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Der Diabetologe

, Volume 14, Issue 8, pp 530–531 | Cite as

Warum über diabetische Retinopathie schreiben?

  • Hans-Peter Hammes
Einführung zum Thema
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Why write about diabetic retinopathy?

Das Thema diabetische Retinopathie wurde in der Vergangenheit erkennbar in den Hintergrund gedrängt. Für das nachlassende Interesse an dieser Thematik, das bei den Besuchen der Symposien der AGDA (Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Auge) oder der Postersessions zu diesem Thema auf dem Jahreskongress unserer Fachgesellschaft oder der europäischen Diabetesgesellschaft am deutlichsten wird, gibt es vielfältige und nachvollziehbare Gründe: Zum einen scheint das Problem Erblindung durch die ophthalmologische Therapie gelöst worden zu sein, zum anderen verminderte eine ausschließlich von Ophthalmologen durchführbare Behandlungsmaßnahme – die intravitreale ophthalmologische Medikation – das Interesse auf diabetologischer Seite. Eine interdisziplinäre Herausforderung ist und bleibt allerdings die gegenseitige Information über die diabetologischen Eckdaten der Patienten einerseits und, von ophthalmologischer Seite, das Retinopathiestadium und die vorgeschlagenen Therapiekonzepte andererseits. Dabei sind diese gegenseitigen Auskünfte Grundlage einer bestmöglichen und v. a. kosteneffektiven Versorgung der Betroffenen.

Aktuell gibt es genügend Gründe, das Thema diabetische Retinopathie auf die Tagesordnung zu setzen:
  • weil viel Wissen um die Pathogenese und das Erscheinungsbild der diabetischen Retinopathie in der Diabetologie verloren ging,

  • weil die Funktion der Retinopathie im Kontext der Systemerkrankung Diabetes vernachlässigt wird,

  • weil sich in jüngster Zeit durch die Nebenwirkungsprofile der hocheffektiven Antidiabetika neue Erkenntnisse ergaben und

  • weil viele definierte Barrieren existieren, die eine ophthalmologische Untersuchung erschweren.

Das Autorenteam, das sich dem Leitthema diabetische Retinopathie in dieser Ausgabe widmet, stellte sich u. a. folgende Fragen:
  • Ist die Retinopathie wirklich seltener geworden, d. h. sind rückläufigen Untersuchungszahlen tatsächlich trotz ansteigender Patientenzahlen gerechtfertigt?

  • Hat die diabetologische Behandlung mit Fokus allein auf den Blutzuckerspiegel den Stellenwert, der ihr zugeschrieben wird?

  • Kann die Injektion ins Auge Laserbehandlungen auf Dauer ersetzen?

Margerete Voigt und Mitautoren widmen sich dem Kapitel der Epidemiologie der Retinopathie unter differenzierter Betrachtung verschiedener Versorgungsstufen.

Die klinische Stadieneinteilung ist wesentliche Grundlage der interdisziplinären Kommunikation

Hansjürgen Agostini und Focke Ziemssen rücken aus ophthalmologischer Sicht die Pathomechanismen der gestörten Schrankenfunktion diabetischer Gefäße im Auge und der Neurodegeneration als neuem Element der Retinopathie in den Vordergrund.

Die klinische Stadieneinteilung als wesentliche Grundlage der interdisziplinären Kommunikation ist ein wichtiges Kernstück des Themas und Pflichtlektüre eines jeden angehenden Diabetologen DDG (Deutsche Diabetes Gesellschaft) und wurde, ebenso wie das Kapitel über die etablierten und neuen Techniken der Bildgebung, von Focke Ziemssen und Mitautoren aufbereitet. Sie berichten über Weitwinkelsysteme, die ohne Mehrfelderfotografie mehr Retinopathie erfassen, über den unbestrittenen Stellenwert optischer Kohärenztomographien und über die noch experimentelle, aber beeindruckende Technik der OCT-Angiographie (OCT: optische Kohärenztomographie), die in Zukunft ihren Platz in der Bildgebung bei Patienten mit diabetischer Retinopathie definieren wird. Automatische retinale Bildanalysealgorithmen (ARIAS) halten zwangsläufig Einzug in die diabetologische Anwendung und werden vorgestellt.

Die Thematik wird durch 3 therapeutische Kapitel abgerundet: Der Beitrag zur diabetologischen Therapie befasst sich v. a. mit der Effektstärke von antihyperglykämischen und antihypertensiven Konzepten und ausführlicher mit der Interpretation der neuen Daten zur Retinopathieentstehung bei GLP-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1: „glucagon-like peptide 1“).

Dem großen Thema der Behandlung des diabetischen Makulaödems widmet sich Georg Spital, insbesondere dem Aspekt der Effektstärke der IVOM (intravitreale operative Medikamentengabe) im Praxisalltag.

Diabetologisches Grundwissen beinhaltet, dass die panretinale Laserkoagulation Erblindung verhindert. Möglicherweise kann diese zerstörende Therapie bald durch bessere Konzepte ersetzt werden, wie von Norbert Bornfeld ausführlich dargelegt.

Ich wünsche Ihnen bei der Lektüre des Themenheftes diabetische Retinopathie viele Neuigkeiten. Bleiben Sie interessiert.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Hans-Peter Hammes, Mannheim

Notes

Interessenkonflikt

H.-P. Hammes weist auf folgende Beziehungen hin: Beratung: Novo Nordisk, MSD; Vortragstätigkeit: Novartis, Bayer, Sanofi, Heidelberg Engineering.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.5. Medizinische Klinik, Sektion EndokrinologieUniversitätsmedizin MannheimMannheimDeutschland

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