Advertisement

Massenanfall von Verbrennungspatienten

  • M. Kippnich
  • M. Schmitz
  • J. Schmidt
  • T. Wurmb
Leitthema
  • 31 Downloads

Zusammenfassung

Bei einem Massenanfall von Verbrennungspatienten steht die Rettung von Verletzten oder unverletzt Betroffenen aus dem Gefahrenbereich im Vordergrund; die Brandbekämpfung ist ihr untergeordnet. Wichtig für die einsatztaktische Planung des Rettungsdienstes ist eine Ersteinschätzung seitens der Feuerwehr, wie viele Menschen betroffen sind und mit wieviel schwerverletzten Patienten zu rechnen ist (Ersteinschätzung im Sichtungsprozess). Wichtig ist der Start der Transportkette von Verletzten aus dem Gefahrenbereich in sichere Bereiche und die Etablierung von Übergabepunkten zur Übernahme der Patienten durch den Rettungsdienst. Es erfolgen die Einrichtung von Patientenablagen, eine Vorsichtung zur Festlegung von Behandlungs- und Transportprioritäten und erste medizinische, lebensrettende Sofortmaßnahmen. Die medizinische Versorgung muss die Besonderheiten bei Verbrennungspatienten berücksichtigen. Allerdings steht in der Frühphase die spezifische Verbrennungstherapie hinter der Versorgung von schweren Verletzungen. Dies gilt auch für die Verteilung der Patienten auf die Krankenhäuser. Polytraumatisierte Patienten werden unabhängig von der Verbrennung zunächst in entsprechenden Traumzentren primär versorgt. Insgesamt wird die Verteilung der Verbrennungspatienten auf die wenigen Verbrennungszentren eine große Herausforderung sein, besonders dann, wenn die Anzahl der benötigten Betten die vorhandene Kapazität weit übersteigt. Dies wird gerade die Einsatzführungskräfte vor große Herausforderungen stellen. Es ist daher prinzipiell zu fordern, dass bei einer sehr hohen Anzahl an Verbrennungspatienten nichtspezialisierte Krankenhäuser in der Lage sind, einen Teil dieser Patienten zumindest für die ersten 24–48 h primär zu versorgen. Andererseits sollten auch Verbrennungszentren in der Lage sein, ihre Kapazität nach bestimmten Alarmplänen zu akut steigern.

Schlüsselwörter

Rettungsdienst Verbrennung Notfallmedizin Feuerwehr Katastrophenmedizin 

Mass casualty incidents with burn patients

Abstract

In mass casualty incidents with burn patients, the highest priority is to rescue injured and uninjured patients from the danger zone. Important for the tactical planning of the rescue services is a first estimation by the fire service on how many people are affected and how many severely injured patients must be reckoned with. It is important to start a transport chain of the casualties away from the danger zone to safe areas and the establishment of transfer points for the handing over of patients by the rescue services. This is followed by the construction of patient deposition areas, a triage for determination of treatment and transport priorities and initial immediate medical life-saving measures. The medical care must take the special features of burn patients into consideration; however, in the early phase the specific treatment of burns is subordinate to the treatment of severe injuries. This also applies to the distribution of patients to hospitals. For patients with multiple injuries the primary treatment is initially carried out in trauma centers, independent of the burn injuries. All in all the distribution of burn patients to the few available burn centers represents a great challenge, especially when the number of beds needed exceeds the available capacity. This represents a great challenge for management coordinators. Principally it must be required that in the case of a very high number of burn patients, nonspecialized hospitals are in the position to carry out primary treatment of some of the patients for at least the first 24–48 h. At the same time burn centers should also be in a position to increase their capacity according to defined emergency plans in acute situations.

Keywords

Rescue services Burn injury Emergency medicine Firefighters Disaster medicine 

Notes

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

M. Kippnich, M. Schmitz, J. Schmidt und T. Wurmb geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Dieser Beitrag beinhaltet keine von den Autoren durchgeführten Studien an Menschen oder Tieren.

