Martin J. Hodson, John A. Bryan (2012): Functional biology of plants, Wiley-Blackwell, Chichester, UK, 334 S., Geb./kart., 85,00/34,99 £, Geb: ISBN: 978-0-470-69940-9, Kart: ISBN: 978-0-470-69939-3
Mit der raschen und starken Förderung der Molekularbiologie ging die Entwicklung von zwei getrennten Lehrbuch-Schwerpunkten einher. Die traditionellen Bücher umfassten Physiologie, Biochemie, den Bau und die Funktion der Pflanzenkörper; die neuen Lehrbücher legten den Schwerpunkt auf die Molekularbiologie in Zusammenhang mit Signalerkennung und Differenzierung. Diese Dualität wird im vorliegenden Buch aufgehoben. Functional Biology of Plants hat das Ziel, die gesamte Pflanze mit ihren morphologischen, physiologischen und molekularen Besonderheiten zu erfassen, um die Funktion dieses komplexen Primärproduzenten darzustellen und die oft nicht im Zusammenhang dargestellten Teildisziplinen der Pflanzenwissenschaften zusammenzuführen.
In zwölf Kapiteln werden vier Schwerpunkte vorgestellt:
- 1.
Zytologie, Zellphysiologie, Molekularbiologie und Entwicklungsprozesse (drei Kapitel).
- 2.
Struktur und Funktion der Pflanzen, inklusive Differenzierungsschritte. Ausgehend von der Embryonenbildung aus der Zygote über Darstellung der Reservestoffphysiologie werden Keimungsprozesse und die Differenzierung der Pflanzenorgane detailliert und dennoch in konsequenter Kürze dargestellt (fünf Kapitel).
- 3.
Der Schwerpunkt Pflanze-Umwelt-Wechselwirkung stellt in drei Kapiteln die Reaktionen der Pflanzen auf abiotische und biotische Stressfaktoren dar. Neben der Reaktion der einzelnen Modellpflanze werden auch Pflanzenbestände einbezogen – ohne dabei den Bezug zu physiologischen Abläufen im Stressstoffwechsel und zu deren Regulation auf molekularer Ebene zu vernachlässigen.
- 4.
Die Bedeutung der Pflanzen als stabilisierende Elemente im Rahmen des Klimawandels sowie als regenerativer Energieträger der Zukunft. Dieser Schwerpunktsetzt sich ebenfalls mit dem Verlust an Biodiversität und mit der Möglichkeit des Einsatzes genetisch veränderter Nutzpflanzen auseinander.
Der große thematische Umfang dieses Lehrbuchs sowie die parallele Bearbeitung von molekularbiologischen, physiologischen und morphologisch-anatomischen Sachverhalten stellt eine Herausforderung an die Autoren dar, die jedoch durchgehend souverän mit der Komplexität umgehen. Somit stellt das Buch eine gelungene Zusammenstellung dar, die es erlaubt, die Komplexität der Pflanzen aus den unterschiedlichen methodischen Ansätzen heraus zu verstehen. Dieser Denkansatz führt dazu, die oft noch getrennt vermittelten Bereiche der Pflanzenwissenschaften zusammenzuführen und den gesamten Ablauf der Prozesse im komplexen Organismus im Zusammenhang zu verstehen.
Im vorliegenden Umfang eignet sich das Buch sehr gut für das Bachelorstudium in Pflanzenwissenschaften sowie zur Vorbereitung auf Lehrveranstaltungen im Vertiefungsstudium.
Reinhard Lieberei, Hamburg