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CME

, Volume 14, Issue 9, pp 31–31 | Cite as

Weltweit erste S3-Leitlinie

Realismus gegenüber Crystal Meth

  • Thomas Meißner
Schwerpunkt Suchtmedizin
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Die neue Leitlinie zu Methamphetamin-bezogenen Störungen empfiehlt in vielen Fällen nur Schadensminimierung. Angesichts fehlender medikamentöser Optionen erscheint dies realistisch.

Eine Crack- und Crystal-Meth-Pfeife.

© Christopher Howey / Fotolia

In den Großstädten, aber gerade auch auf dem Land ist Crystal Meth zu einer verbreiteten Droge geworden. Evidenzbasierte Behandlungskonzepte gab es lange Zeit nicht. Ende 2016 aber hat die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) eine S3-Leitlinie vorgestellt.

Auffallend ist der realistische Ansatz, in vielen Fällen nur Schadensminimierung zu betreiben — denn viele Konsumenten möchten sich nicht behandeln lassen. Medikamentös lässt sich bislang weder der Missbrauch noch das Craving reduzieren. Den unwilligen Patienten sollen laut Leitlinie Verhaltensweisen empfohlen werden, um den aus ihrem Konsum resultierenden Schaden möglichst gering zu halten. So sollte ihnen etwa erklärt werden, dass der orale Konsum als risikoärmste Form gilt.

Substanzen nicht kombinieren

Prinzipiell sollten nur eigene Rauchgeräte, Spritzbestecke oder Schnupfröhrchen verwendet werden, um Infektionen zu vermeiden. Von der Kombination mit anderen psychoaktiven Substanzen inklusive Alkohol ist abzuraten — zumindest sollten die Risikopotenziale beachtet werden (www.drugscouts.de). Keinesfalls darf Methamphetamin gemeinsam mit Antidepressiva und MAO-Hemmern eingenommen werden. Es droht ein lebensgefährliches Serotonin-Syndrom.

Weitere Empfehlungen beziehen sich etwa auf die Ernährung. Mundtrockenheit kann mit täglich acht bis zehn Gläsern Wasser und zuckerfreien Kaugummi entgegengewirkt werden. Zum Schutz von Zähnen und Kiefergelenken werden Zahnschienen empfohlen.

Literatur

  1. Leitlinie „Metamphetamin-bezogene Störungen“, AWMF-Registernr. 038-024Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH 2017

Authors and Affiliations

  • Thomas Meißner
    • 1
  1. 1.

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