Literatur

  1. 1.
    Martin TE (1990) The Ramstein airshow disaster. J R Army Med Corps 136:19–26CrossRefGoogle Scholar
  2. 2.
    Empfehlungen der AGBF zur Zusammenarbeit in der Gefahrenabwehr bei Bedrohungs- und großen Polizeilagen (2017) – Risiko- und Gefahrenanalyse für eine koordinierte Zusammenarbeit im kalkulierbaren Gefahrenbereich; Arbeitskreis Einsatz und Arbeitskreis RettungsdienstGoogle Scholar
  3. 3.
    Paschen HR (2017) Terrorlagen in Europa. Notarzt 33:61–62CrossRefGoogle Scholar
  4. 4.
    Bayerisches Staatsministerium des Innern und für Integration (2016) Richtlinie zur Bewältigung von Ereignissen mit einem Massenanfall von Notfallpatienten und Betroffenen (mit Anlagen)Google Scholar
  5. 5.
    Hossfeld B, Adams HA, Bohnen R et al (2017) Zusammenarbeit von Rettungskräften und Sicherheitsbehörden bei bedrohlichen Lagen. Anästh Intensivmed 58:573–583Google Scholar
  6. 6.
    Heller AR, Brüne F, Kowalzik B, Wurmb T (2018) Neue Konzepte zur Sichtung. Dtsch Arztebl 115:1432–1433Google Scholar
  7. 7.
    Ladehof K, Redmer D, Neitzel C et al (2018) TacSTART als adaptierter Sichtungsalgorithmus in Bedrohungslagen. Notfall Rettungsmed 21:469–477CrossRefGoogle Scholar
  8. 8.
    Chuckwu-Lobelu R, Appukuttan A, Edwards DS et al (2017) Burn injuries from the london suicide bombings: a new classification of blast-related thermal injuries. Ann Burns Fire Disasters 30:256–260Google Scholar
  9. 9.
    Edwards DS, McMenemy L, Stapley SA et al (2016) 40 years of terrorist bombings—a meta-analysis of the casualty and injury profile. Injury 47:646–652CrossRefPubMedGoogle Scholar
  10. 10.
    Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren – Arbeitskreis Rettungsdienst (2013) Anforderungen an MANV-Konzepte – Ziele für den Einsatzplaner und Forderungen an die LänderGoogle Scholar
  11. 11.
    Deutsche Ggesellschaft für Unfallchirurgie (2016) S3-Leitlinie Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung. AWMF Register Nr. 012/19Google Scholar
  12. 12.
    Deutsche Gesellschaft für Verbrennungsmedizin (2011) Thermische und chemische Verletzungen. AWMF Register Nr. 044/001Google Scholar
  13. 13.
    Einav S, Hanfling D, Kissoon N et al (2014) Surge capacity prinicples. Care of the critically ill and injured during pandemics and disasters: CHEST consensus statment. Chest 146:e1S–e16SCrossRefPubMedGoogle Scholar
  14. 14.
    Dries D, Reed MJ, Kissoon N et al (2014) Special populations. Care of the critically ill and injured during pandemics and disasters: CHEST consensus statment. Chest 146:e75S–e86SCrossRefPubMedGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • M. Kippnich
    • 1
    • 3
  • M. Schmitz
    • 2
  • J. Schmidt
    • 4
  • T. Wurmb
    • 1
    • 3
  1. 1.Sektion Notfall- und Katastrophenmedizin, Klinik und Poliklinik für AnästhesiologieUniversitätsklinikum WürzburgWürzburgDeutschland
  2. 2.Abteilung RettungsdienstBerufsfeuerwehr KölnKölnDeutschland
  3. 3.Wissenschaftlicher Arbeitskreis der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und IntensivmedizinAG Trauma- und SchockraummanagementNürnbergDeutschland
  4. 4.AK Rettungsdienst der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren im Deutschen Städtetag (AGBF)c/o Berufsfeuerwehr KölnKölnDeutschland

Personalised recommendations