CME

, Volume 9, Issue 7–8, pp 5–5 | Cite as

Hochdruckliga hat ihre Leitlinien aktualisiert

Update für hypertone Diabetiker
  • Wolfgang Geissel
Diabetes
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Die Hochdruckliga hat ihre Leitlinien im vergangenen Jahr geändert und den aktuellen Stand der Therapie in einem Update zusammengefasst.

Bei Diabetes und Hypertonie rät die Hochdruckliga zu den Zielwerten 130–140 / 80–85 mmHg, wobei das Optimum bei den unteren Werten liegt. Patienten sollten intensiv mit Allgemeinmaßnahmen wie körperliche Bewegung und Reduktion von Kochsalz vertraut gemacht werden. Für übergewichtige Patienten heißt das zudem Gewichtsabnahme. Auch gegen alle weiteren vorhandenen kardiovaskulären Risikofaktoren wie erhöhte Blutfettwerte soll behandelt werden. Weil manche Diabetiker infolge einer autonomen Neuropathie zu orthostatischem Blutdruckabfall neigen, sollte der Blutdruck auch im Stehen kontrolliert werden, empfiehlt die Liga. Meist ist in der Therapie die Kombination mehrerer Antihypertensiva erforderlich.

Die Blutdrucksenkung hat dabei einen nephroprotektiven Effekt, besonders ausgeprägt bei Behandlung mit ACE-Hemmern und AT1-Antagonisten. Diese Substanzen sollten daher auch bevorzugt bei hoch-normalem Blutdruck und Mikroalbuminurie eingesetzt werden.

Unter 130/80 mmHg bei Niereninsuffizienz

Um das Fortschreiten der diabetischen Nephropathie zu verhindern, sind zwei Maßnahmen wesentlich: Blutdruckkontrolle und Reduzierung einer bestehenden Proteinurie möglichst auf Normalwerte. Bei Diabetikern mit Niereninsuffizienz scheint ein Zielblutdruck von unter 130/80 mm Hg vorteilhaft zu sein. Bei einer Proteinurie von einem Gramm pro Tag und darüber empfiehlt die Liga sogar Zielwerte von 125/75 mmHg. Hierfür seien meist zwei oder mehr Antihypertensiva nötig, um ein Fortschreiten der Niereninsuffizienz zu verhindern (Mittel der ersten Wahl auch hier ACE-Hemmer und AT1-Antagonisten!). Bei Überwässerung seien zudem meist Schleifendiuretika erforderlich.

Übrigens ...

... leidet jeder achte Diabetiker an Depressionen. Betroffene vernachlässigen oft die Therapie, was Folgekrankheiten begünstigt. Diabetiker daher regelmäßig auf Depressionen screenen.

... ist Dauerfernsehen Risikofaktor für die Entwicklung von Diabetes. In einer Metaanalyse mit 176.000 Probanden kamen bei je zwei Stunden mehr TV-Konsum pro Tag auf 100.000 Personen und Jahr 176 Typ-2-Erkrankungen.

... kann ein Magenbypass adipöse Typ-2-Diabetiker in eine dauerhafte Remission bringen. Von 60 Patienten (BMI > 35, HbA1c > 7%) erreichten 75% binnen zwei Jahren eine Remission (HbA1c 6,35%).

Literatur

  1. Leitlinien Update, www.hochdruckliga.de
  2. AG Diabetes und Psychologie, DGGGoogle Scholar
  3. JAMA 2011, 305: 2448Google Scholar
  4. NEJM 2012, 366:1577Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag 2012

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Geissel

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