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Journal for General Philosophy of Science

, Volume 42, Issue 2, pp 399–409 | Cite as

Feyerabend und Kant: Kann das gut gehen? Paul K. Feyerabends Naturphilosophie und Kants Polemik gegen den Dogmatismus

Suhrkamp, Frankfurt a. M., 2009, 382 S., € 24.80, ISBN 9783518585146
  • Thomas Kupka
Essay Review

Paul Feyerabend gilt als enfant terrible der Wissenschaftsphilosophie und hat zeitlebens daran gearbeitet, sich diesen Ruf nicht zu ruinieren. Aber auch Kant, der »Alleszermalmer«,1 hatte seit der Kritik der reinen Vernunft einen Ruf zu verlieren. Standen jedoch bei Kant die Glaubenssätze der damaligen Metaphysik über Welt, Seele, Freiheit und Gott auf dem Prüfstand eines ausgeklügelten methodischen Systems, stellte sich Feyerabend gleich ganz [w]ider den Methodenzwang (1983). Nun hat er am Ende doch noch eine Naturphilosophie (2009) hinterlassen. Und die zeigt ihn einmal mehr als historischen Natur- und Wissenschaftsphilosophen, der keineswegs wissenschaftsfeindlich eingestellt war, sondern mit einem methodenpluralistischen Hin- und Herwandern des Blicks zwischen theoretischer Beschreibungssprache und zu beschreibender Welt versuchte, uns selbst als Teilder Natur zu sehen ohne uns rationalistisch über sie erheben. Das klingt zunächst wie ein Gegenmodell zu Kant und war gewiss auch...

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Copyright information

© Springer Science+Business Media B.V. 2011

Authors and Affiliations

  1. 1.BremenGermany

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