglichen Interessenkonflikts ist der Beitrag unabhängig und produktneutral.

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Copyright information

© Springer Medizin Verlag 2007

Authors and Affiliations

  1. 1.Medizinische Klinik InnenstadtUniversität MünchenMünchenDeutschland
  2. 2.Ernährung und Verbraucherbildung,Department Sport und Gesundheit,Fakultät für NaturwissenschaftenUniversität PaderbornPaderbornDeutschland
  3. 3.Arbeitskreis JodmangelOrganisationsstelle c/o Praxis PressGroß-GerauDeutschland

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