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Prävention und Gesundheitsförderung

, Volume 2, Issue 4, pp 211–220 | Cite as

Tabakbezugsquellen und Tabakwerbung im Umfeld von Kölner Schulen

Beispiel für den Einsatz eines geographischen Informationssystems in der Public-Health-Forschung
  • C. Meyer
  • S. SchneiderEmail author
Konzepte der Gesundheitsförderung

Zusammenfassung

Hintergrund

Deutschland zählt zu denjenigen europäischen Staaten mit den höchsten Rauchprävalenzen, dem niedrigsten Einstiegsalter und der höchsten Zigarettenautomatendichte. Ziel der Studie war es, Tabakbezugsquellen und Tabakwerbeflächen im Umkreis von Kölner Schulen zu untersuchen.

Material und Methoden

Die Vollerhebung der Tabakbezugsquellen (u. a. Zigarettenautomaten, Kioske, Tankstellen, Tabakläden) und der Tabakwerbung sowie die Verbindung dieser Daten mit allen insgesamt 28 Schulstandorten des Untersuchungsgebiets erfolgte unter Einsatz eines geographischen Informationssystems.

Ergebnisse

Im Untersuchungsgebiet konnten 325 Tabakbezugsquellen identifiziert werden: 59% davon waren Zigarettenautomaten. Insgesamt stand somit für 35 Jugendliche eine Zigarettenbezugsquelle zur Verfügung. Abgesehen von einem Schulstandort musste kein Schüler weiter als 200 m gehen, um einen Außenautomaten zu erreichen.

Schlussfolgerungen

Die Omnipräsenz von Zigarettenautomaten in der Öffentlichkeit und insbesondere in der Nähe von Schulen erleichtert Kindern und Jugendlichen den Einstieg in die Sucht. Es bleibt abzuwarten, ob die seit 2007 geltenden Sicherungssysteme ausreichen, um den Erwerb von Zigaretten an Automaten durch <16-Jährige zu unterbinden.

Schlüsselwörter

Rauchen Tabakkonsum Primärprävention Sozialräumliche Faktoren Adoleszenz 

Tobacco supply sources and tobacco advertising near schools in Cologne (Germany)

Example of using a geoinformation system in public health research

Abstract

Background

Germany is one of the European countries with the highest smoking prevalences, the lowest age at onset and the highest cigarette vending machine density. The purpose of the study was to investigate tobacco supply sources and tobacco advertising near schools in Cologne.

Material and methods

A geographic information system (GIS) was used for a full tally of tobacco supply sources (including cigarette vending machines, newsagents/kiosks, service stations, tobacconists) and tobacco advertising and to link these data with the locations of all 28 schools within this area.

Results

A total of 325 tobacco supply sources were identified in the area investigated; 59% of them were cigarette vending machines. Hence, one cigarette supply source was available for every 35 adolescents. With one exception, no student had to go further than 200 m to reach a vending machine in the open.

Conclusions

The omnipresence of public cigarette vending machines, especially near schools, facilitates the onset of addiction in children and adolescents. It remains to be seen whether the control systems coming into force in 2007 are sufficient to stop the under-16 population from purchasing cigarettes from vending machines.

Keywords

Smoking Tobacco consumption Primary prevention Sociospatial factors Adolescence 

Notes

Danksagungen

Diese Publikation basiert auf einer Diplomarbeit, welche die Erstautorin ohne finanzielle Unterstützung angefertigt hat. Unser besonderer Dank gebührt PD Dr. med. Thomas Kistemann MA (geogr., Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit, Universität Bonn) für zahlreiche fachliche und methodische Hinweise. Frau Dr. Martina Pötschke-Langer (Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg) danken wir für inhaltliche Diskussionen und wertvolle Hintergrundinformationen. Ohne die unkomplizierte Bereitstellung zahlreicher statistischer Informationen durch die Mitarbeiter der Jugendhilfeplanung des Amtes für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Köln, namentlich Herrn Heymann und Frau Langenbach, wäre diese Arbeit nicht möglich gewesen.

Interessenkonflikt

Es besteht kein Interessenkonflikt. Der korrespondierende Autor versichert, dass keine Verbindungen mit einer Firma, deren Produkt in dem Artikel genannt ist, oder einer Firma, die ein Konkurrenzprodukt vertreibt, bestehen. Die Präsentation des Themas ist unabhängig und die Darstellung der Inhalte produktneutral.

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Copyright information

© Springer Medizin Verlag 2007

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Hygiene und Öffentliche GesundheitUniversitätBonnDeutschland
  2. 2.Stabsstelle Krebsprävention, WHO-Kollaborationszentrum für TabakkontrolleDeutsches KrebsforschungszentrumHeidelbergDeutschland

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