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Der Gastroenterologe

, Volume 14, Issue 1, pp 18–23 | Cite as

Darmkrebsfrüherkennung

Wie sieht die informierte Entscheidung aus?
  • R. BüchterEmail author
  • K. Koch
  • R. Meuer
Schwerpunkt

Zusammenfassung

Hintergrund

Für das geplante Einladungsverfahren zur Krebsfrüherkennung bei Darmkrebs hat der Gemeinsame Bundesausschuss das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen beauftragt, ein Anschreiben und eine evidenzbasierte Entscheidungshilfe zu entwickeln.

Ziel der Arbeit

Darstellung der Entwicklungsmethodik der Informationsmaterialien mit dem Fokus auf Risikokommunikation, informierte Entscheidung und Evaluation der Materialien.

Material und Methoden

Fokusgruppen mit Bürgerinnen und Bürgern, Experteninterviews mit Ärztinnen und Ärzten und medizinischen Fachangestellten (MFA), Rückmeldungen von Fachgesellschaften und finale quantitative Nutzertestung.

Ergebnisse

Die Materialien wurden in allen Evaluationen als gut verständlich und informativ bewertet. In den Fokusgruppen wurden die neutrale Darstellung geschätzt sowie die Tatsache, dass die Materialien nicht zur Teilnahme drängen. Während Bürgerinnen und Bürger es begrüßten, dass mögliche Risiken angesprochen wurden, löste dies in Interviews mit Ärztinnen, Ärzten und MFA Sorge um eine möglicherweise abschreckende Wirkung aus. Diese Sorge erscheint unnötig: In der quantitativen Nutzertestung (n = 1007) empfanden über 60 % der Befragten die Materialien eher als zuratend. Gleichzeitig wurde fast allen deutlich, dass sie sich frei für oder gegen eine Teilnahme entscheiden können.

Diskussion

Die Darmkrebsfrüherkennung gehört zu den wirksamen Früherkennungsmaßnahmen. Um eine informierte Entscheidung zu ermöglichen, kann man die Fakten für sich sprechen lassen. Dies fördert realistische Erwartungen und kann, unabhängig vom Ausgang der Untersuchung, Enttäuschungen vermeiden.

Schlüsselwörter

Darmkrebs Früherkennung Informierte Entscheidung Evidenzbasierte Gesundheitsinformation Risikokommunikation 

Early detection of bowel cancer

What does an informed decision look like?

Abstract

Background

The German Federal Joint Committee commissioned the Institute for Quality and Efficiency in Health Care to develop an information letter and an evidence-based decision aid on bowel cancer screening for the planned invitation screening program.

Objective

To illustrate the methods for the development of the information material and the results of the evaluation with particular emphasis on risk communication and informed choice.

Material and methods

Focus groups with citizens, expert interviews with physicians and medical assistants, public consultation process including feedback from medical societies and final quantitative evaluation.

Results

The materials were considered comprehensible and informative by all groups. Citizens appreciated the neutral and non-persuasive character of the information. They also valued the fact that possible risks of the screening procedures were mentioned. This cannot be said of the physicians, who were worried that information on possible complications may keep people from undergoing screening. This worry seems unnecessary: in the quantitative evaluation (n = 1007), more than 60% of the users still felt that the information had a recommending character. At the same time, almost all of them answered that the information had made them aware that screening was their personal choice.

Conclusion

Bowel cancer screening is an effective screening strategy. Letting the facts speak for themselves instead of persuading people to participate in screening facilitates informed choices. Furthermore, irrespective of the screening outcome, being honestly informed may prevent later disappointments.

Keywords

Colorectal neoplasms Early detection of cancer Decision aid/decision support techniques Consumer health information Health communication 

Notes

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

R. Büchter, K. Koch und R. Meuer sind Mitarbeiter des IQWiG. Sie geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht. Der Beitrag fasst die Ergebnisse eines IQWiG-Projekts im Auftrag des G‑BA zusammen.

Dieser Beitrag beinhaltet keine von den Autoren durchgeführten Studien an Menschen oder Tieren. Von allen an der Befragung Beteiligten liegt eine schriftliche Einverständniserklärung vor. Die Zustimmung einer Ethikkommission war nicht notwendig.

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Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)KölnDeutschland

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