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Dosisreduktion oder Präparatewechsel

Muskelschmerzen unter Statinen – was tun?

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Muskelschmerzen sind keine seltene Nebenwirkung einer Statintherapie. Doch nicht jeder Muskelschmerz ist medikamentös induziert. Wann darf man davon ausgehen, dass das Statin der Übeltäter ist und wie sollte man dann mit dem Statin weiterverfahren?

Bei der Primär- und Sekundärprävention vaskulärer Ereignisse sind Statine unverzichtbar. So werden in Deutschland z. Zt. fünf Millionen Patienten mit einer solchen Substanz behandelt. „Der Benefit einer solchen Therapie wird wesentlich von der Therapietreue und dem Erreichen der Zielwerte bestimmt“, sagte Professor Ulrich Laufs von der kardiologischen Universitätsklinik in Homburg/Saar auf dem DGN-Kongress. Der häufigste Grund für das Absetzen eines Statins seien Muskelschmerzen und dies sei prognostisch relevant.

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© asierromero / Fotolia

Wie häufig sind Muskelschmerzen?

Die Angaben über die Häufigkeit von Muskelschmerzen unter einem Statin divergieren stark. Während in den großen kontrollierten Studien meist kein signifikanter Unterschied im Vergleich mit Placebo dokumentiert wurde, liegen die Angaben im klinischen Alltag bei 10 bis 20%. „Doch es ist nicht gerechtfertigt, hier nur psychologische Ursachen zu vermuten“, so Laufs. Die genauen pathogenetischen Mechanismen, die die Myopathie auslösen, sind nicht bekannt. Diskutiert werden Störungen der Mitochondrienfunktion, der Signaltransduktion und auch immunologische Reaktionen. Sicherlich spielt auch die genetische Prädisposition eine wichtige Rolle. Wichtige Risikofaktoren sind Alter, Untergewicht, Alkoholabusus und körperliche Aktivität. Auch müssen Interaktionen mit anderen Medikamenten bedacht werden, die das Risiko erhöhen. Bei Simvastatin sind dies Verapamil, Diltiazem, Amlodipin, Amiodaron und Ranolazin.

„Ganz ohne Statin“ ist selten

Muskelschmerzen können viele Ursachen haben, sind also nicht immer durch das Statin verursacht. Von einer Statin-Myopathie muss man dann ausgehen, wenn die Symptome innerhalb von vier Wochen nach Beginn der Statineinnahme auftreten, sich innerhalb von vier Wochen nach Absetzen des Medikaments wieder zurückbilden und bei einer Reexposition dann wieder auftreten.

Nur sehr selten allerdings, nämlich in ca. 10% der Fälle muss ein Patient ganz auf ein Statin verzichten. Doch muss man meist die Dosis reduzieren, so dass die Zielwerte oft nicht erreicht werden. Dann bietet sich eine Kombination mit Ezetimib oder eine Umstellung auf einen PCSK9-Inhibitor an.

Zunächst Therapie unterbrechen

Wie sollte man aber vorgehen, wenn ein Patient nach Einleitung einer Statintherapie über Muskelschmerzen klagt und andere Ursachen ausgeschlossen sind? „Zunächst sollte man die Therapie für zwei bis vier Wochen unterbrechen“, so die Empfehlung von Laufs. Anschließend sollte man die Therapie wieder aufnehmen. Bei einem Teil der Patienten treten die Muskelschmerzen dann nicht mehr auf und man kann dann stufenweise auftitrieren, bis der Zielwert erreicht ist. Führt diese Reexposition aber erneut zu Beschwerden, so sollte ein anderes potentes Statin in einer niedrigen Dosierung gewählt werden. Die Dosis kann dann langsam erhöht werden, bis erneut Beschwerden auftreten. So lässt sich die gerade noch verträgliche Dosis ermitteln. Von einer Statin-Intoleranz sollte man erst dann sprechen, wenn die kleinste Dosis von zwei unterschiedlichen Statinen nicht toleriert wird.

Literatur

  1. 88. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), 23.–26.9.2015 in Düsseldorf; Laufs, U.: Praktisches Vorgehen bei Muskelschmerzen und Statinen

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Stiefelhagen, P. Muskelschmerzen unter Statinen – was tun?. CME 13, 35 (2016). https://doi.org/10.1007/s11298-016-5588-3

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