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Gen-Umwelt-Wechselwirkung

Ist der Diabetiker das Opfer seiner Gene?

Bei der Pathogenese des Typ-2-Diabetes sind Erbfaktoren und Umwelt beteiligt. Doch ungünstige Gene sind kein unvermeidbares Schicksal, sondern können durch Änderungen des Lifestyle in ihrer Aktivität gebremst werden. Umgekehrt modulieren Gene den Effekt von lebensdiätetischen Maßnahmen. Diese komplexen Wechselwirkungen könnten neue Wege für eine Therapie des Typ-2-Diabetes ermöglichen.

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© DeoSum — Fotolia

Der größte diabetogene Effekt unter den Diabetes-Genen wird einem Gen zugeschrieben, welches für die inkretinstimulierte Insulinsekretion verantwortlich ist. Eine Risikovariante dieses Gens führt zu einer Abnahme der Insulinsekretion. Eine Variante im Gen des Fettsäurerezeptors 1 bewirkt ebenfalls eine Störung der Insulinsekretion. Sind die freien Fettsäuren als Folge einer ungesunden Ernährung erhöht, wird dieses Gen stärker aktiviert. Bewegungsarmut und eine proteinreiche Ernährung wiederum stimulieren die Variante eines Gens, welches bei der Bildung des Fettgewebes mitverantwortlich ist.

Keine Einbahnstraße

Doch die Wechselwirkungen zwischen Genen und Umwelt sind keine Einbahnstraße. „Vielmehr müssen wir davon ausgehen, dass Gene umgekehrt den Effekt von diätetischen Bemühungen bei der Diabetes-Prävention modulieren“, so Dr. Robert Wagner, Tübingen. Lebensstilfaktoren würden durch Gene verstärkt oder abgeschwächt. Während bei dem Einen dadurch das Diabetesrisiko deutlich verringert werde, zeigten diese Bemühungen bei dem Anderen kaum eine Wirkung. So wird z.B. durch eine bestimmte Genvariante der Schutzeffekt einer ballaststoffreichen Ernährung zunichte gemacht. Andererseits können die Träger einer bestimmten Genmutation vor den schädlichen Auswirkungen einer fettreichen Ernährung geschützt sein.

„Inwieweit diese komplexen Wechselwirkungen für die Manifestation des Diabetes wirklich verantwortlich sind, lässt sich schwer beurteilen“, so Wagner. Könnten wir diese Interaktionen genau charakterisieren, wäre dies ein wichtiger Schritt in Richtung auf eine individualisierte Prävention und Therapie.

Literatur

  1. Symposium „Gen-Umwelt-Interaktionen“, 50. Deutscher Diabeteskongress, Berlin 2015

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Correspondence to Peter Stiefelhagen.

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Stiefelhagen, P. Ist der Diabetiker das Opfer seiner Gene?. CME 12, 23 (2015). https://doi.org/10.1007/s11298-015-1347-0

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