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Notfall + Rettungsmedizin

, Volume 22, Issue 8, pp 677–678 | Cite as

Zwischen Zank und Zwist: Kontroversen in der Notfallmedizin

  • M. BernhardEmail author
  • H. Dormann
  • C. Waydhas
Einführung zum Thema

Between quarrel and strife: controversies in emergency medicine

Streit, Zank, Zwist und Zwietracht sind zeitraubende Aktivitäten, und in der Notfallmedizin besteht hierzu keine Zeit. Dennoch gehören offen ausgetragene Meinungsverschiedenheiten zwischen zwei oder mehreren Gruppen, wissenschaftlichen Strömungen oder gar Schulen zum normalen medizinischen Alltag. Dabei muss eine Kontroverse eigentlich gar nicht feindselig oder emotional erregt erfolgen, sondern kann fundiert, intelligent und konstruktiv ausgetragen werden. Und ganz nebenbei sind wir alle doch zeitweise ambivalent in unseren Ansichten, nicht immer ganz wertfrei in den Details, aber fokussiert auf den Inhalt und konzentriert in der Umsetzung. Auf viele medizinische Fragen gibt es zudem nicht immer oder noch nicht die eine richtige Antwort. In der klinischen Versorgung wird die konkrete Entscheidungsfindung dann doch geprägt von den eigenen Kompetenzen und Fertigkeiten und dem erworbenen Wissen, wobei all diese Faktoren einer Dynamik unterworfen sind, die durch einen kontinuierlichen Wissenszuwachs und dem kollegialen Diskurs ausgelöst wird. Das Bestreben, neue Antworten zu finden und die Bereitschaft zur Weiterentwicklung, sind hierbei Garanten einer guten Qualität.

Der US-amerikanische Reanimationsforscher Clifton W. Callaway schrieb im Jahr 2012 in einem Editorial im anerkannten Journal of the American Medical Association, dass der größte wissenschaftliche Fortschritt dann entsteht, wenn neue Forschungsergebnisse bestehendes Wissen anzweifeln [1]. Clifton W. Callaway konstatierte damit die Basis jeder Kontroverse: Neue Aspekte, neue Studienergebnisse oder gar neue Denkansätze führen zu komplett neuen Strategien in der Medizin mit dem Ziel, unsere Patienten noch besser als bisher versorgen zu können.

In dem vorliegenden Schwerpunktheft von Notfall+Rettungsmedizin gehen wir nun einer Vielzahl an Kontroversen nach. Dabei haben wir die Autoren, die Redaktion, die Rubrikherausgeber und die Reviewer vor eine große und schwierige Aufgabe gestellt: Ein Autorenteam, das bekannterweise kontroverse Standpunkte vertritt, sollte gemeinsam eine Einleitung zu einem Thema verfassen, dann separiert einen Pro- und Kontraanteil und schlussendlich aber wieder gemeinsame ein Fazit aus ihrer Darlegung ziehen.

Gegliedert ist das Leitthemenheft nach dem ABCDE-Konzept: Zum Atemweg diskutieren die Kollegen Girrbach, Bercker und Hinkelbein alternative Methoden zur Atemwegssicherung in der prähospitalen Notfallmedizin.

Lier und Maegele setzen sich danach mit dem Für und Wider von Tranexamsäure in der Präklinik auseinander.

Kumle und Orban tragen dann zu einer wichtigen Fragestellung im konservativen Schockraummanagement bei: Soll der prähospital reanimierte Patient unabdingbar immer zuerst in den Herzkatheter oder ggf. auch zunächst in den Schockraum?

Die Kollegen Casu, Häske, Herbstreit und Rath führen die Diskussion über die Wertigkeit einer Erstantibiose bei septischen Patienten im Rettungs- und Notarztdienst.

Die Autoren Krohn, Gleißner, Zirlik und Staudacher haben sich abschließend zur Aufgabe gesetzt das Thema Antikoagulantien und Blutplättchenaggregationshemmer in der Präklinik in Bezug auf deren Nutzen und Gefahren zu erörtern.

Durch dieses innovative Konzept möchten wir unseren Lesern die zwei Seiten einer Medaille präsentieren und damit zur Meinungsbildung und Entscheidungsfindung im konkreten Notfall beitragen. Sie erhalten dadurch die Möglichkeit, Ihre bisherige Meinungsbildung mit weiteren Argumenten zu bereichern oder mit für Sie neuen Argumenten zu hinterfragen. Ob Sie das Konzept der Darstellung aktueller Kontroversen begeistert und einen Mehrwert für Ihre fachliche Weiterbildung darstellt, werden Sie und wir erst wissen, wenn Sie sich mit diesen Artikeln beschäftigt haben.

Ganz besonders viel Spaß beim Wissenszuwachs und für Sie alle einen hohen Wirkungsgrad,

PD Dr. Michael Bernhard
Professor Dr. Harald Dormann

Professor Dr. Christian Waydhas

Notes

Interessenkonflikt

M. Bernhard, H. Dormann und C. Waydhas geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Literatur

  1. 1.
    Callaway CW (2012) Questioning the use epinephrine to treat cardiac arrest. JAMA 307(11):1198–1200CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Zentrale NotaufnahmeUniversitätsklinikum DüsseldorfDüsseldorfDeutschland
  2. 2.Zentrale NotaufnahmeKlinikum FürthFürthDeutschland
  3. 3.Klinik und Poliklinik für ChirurgieBerufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil BochumBochumDeutschland
  4. 4.Medizinische FakultätUniversität Duisburg-EssenEssenDeutschland

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