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CME

, Volume 15, Issue 10, pp 48–48 | Cite as

Mehr Sicherheit bei der Behandlung

Zehn Regeln für die Rheumatherapie

  • Christine Starostzik
Medizin

Bei der Pharmakotherapie älterer Rheumapatienten müssen sowohl Multimorbidität und mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten als auch physische und psychische Einschränkungen beachtet werden. Hierzu ist eine enge Kooperation zwischen Rheumatologen, Geriatern und Pharmazeuten erforderlich.

Geriatrische Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) erhalten in Deutschland noch immer häufiger Kortikosteroide und seltener Disease-Modifying Anti-Rheumatic Drugs (DMARDs). Versicherungsdaten belegen, dass beispielsweise nach einer Einweisung von RA-Patienten ≥ 65 Jahre in ein Pflegeheim die Verschreibung von konventionellen (c)DMARDs von 22,5% auf 16,5% und von biologischen (b)DMARDs bzw. Biologika von 2,1% auf 1,5% gesunken war. Als Gründe für diese Praxis werden häufig Komorbiditäten und Polypharmazie genannt. Wichtigste Begleiterkrankungen der RA sind Diabetes, Osteoporose, kardiovaskuläre sowie zerebrovaskuläre Erkrankungen.

Durch einen fortlaufend aktualisierten Medikationsplan und geriatrische Assessments kann das Therapierisiko von cDMARDs und Biologika allerdings sachgerecht eingeschätzt werden, meinen Heinz-Jürgen Lakomek von der Universität Minden und Christian Schulz aus Horn-Bad Meinberg. Denn auch wenn Biologika das Risiko für schwerwiegende Infektionen erhöhen könnten, so die Autoren, senkten sie doch über ihre Effektivität andere Risiken wie die Krankheitsaktivität. Diese gilt, wenn sie lang anhält, als wichtiger Risikofaktor für kardio- und zerebrovaskuläre Erkrankungen. Zudem scheinen Biologika das bei RA-Patienten erhöhte Mortalitätsrisiko zu senken, sofern keine Herzinsuffizienz besteht.

Ein Medikationsplan hilft, das Therapierisiko besser einzuschätzen.

© grafikplusfoto / stock.adobe.com

Lakomek und Schulz haben in der Zeitschrift für Rheumatologie in Anlehnung an die Initiative „Klug entscheiden“ die Dos und Don’ts einer immunsuppressiven Therapie bei älteren RA-Patienten zusammengetragen. Damit sollen die sachgerechte Verordnung von bDMARDs und cDMARDs gestärkt, die Sicherheit der medikamentösen Behandlung alter Menschen mit RA erhöht und notwendige Therapiemodifikationen wegen Komorbidität aufgezeigt werden.

Positiv-Empfehlungen für ältere RA-Patienten

  1. 1.

    In der Geriatrie bewährte Assessments sollen zur Überprüfung von Fähigkeitsbereichen wie Selbstständigkeit, Mobilität, Kognition und Emotion herangezogen werden. Alltägliche Fähigkeiten etwa können mit dem Barthel-Index erfasst werden, die Mobilität mit dem Timed-up-and-go- oder dem Tinetti-Test und das Ausmaß der kognitiven Einschränkungen mit dem Mini-Mental-Status-Test (MMST). Die Geriatrische Depressionsskala (GDS) lässt emotionale Auffälligkeiten erkennen, und der Test nach Nikolaus bewertet die Kognition.

     
  2. 2.

    Ein Medikationsplan soll mindestens einmal jährlich und bedarfsbezogen aktualisiert werden.

     
  3. 3.

    Das kardiovaskuläre Risikoprofil von Patienten mit rheumatischen Erkrankungen soll bestimmt und ggf. reduziert werden.

     
  4. 4.

    Zur Bewertung des Risikos für schwerwiegende Infektionen bei Biologikagabe soll der RABBIT-Score berücksichtigt werden.

     
  5. 5.

    Um Krankheitsaktivität und Komorbiditäten bei älteren RA-Patienten zu reduzieren, sollen Biologika häufig eingesetzt werden.

     

Negativ-Empfehlungen für ältere RA-Patienten

  1. 1.

    Eine längerfristige Glukokortikoidtherapie (> 5 mg/Tag Prednisonäquivalent) soll entsprechend dem Do-Not-Kriterium 3 der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) nicht durchgeführt werden.

     
  2. 2.

    Eine Methotrexat-Therapie soll ohne eine regelmäßige Verlaufskontrolle der Nierenfunktionsparameter nicht erfolgen.

     
  3. 3.

    Ohne Überprüfung der bestehenden Medikation soll kein neues Medikament verordnet werden.

     
  4. 4.

    Bei geriatrischen RA-Patienten mit Fähigkeitsstörungen oder geriatrischen Problemen wie Instabilität oder Immobilität sollte eine orale Osteoporosetherapie durch eine parenterale ersetzt werden. Die Osteoporose als Komorbidität der RA wird auch durch längere Kortikosteroidgaben und die chronische Entzündung begünstigt. Das Sturzrisiko soll mindestens einmal jährlich abgefragt werden.

     
  5. 5.

    Sulfonylharnstoffe und eine zu strenge Blutzuckereinstellung sollten bei älteren, gebrechlichen Typ-2-Diabetikern mit RA wegen des hohen Hypoglykämierisikos vermieden werden. Für geriatrische Patienten werden HbA1c-Zielwerte von 7–8% empfohlen.

     

Literatur

  1. Lakomek H.-J. et al. Z Rheumatol 2018;77:369–378CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

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Authors and Affiliations

  • Christine Starostzik
    • 1
  1. 1.

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