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CME

, Volume 9, Issue 3, pp 36–36 | Cite as

Schadet Johanniskraut der Leber?

Immer wieder in der Diskussion
Experten gefragt

Frage: Können Johanniskraut-Präparate Leberschäden verursachen?

Prof. Dr. Karen Nieber, Leipzig: Johanniskraut guter Qualität enthält durchschnittlich 0,1–0,15% Gesamt-Hypericine, welche vor allem in den Exkretblättern der Blüten und Knospen lokalisiert sind. Diese setzen sich aus durchschnittlich 0,2–0,3% Hypericin, Pseudohypericin und ähnlichen Substanzen zusammen. Für die Wirksamkeit sind des Weiteren 2–4% Flavonoide und Bioflavone verantwortlich. Die Wirksamkeit von Johanniskraut in der Therapie von leichten bis mittelschweren Depressionen ist durch klinische Studien gut belegt. Ebenso, dass Johanniskraut das abbauende Cytochrom P450, Subtyp 3A4, in der Leber induziert, wodurch Interaktionen mit anderen Wirkstoffen entstehen. Die Frage, ob Johanniskraut Leberschäden verursacht, wird immer wieder diskutiert. Bisher konnten dafür aber keine validen Belege vorgelegt werden. Ausdruck dafür ist, dass bei einigen Johanniskrautpräparaten der Hinweis auf Leberschädigung in die Fachinformation nicht aufgenommen wurde, bei anderen Präparaten wird die Möglichkeit von 1:10.000 nicht ausgeschlossen.

In der Literatur gibt es einige Einzelfallbeispiele, bei denen eine Erhöhung der Leberenzyme als Indikator für eine Leberschädigung beschrieben wurde. Hierbei handelt es sich ausnahmslos um Patienten, die mehrere Präparate eingenommen haben, sodass eine Kausalität zum Johanniskraut nicht hergestellt werden kann (Acta Gastroenterol Belg 2008, 7:36). Andererseits gibt es aber auch in-vitro-Studien, die zeigen, dass die Flavonoide in Johanniskraut protektiv gegen eine Hepatotoxizität wirken (J Ethnopharmacol 2008, 116:1).

Insgesamt kann heute aufgrund der Datenlage davon ausgegangen werden, dass bei bestimmungsmäßigem Gebrauch von Johanniskraut-Präparaten keine Leberschädigung zu erwarten ist.

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© Springer-Verlag 2012

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